Freitag, 23. Juli 2021
21.07.2021 16:16
Gegendarstellung

Gegendarstellung zu «Tierschützer gefährden Tierwohl»

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Von: mgt

Zum Artikel «Tierschützer gefährden Tierwohl», veröffentlicht am 7. Juli 2021 auf schweizerbauer.ch, begehrt die Tierrechtsorganisation «1Individuum» folgende Gegendarstellung. Verfasst wurde diese Gegendarstellung von Robert Rauschmeier. Er ist Präsident und Sprecher von «1Individuum». Die Organisation spricht nach eigenen Angaben die strukturelle Ungerechtigkeit – den Speziesismus – in der Gesellschaft an.

«In diesem Artikel geht es darum, unsere Sicht bezüglich der Aktion im Eptinger Legehennenstall zu schildern.

Gleich zu Beginn wird behauptet, dass die Bäuerin «abgekanzelt, angeprangert, beleidigt» und als «Tierquälerin» bezeichnet wurde. Alle Tierrechtsaktivist:innen müssen vor einer solchen Aktion einem sogenannten Aktionskonsens zustimmen, der unter anderem beinhaltet, dass keinerlei Diskriminierung – weder gegenüber menschlichen noch nichtmenschlichen Lebewesen – ausgeübt und toleriert wird. Dies gilt auch für eine gewaltfreie Kommunikation.

Aktionen solcherart werden deshalb immer professionell durchgeführt. Leider werden nach wie vor Minderheiten und Andersdenkende – wie beispielsweise Tierrechts-/Umweltaktivist:innen im bestehenden System verbaler und angedrohter physischer Gewalt sowie Sachbeschädigungen massiv ausgesetzt. Es wurden an dieser Aktion auch Reifen von Autos der Tierrechtsaktivist:innen zerstochen und manche ausländischen Aktivist:innen auch rassistisch angegangen, obwohl diese immer gewaltfrei geblieben sind.

Im Artikel wird mehrfach vermutet, dass Aktivist:innen Ställe besetzen, um sich selber zu profilieren und in den Medien zu erscheinen. Es geht jedoch darum, den von der Tierindustrie ausgebeuteten Tieren selber durch zivilcouragiertes Protestieren Gehör zu verschaffen. Es werden nie Bauern individuell als Tierquäler angeprangert, sondern ein System, welches auf Ausbeutung und Missbrauch von hilflosen Lebewesen aufgebaut ist. Dieses massive Unrecht den Tieren gegenüber wird angesprochen und wir von 1Indivdiuum wollen medial darauf aufmerksam machen um Menschen zum Umdenken und Umhandeln zu bringen, damit diese den Konsum und die Produktion dieser Tierqualprodukte boykottieren.

Solange diese Industrie Geld verdient, indem also der Profit und der persönliche Konsum von Tierqualprodukten den persönlichen Interessen der Tiere höher gewichtet werden, solange wird dieses Leid und diese Ausbeutung von Aktivist:innen angesprochen. Die Lösung ist ein gesellschaftlicher Wandel. Das heisst konkret: die Umwandlung von Bauernhöfen in Lebenshöfe und die Umstellung der Konsumgewohnheiten auf eine rein pflanzliche, also vegane, Ernährungs- und Lebensweise; Damit Tiere als fühlende Lebewesen mit Rechten anerkannt und nicht mehr als blutige Ware zur Geldeinnahme angesehen werden.

Weiter wird behauptet, dass weder die Polizei noch der Gallo-Suisse-Präsident zu uns Aktivist:innen durchdringen konnten. Erst der Tierärztin sei es gelungen, die Aktivist:innen herauszulocken. Herausgelockt wurde vor Ort niemand. Stimmen tut, dass die Aktivist:innen immer Kommunikation meldeten und aktiv auf die Personen zugingen. Es wurden Forderungen gestellt um Lebewesen vor der weiteren Ausbeutung und dem Tod zu bewahren und den Medien und somit auch der Bevölkerung die unbeschönigten Zustände im Stall zugänglich zu machen. Die Konsument:innen haben ein Recht darauf zu wissen, für welche Gewalt sie bezahlen.

Es soll auch keine Rücksicht auf die Tiere genommen worden sein. So wird munter behauptet, dass die Hennen keinen Zugang zu Wasser und Futter hatten. Auch den Weg zu ihren Nestern sei versperrt worden. Ich kann hier genau sagen, dass dies ebenso wenig stimmt, da ich ja selber im Stall gewesen bin. Die Hühner hatten jederzeit Zugang zu Wasser, Futter und auch zu ihren Nestern. Wir Aktivist:innen sind langsam und leise durch den Gang und haben nur wenige Quadratmeter und einen einzigen Korridor besetzt. Die Hühner kannten uns natürlich nicht und waren am Anfang selbstverständlich vorsichtig. Sie merkten allerdings schnell, dass wir ihnen nichts Böses anhaben wollten. So schlug die Vorsichtigkeit in Neugier der Tiere um. Sie näherten sich uns bald schon.

Es ist uns klar, dass die Tierindustrie sich zu wehren versucht und ein Bild des märchenhaften und idyllischen Landlebens für die Tiere aufrechterhalten will. Aktivist:innen bedrohen diese Mythen, denn die stärkste Waffe gegen diese Industrie, ist das wachsende kollektive Bewusstsein gegen dieses, leider immer noch gesellschaftlich akzeptierte und hingenommene, Unrecht. Dafür stehen wir ein. Dafür erheben wir unsere Stimmen; für die in unserer Gesellschaft am stärksten und schlimmsten ausgebeuteten und diskriminierten Lebewesen. Den Tieren, welche zu Nutztieren degradiert wurden, und somit jegliche Rechte auf ein Leben in Frieden und Unversehrtheit verloren haben.»

Robert Rauschmeier

-> Hier gehts es zum auf schweizerbauer.ch publizierten Artikel

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