Dienstag, 2. März 2021
20.12.2020 09:33
Naturschutz

Glögglifrosch und Ringelnatter wird’s freuen

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Von: elg

Ein Landeigentümer, Geldgeber und ein aktiver Verein ermöglichen ein neues Naturrefugium, das selbst der Ringelmatter gefallen dürfte.

Man könnte sich hier fast ein wenig wie im Garten Eden fühlen. Im Westen der Blick hinunter in das bezaubernde Naturschutzgebiet Looch, am nördlichen Hügel die längst in Winterschlaf gefallenen Rebstöcke und an der gegenüberliegenden Baumgrenze das sprudelnde Baholdenbächli. Nur die Motorsägen im nahen Buchenwald erinnern daran, dass die Zivilisation doch nicht so weit weg sein kann.

Hier in diesem ostwärts mehr und mehr schmaler werdenden Seitentäli unterhalb des oberbaselbieterischen Ramlinsburg haben Mitglieder des örtlichen Naturschutzvereins zwei neue Weiher angelegt. Diesen für viele Lebewesen attraktiven Standort haben sie nicht zuletzt einem Rebbauer aus Liestal zu verdanken, der den Vorschlag für den Bau der Weiher auf seinem Privatland ins Spiel brachte und das nötige Land zur Verfügung stellt. Nun liegen sie da, die beiden neuen Laichgewässer. Noch ein bisschen kahl warten sie darauf, an ihren Ufern von Pflanzen und in ihrem Nass von Amphibien erobert zu werden.

Kleines Naturrefugium

«Wir erwarten unter anderem den Glögglifrosch, der in diesem Gebiet früher häufiger vorhanden war. Daneben hoffen wir aber auch auf die Erdkröte, den Grasfrosch, Bergmolche aber auch auf Ringelnattern, die man hier immer wieder beobachten kann» sagt Markus Plattner vom Naturschutzverein Ramlinsburg. Mit Eigenleistungen der Mitglieder, maximal 20000 Franken aus der Vereinskasse und dem gleich hohen Betrag der Walter-Bachmann-Stiftung ist hier ein kleines Naturrefugium entstanden, das optimal in die bereits bestehenden Biodiversitätsflächen passt. Solche Standorte im Offenland abseits von Strassen fehlten im Kanton Baselland, hält Plattner fest. Wichtig sei vor allem auch, dass den Tieren, speziell der Geburtshelferkröte – im Volksmund «Glögglifrosch» genannt -, mit Gewässern Vernetzungspunkte zur Verfügung gestellt werden.

Markus Plattner ist Leiter der Abteilung Natur und Landschaft beim Ebenrain Zentrum Sissach und stellt den Bau der beiden Weiher in einen grösseren Zusammenhang. Im Kanton Baselland seien in den letzten Jahren rund 60 neue Laichgewässer erstellt worden, der Kanton plane und baue sie in kantonalen Schutzgebieten, Naturschutzverbände wie Pro Natura und kommunale Naturschutzvereine ausserhalb dieser Zonen. Dem Kanton komme der gesetzliche Auftrag zu, Artenschutzprojekte zu realisieren wie aktuell den Aktionsplan für die Geburtshelferkröte und die Förderung der Gelbbauchunke. «Mit unserer Strategie wollen wir bestehende Weiher-Standorte aufwerten, mit weiteren Tümpeln vernetzen und so die Populationen stärken», so Plattner. Leider machten Überbauungen, Zerschneidungen und Entwässerung der Landschaften vielen Arten grosse Probleme.

Auf die Frage, welche Erfolge bisher erzielt werden konnten und wie sich diese messen lassen, weist Markus Plattner auf das laufende Monitoring hin. Der Kanton lasse in grösseren Gebieten die Amphibienpopulation jährlich überprüfen, bei einzelnen Tümpeln durch eine einfache Sicht-Kontrolle. «In allen auch kleineren Gewässern siedeln sich bereits im ersten, sicher im zweiten Jahr Grasfrösche, Erdkröten und Bergmolche an. Die Geburtshelferkröte folgt unterschiedlich schnell und ist nicht so einfach nachzuweisen wie die anderen Amphibienarten.» Freude macht ihm vor allem die Tatsache, dass mit dem Bau der Tümpel schon einige Gebiete wieder besser vernetzt werden konnten. Ein Kränzchen windet er den Förstern und auch Landwirten, die potentielle Weiherstandorte meldeten. Sein Wunsch, dass der Funke weiter springt und immer neue Tümpel und Feuchtstandorte entstehen, hat am Beispiel Ramlinsburg bereits weihnachtliches Gehör gefunden.

Sobald es trockene Bodenverhältnisse erlauben, werden Plattner und weitere Mitglieder des Naturschutzvereins Ramlinsburg in ihrer Freizeit Ast- und Schnittguthaufen anlegen und mit Wurzelstöcken für geeigneten Unterschlupf ihrer geschätzten Lebewesen sorgen. «Dann warten wir gespannt darauf, wie schnell sie hier ihren neuen Lebensraum kennenlernen» hält Markus Plattner fest und benützt die Gelegenheit, eine Bitte an die Bevölkerung anzubringen: «Man darf die Standorte durchaus besichtigen, aber keinesfalls Tiere oder Laich aus anderen Gebieten hier aussetzen. Dies birgt die grosse Gefahr, dass Krankheiten eingeschleppt werden.»

 

 

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