Dienstag, 9. August 2022
21.06.2022 11:50
Schweiz

Schweizer Berghilfe rettet in drei Jahren 30 Dorfläden 

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Von: mgt

Für Bergdörfer sind Dorfläden wichtig. Sie versorgen die Bevölkerung nicht nur mit Gütern des täglichen Bedarfs, sondern haben auch einen hohen sozialen Stellenwert. Doch für die Dorfbevölkerung ist deren Erhalt oft eine grosse Herausforderung. Seit 2019 hat die Schweizer Berghilfe 30 Dorfladen-Projekte im Schweizer Berggebiet unterstützt. Zwei Beispiele aus dem bündnerischen Fideris und Cerniat im Kanton Freiburg.

Im Jahr 2017 zeigten die Umsatzzahlen des Dorfladens Fideris im Kanton Graubünden kein gutes Bild. «Die finanzielle Lage hatte sich von Jahr zu Jahr verschlechtert, wir mussten handeln», erinnert sich Madeleine Caprez, Präsidentin der Landwirtschaftlichen Konsumgenossenschaft Fideris.

Die Genossenschaft ist Trägerin des Dorfladens und besteht aus rund 200 Mitgliedern. Mit personellen Anpassungen und notwendigen Renovationsarbeiten ist es der Trägerschaft gelungen, den Dorfladen vorerst zu retten. 2019 entspannte sich die finanzielle Lage, und mit Corona kamen zwei starke Jahre dazu: «In den Jahren 2020 und 2021 lagen wir umsatzmässig deutlich über dem Durchschnitt. Das hat uns sehr geholfen», sagt Madeleine Caprez. Doch über dem Berg war der Dorfladen damit noch nicht.

Nötige Modernisierung

«In regelmässigen Abständen müssen Dorfläden modernisiert werden. Das heisst, Verkaufsflächen werden nach einheitlichem Konzept neugestaltet und umgebaut.» sagt Madeleine Caprez. Für die Genossenschaft eine grosse Herausforderung. Trotz stabiler Finanzlage und drei guten Geschäftsjahren konnten sie die Investitionen nicht selbst stemmen.

Für den Erhalt des Dorfladens war die Genossenschaft auf finanzielle Hilfe angewiesen. Mit Unterstützung der Schweizer Berghilfe konnte die Trägerschaft die nötigen finanziellen Mittel aufbringen. Heute bietet der Dorfladen insgesamt 200 Stellenprozente, verteilt auf vier Personen. Das Team sorgt dafür, nebst dem Volg-Sortiment auch möglichst viele lokale Produkte anzubieten. «Das Angebot von regionalen Produkten liegt uns sehr am Herzen», sagt die Genossenschaftspräsidentin. «So können wir zusätzliche Wertschöpfung für unsere Region erwirtschaften».

Mehr als nur ein Dorfladen

Das Beispiel in Fideris ist exemplarisch für viele Dorfläden im Berggebiet. Für die einheimische Bevölkerung ist der Dorfladen oft die letzte Verkaufsstelle von Gütern des täglichen Bedarfs. Gasthäuser schliessen, Bankfilialen wandern ab und Poststellen gehen zu oder werden aus Spargründen in den Dorfladen integriert.

Somit hat der Dorfladen für viele Bergdörfer auch einen hohen sozialen Stellenwert: «Wir sehen uns manchmal auch als eine Art Seelsorgeposten», erzählt Madeleine Caprez. Viele Dorfbewohnerinnen und -bewohner nutzen den Dorfladen nebst den täglichen Einkäufen auch als Treffpunkt. «Wir haben in unserem Laden ein kleines Bistro integriert und bieten an der Poststelle einen Bankomat-Service an. Wir wollen auch den Zusammenhalt festigen, das ist uns sehr wichtig», sagt Caprez.

Die digitale Lösung im Kanton Freiburg

Wenn Umsatzzahlen zu niedrig und die Personalkosten zu hoch sind, ist eine Schliessung kaum zu verhindern. Dieses Schicksal drohte dem Dorfladen in Cerniat im Kanton Freiburg. Doch einfach so hinnehmen wollte das die einheimische Bevölkerung nicht. Sie gründete die Trägerschaft «Coopérative Concordia», welche vor zwei Jahren einer der ersten digitalen Dorfläden der Schweiz eröffnete.

