Donnerstag, 8. Dezember 2022
04.02.2022 14:47
Aargau

Initiative für Kuhglocken eingereicht

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Von: blu

Kuhglocken sind nicht überall gern gehört. In der Aargauer Gemeinde Berikon dürfen Kühe während der Nacht keine Glocken tragen. Doch nicht alle Einwohnenden des Dorfes stehen dahinter. Eine Initiative, die von mehreren hundert Personen unterzeichnet wurde, will nun dieses Verbot kippen.

Kuhglocken sorgen immer wieder für Gesprächsstoff. In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Fälle, bei denen Kuhglocken für Zoff sorgten. So auch im aargauischen Berikon. Anwohner fühlten sich durch die Glocken gestört.

Anwohner konnte nicht mehr schlafen

Das Dorf am Mutschellen im Grossraum Zürich ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Der Ort zählt nun 5000 Einwohnerinnen und Einwohner. Die Kuhglocken führten dazu, dass das kommunale Polizeireglement geändert wurde, wie Radio SRF Mitte Juni 2021 berichtete.

Markus Hüsser und andere Anwohner störten sich am «unerträglichen Lärm» der Glocken. Hüsser wohnt in einem Einfamilienhaus an der Kuhweide. Er könne wegen dem Gebimmel nicht mehr durchschlafen und habe von zuhause «fliehen müssen».

Keine Glocken von 22 bis 7 Uhr 

Er erachtete es unfair, dass eine Gartenparty um 22 Uhr beendet werden muss, aber Glocken während 24 Stunden erlaubt sind. Markus Hüsser reichte deshalb eine Beschwerde ein. Er wollte die Ausnahme für Kuhglocken aus dem Reglement streichen lassen. Er blitzte vor dem Gemeinderat aber ab.

Hüsser liess nicht locker und gelangte an den Kanton. Und erhielt er Recht, wie SRF berichtete. Ausnahmen für Kuhglocken im Polizeireglement seien falsch, begründete der Kanton Aargau seinen Entscheid. Auch hier gelte von 22 Uhr bis 7 Uhr Nachtruhe. Der Kanton beruft sich dabei auf Bundesrecht, wonach Nachtruhe für alle Menschen garantiert ist, berichtete der «Wohler Anzeiger».

Landwirt wehrte sich nicht

«Aus unserer Sicht liegen keine überwiegenden, öffentlichen Interessen vor und es ist wahrhaftig nicht notwendig, dass die Tiere aus Sicherheitsgründen Glocken tragen müssen», argumentierte der Kanton. Zwar gilt dieser Entscheid nur für die besagte Weide. Die Gemeinde Berikon hat das Polizeireglement so angepasst, dass die Nachtruhe für alle Weiden in der Nähe von Wohngebieten Gültigkeit hat.

Der Entscheid ist rechtskräftig, da weder die Gemeinde noch Landwirt Walter Brechbühl den Entscheid angefochten. Er müsse das Urteil nun einfach schlucken. «Die Tiere werden auf dieser Parzelle nun ohne Glocken geweidet. Ich kann doch nicht am Abend um 22 Uhr die Tiere einstallen, ihnen die Glocken abnehmen, sie wieder rauslassen, um sie dann am nächsten Tag um 7 Uhr wieder zu holen, Glocken anziehen und erneut rauslassen», sagte Brechbühl gegenüber «Schweizer Bauer».

«Ich habe das Gefühl, das ist der Anfang, dass man das Vieh bald nicht mehr mit Glocken rauslassen darf», sagte er weiter. Beim Aargauer Bauernverband nahm man Entscheid ohne grossen Aufschrei zu Kenntnis. «Ich glaube, man darf nicht stur an etwas festhalten», sagte Geschäftsführer Ralf Bucher zu SRF. Er würde als Bauer seinen Tieren die Glocken über Nacht abziehen, wenn sie Anwohner beschweren würden.

545 Unterschriften

Doch nun gibt es in der Gemeinde Berikon eine Gegenbewegung. Diese setzt sich für Kuhglocken ein. Am vergangenen Montag wurde der Gemeinde eine Initiative mit 545 Unterschriften überreicht.

Wie der «Bremgarter Bezirksanzeiger» (BBA) berichtet, soll die Beriker Gemeindeordnung unter anderem so angepasst wird, dass «Lärm» von Kuh- oder Kirchenglocken in akustischer oder optischer Form nicht als Immissionen betrachtet werden. Im Gegensatz zu Rauch, Abgasen oder Ähnlichem.

Die Initianten haben die Unterschriften vor allem im betroffenen Oberdorf gesammelt. Die Initianten möchten ihrem Begehren erfahren, wie die Einwohnerinnen und Einwohner von Berikon über das Kuhglockenverbot denken. Gemeindeamman Stefan Bossard gibt sich noch zurückhaltend. «Wir müssen schauen, was rechtlich möglich ist. Wir müssen uns aber zwingend an höhere Gesetze halten», sagte er zum «Bremgarter Bezirksanzeiger».

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4 Responses

    1. Kuhglocken bimmeln ununterbrochen und können Betroffene massiv psychisch belasten. „Dann ziehen Sie in die Stadt“ wird dann meist geantwortet. Wenn man aber in einer wohnt und dennoch die Bauern in umzäunten Weiden meinen sie müssen diese Tradition bewahren, ist das eben nurnoch ignorante Tradition ohne Funktion.
      Daher ist ihr Vergleich einer temporären Geräuschimmision (eine Feier) mit dem Dauergeräusch von Kuhglocken etwas weit hergeholt.

  1. In umsiedelten Gebieten, wo auch die Weiden meist umzäunt sind, sind Glocken absolut unnötig und einzig ein Zeichen von Ignoranz der Bauern. „Tradition“ sagt man, aber den eigentlichen Sinn dieser Glocken scheint niemand zu hinterfragen. Zeiten ändern sich nunmal, das sollten auch die Bauern verstehen. Jeder hat verdient wenigstens in der Nacht etwas Ruhe zu haben.

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