Donnerstag, 1. Dezember 2022
02.10.2022 07:15
Bauernpferderennen

«Immer weniger galoppieren mit Pferden»

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Von: ats

Armin Glaus ist Landwirt und seit 20 Jahren OK-Präsident des Bauernpferderennens in Schwarzenburg BE, welches dieses Jahr das 50-Jahr-Jubiläum feiert und gleichzeitig zum letzten Mal stattfinden wird.

«Schweizer Bauer»: Sie sind der OK-Präsident der Bauernpferderennen Schwarzenburg BE. Seit wann haben Sie dieses Amt, und wie ist es dazu gekommen?

Armin Glaus: Mein Vater war die ersten 25 Jahre Rennleiter und Speaker der Bauernpferderennen, ich bin sozusagen mit den Bauernpferderennen auf- und ins OK-Komitee hineingewachsen. Ich bin seit 2002 der OK-Präsident dieses Anlasses, davor war ich auch schon im Vorstand und bin seit insgesamt 25 Jahren für die Rennleitung zuständig.

Wie ist es zur Gründung der Bauernpferderennen in Schwarzenburg gekommen?

1968 wurde in Schwarzenburg der «Tag des Pferdes» mit einem grossen Umzug gefeiert, und am Schluss des Umzuges hat man ein paar Pferderennen auf der Wiese durchgeführt. Das fand Anklang und hat Spass gemacht, und so wurde es Jahr für Jahr erneut durchgeführt. Ausserdem haben wir 24 verschiedene Startfelder. Das ist sicher auch ein Grund, weshalb die Pferderennen so gerne besucht wurden und weshalb der Anlass so oft durchgeführt wurde, wir haben uns immer wieder neue Rennen überlegt, um die Zuschauer anzulocken. Sei es mit Rollerblades, kostümierte Rennen oder Kuhrennen. Die Zuschauer hatten immer ein abwechslungsreiches Programm und nicht nur Trab- oder Galopprennen.

Was ist der Grund, weshalb sich der Anlass so lange halten konnte?

Die Bauernpferderennen Schwarzenburg sind ein besonderer Anlass. Es gibt nicht viele solche Anlässe in der Schweiz. Es war von Anfang an nicht nur ein «Rösselertreffen», sondern vielmehr ein Volksfest, an das auch viele Einheimische, die vielleicht aus Schwarzenburg weggezogen waren, immer wieder gerne kamen, um sich wieder einmal zu sehen und auszutauschen. Und die Zusammenarbeit unter den Bauern und den Landbesitzern war auch immer gut.

Wie meinen Sie das?

Für den Anlass werden mehr als zehn Hektaren Land benötigt. Die Rennbahn befindet sich auf meinem Land und benötigt allein schon fünf. Die Autos werden auf dem Land der Nachbarbauern parkiert, und es geht über Generationen so, dass geschaut wird, dass das Gras dann gemäht ist und Platz für den Anlass zur Verfügung steht. Wir sind hier alle mit dem Bauernpferderennen aufgewachsen.

Wieso wird der Anlass dieses Jahr zum letzten Mal durchgeführt?

Der Vorstand besteht aus neun Personen, einige davon sind schon 25 Jahre oder länger dabei und auch schon gegen 70 Jahre alt. Manche sind mittlerweile in ein Alter gekommen, in dem sie gerne zurück- und etwas kürzertreten möchten. Es lassen sich jedoch keine jungen Leute finden, die die Vorstandsaufgaben übernehmen möchten.

Wieso lassen sich keine Jungen finden?

Die Jungen sind nicht mehr bereit mitzuhelfen und Verantwortung zu übernehmen – aber dieses Generationenproblem sieht man ja in vielen Vereinen, die Vorstände überaltern langsam, aber sicher.

Wieso wollen die Jungen keine Verantwortung mehr übernehmen?

Ich weiss es nicht genau. Heutzutage wird alles gefilmt und sofort ins Internet gestellt. Als wir einmal einen Unfall hatten und die Rega kommen musste, hatte ich bereits Anfragen von «20Minuten» für eine Stellungnahme, bevor der Rettungshubschrauber wieder abgehoben ist. Die ganze Situation mit der Publikation von Bildern, Videos und Texten auf den sozialen Medien von Leuten, die vielleicht nicht einmal eine Ahnung von Pferden und von einem solchen Anlass haben, ist einfach viel schwieriger und sensibler geworden. Die langen Diskussionen an der Hauptversammlung haben gezeigt, dass viele Angst davor haben, in einer schwierigen Situation hinzustehen und den Medien oder dem Tierschutz Rede und Antwort zu geben.

Wie meinen Sie das mit dem Tierschutz?

Die Stellung des Pferdes in der Gesellschaft hat sich über all die Jahre verändert. Aus der Sicht von manchen Kreisen darf man Pferde heute nicht mehr nutzen und nur noch an der Hand spazieren führen. Es sind auch nicht mehr viele Leute bereit, mit ihren Pferden galoppieren zu gehen, das sehen wir an den sinkenden Zahlen der Startenden über die letzten Jahre. Die ganze Tierschutzsituation ist delikat geworden. Stellen Sie sich vor, es geschieht etwas mit einem Pferd während des Rennens, dann wird man am Schluss als Organisator von den Tierschützern noch als Tierquäler an den Pranger gestellt. Davor haben viele Jungen halt Angst. Für einen Neuen wäre der Aufwand am Anfang vielleicht auch gross gewesen, aber wir hätten ihn sicher nicht ins kalte Wasser geworfen und hätten ihn gemeinsam auf seine Aufgaben vorbereitet.

Ist für das 50-Jahr-Jubiläum und die letzte Ausgabe irgendetwas Spezielles geplant?

Ja, wir haben über den Mittag verschiedene Schaueinlagen von der Cadre Noir et Blanc Fribourg, von der Bereitermusik Bern und vom Nationalgestüt. Der Alpabzug wird auch wieder stattfinden. Weil es das letzte Mal ist, werden die Bauern wohl mit etwas mehr Kühen kommen – rund 170 Kühe werden erwartet.

Wie ist es für Sie, dass das Bauernpferderennen Schwarzenburg nun zum letzten Mal stattfindet?

Ich konnte mich natürlich jetzt lange mit dem Gedanken befassen und mich darauf vorbereiten. Es war eine gute Zeit, und wir haben immer Glück und nie einen «struben» Unfall gehabt. Unser Ziel war es immer, dass alle gesund wieder nach Hause kommen, und ich hoffe auf ein gutes, letztes Bauernpferderennen.

Beenden Sie die Sätze…

Das Bauernpferderennen Schwarzenburg ist…viel mehr als nur ein Pferdesportanlass ein Volksfest, das zu Schwarzenburg gehört.

Landwirtschaft ist… heutzutage eine grosse Herausforderung.

Das Bauernpferderennen wurde auf den Sonntag, 9. Oktober, verschoben. 


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