Montag, 28. November 2022
25.09.2022 08:30
Aargau

Er bleibt seinem Beruf treu

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Von: Elmar Gächter

Timo Hartmann hat klare Vorstellungen von seiner beruflichen Zukunft: Nach seinem erfolgreichen Lehrabschluss als Winzer will er sich zum Önologen weiterbilden und dereinst in den Betrieb seines Vaters einsteigen.

Der junge Mann beeindruckt. Bereits nach kurzer Gesprächsdauer spürt man die Leidenschaft, die den 18-Jährigen aus dem Fricktal mit seinem Lehrberuf verbindet. Timo Hartmann weiss, was er kann, aber auch, wo er sich entwickeln will und wie er seine Zukunft als Winzer sieht.

«Super-Erfahrung»

So erstaunt es nicht, dass ihn sein Berufsschullehrer im Kompetenzzentrum für Agrar-, Lebensmittel- und Hauswirtschaft in Wädenswil für die Teilnahme an den SwissSkills vorgeschlagen hat. Und ebenso wenig, dass Timo Hartmann die Chance genutzt hat, an den Berufsmeisterschaften der Schweiz kürzlich mit seinem zweiten Rang in seinem Lehrberuf zu glänzen.

Selbstverständlich hat ihn dieser Erfolg gefreut. «Es war eine Super-Erfahrung, und die Teilnahme wird mir stets in bester Erinnerung bleiben», blickt er auf den Grossevent zurück. Mindestens so wichtig, wie sich mit anderen Teilnehmenden im Wettkampf zu messen, war für ihn der Grossanlass selbst. «Es war sehr spannend und hat mir Spass gemacht, anderen Berufsleuten über die Schultern zu schauen.»

In dritter Generation

Der Spruch, dass der Apfel nicht weit vom Stamm fällt oder hier treffender, dass die Traube nicht weit vom Holz hängt, stimmt für Timo Hartmann hundertprozentig. Denn sein Vater ist bereits in dritter Generation Winzer, war als Kellermeister tätig und bewirtschaftet seit ein paar Jahren sein eigenes Weingut in Oberflachs.

Dennoch dauerte es bis zur Oberstufe, bis der Filius sich ebenfalls für die Berufslehre als Winzer entschied. «Für mich stand seit jeher fest, dass ich etwas Handwerkliches mache, am liebsten draussen.» Nach Schnupperlehren in anderen Berufen und vor allem nach Praktika bei verschiedenen Weinproduzenten war für ihn klar: «Ich will im Weinbau tätig sein.»

Bieler- und Murtensee

Seine Lehrzeit führte ihn zu drei verschiedenen Betrieben am Bieler- und Murtensee sowie ins Zürcher Weinland. Vor allem der Aufenthalt im Seeland hat ihm ausgezeichnet gefallen, speziell landschaftlich. «Zudem war es mir damals schon wichtig, abseits von zu Hause auf mich allein gestellt zu sein. So habe ich zusammen mit Kollegen in einer WG kochen und haushalten gelernt.»

Fast selbstverständlich, dass der Herznacher seine Lehrabschlussprüfung mit einer sehr guten Note abschloss. Es brauche sicher auch Talent für diesen Beruf, wichtig sei jedoch vor allem, sich beim Weinbau an den entsprechenden Standort anzupassen, ob von der Bodenbeschaffenheit oder von den klimatischen Bedingungen her.

«Man lernt es schon in der Schule, diese Aspekte genau zu beobachten.» Wichtig seien bei der Arbeit im topografisch anspruchsvollen Gelände die eigenen physischen Voraussetzungen. «Am Anfang meiner Lehrzeit hatte ich nicht nur mehr Hunger, sondern war vielfach mittags schon müde. Da kam es schon vor, dass ich ein Mittagsschläfchen gemacht habe und abends früh zu Bett gegangen bin», hält Timo Hartmann mit einem Schmunzeln fest.

Er schätzt vor allem auch die verschiedenen Jahreszeiten, insbesondere die ruhigere Phase im Winter, wenn man mit dem Rhythmus des Tages draussen arbeite, so lange es hell sei.

Entscheidender Faktor

Darf ein Lernender in jungen Jahren überhaupt Wein trinken? Timo Hartmann lacht. «Man wird nicht dazu gezwungen.» Aber es sei klar, dass die Sensorik ein ganz entscheidender Faktor für das Herstellen von Wein sei. Wenn man selber einen guten Wein herstellen wolle, gehe es nicht ohne das praktische Testen. Dies gelte vor allem bei der Gärung, wo die Sensorik die einzige Möglichkeit sei, die Qualität frühzeitig zu prüfen und wenn nötig zu intervenieren.

Einen besonderen Lieblingswein hat der junge Berufsmann nicht, er trinkt aber gerne einen Pinot noir oder einen Riesling-Silvaner. Timo Hartmann bereitet sich seit seinem Lehrabschluss während eines Jahres auf die Berufsmatura vor, mit dem Ziel, an der Fachhochschule Önologie zu studieren. Denn für ihn ist klar: Er bleibt seinem Beruf treu.

Klare Vorstellungen

Vor der Rekrutenschule und dem Studium will er im Ausland weitere berufliche Erfahrungen sammeln. «Ich habe klare Vorstellungen von meiner beruflichen Zukunft, aber ich mache mir deswegen keinen Stress», hält er fest und ergänzt, dass er sich durchaus vorstellen könne, dereinst im Betrieb seines Vaters einzusteigen.

Mit ihm tauscht er sich regelmässig aus, und er konnte ihm auch schon den einen oder andern Tipp aus seiner Lehrzeit in verschiedenen Betrieben geben. Wichtig ist Timo Hartmann die biodynamische Art der Bewirtschaftung, wie er sie während seiner Ausbildung gelernt hat und wie sie auch sein Vater praktiziert. Und weil der Beruf längst nicht das Einzige ist, was ihn interessiert, will er sich in der Freizeit vermehrt seinem Mitmachen im Turnverein Herznach widmen.

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