Mit Selbstbedienung und Zutritt per QR-Code hat der «Val Marché» 24 Stunden und sieben Tage die Woche geöffnet. Bezahlt wird per Karte, Twint oder Monatsrechnung. «Wir bieten alles an, was heutzutage Stand der Technik ist», sagt Guy Maradan. Der pensionierte Bankangestellte ist geistiger Vater des digitalen Dorfladens. Er blickt zufrieden auf die vergangenen zwei Jahre zurück: «Anfänglich waren die Leute etwas skeptisch, aber heute schätzen die Kundinnen und Kunden die Flexibilität beim Einkaufen». Auch die Zahlen zeigen einen positiven Trend: «In den zwei Jahren konnten wir den Umsatz um 30 Prozent steigern», fügt Guy Maradan an.

54 unterstützte Dorfladen-Projekte seit 2012

Die Schweizer Berghilfe unterstützt Dorfladenprojekte, unabhängig der Rechtsform oder des Betreibermodells, wenn der Laden von der lokalen Bevölkerung mitgetragen wird. Ein Dorf ohne Dorfladen können sich viele Einheimische im Berggebiet nicht vorstellen, und tun sich für eine Lösung zusammen. Das merkt auch Nigel Volkart, ehrenamtlicher Experte bei der Schweizer Berghilfe und Fachexperte für Dorfläden: «Die Dorfbevölkerung agiert oft sehr engagiert und solidarisch, wenn es darum geht, den Dorfladen am Leben zu erhalten.»

Insgesamt 54 Dorfladen-Projekte hat die Schweizer Berghilfe seit 2012 unterstützt, davon 30 in den vergangen drei Jahren. «Seit 2019 haben wir einen deutlichen Anstieg der Dorfladen-Gesuche verzeichnet. Viele Dorfläden müssen notwendige Modernisierungsmassnahmen vornehmen, damit sie in Zukunft überleben können. Das stellt die Trägerschaften vor grosse Herausforderungen», so Nigel Volkart. 

Hier kann die Schweizer Berghilfe finanzielle Unterstützung bieten. «Dorfläden brauchen eine gute Verankerung im Dorf», sagt der Fachexperte und fügt an: «Das zeigen die Beispiele in Fideris und Cerniat exemplarisch. Die Vorstände beider Trägerschaften arbeiten ehrenamtlich und zeigen einen beeindruckenden Realitätssinn.»

Schweizer Berghilfe

Die Schweizer Berghilfe ist eine ausschliesslich durch Spenden finanzierte Stiftung mit dem Ziel, die Existenzgrundlagen und Lebensbedingungen der Schweizer Berg-bevölkerung zu verbessern. Die Unterstützung trägt dazu bei, der Abwanderung aus dem Berggebiet entgegenzuwirken. Die Unterstützung der Schweizer Berghilfe löst ein Mehrfaches an Investitionen aus, die primär beim lokalen Gewerbe Wertschöpfung und Arbeits-plätze schaffen. Die Schweizer Berghilfe trägt das Gütesiegel der Stiftung Zewo. mgt

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2 Responses

  1. Berghilfe hilft nur überschuldeten Betrieben, die schlecht gewirtschaftet haben. Ich als Jungbauer werde nie bekommen, da ich zu gut aufs Geld geschaut habe.

    1. In der Vergangenheit und auch heute noch, werden durch die Berghilfe, auch grössere Projekte, unterstützt,zum Beispiel, Jungbauern, die nach der Betriebsübernahme, im Bergebiet, grössere Bauvorhaben, tätigen, wurde vielfach eine Restfinanzierung, ermöglicht. Heute werden vermehrt, Projekte, in kultureller Hinsicht, im Berggebiet, unterstützt, was für die Erhaltung, einer gesunden Infrastruktur, sehr wichtig ist. Berghilfe, ist eine gute Sache.

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