Dienstag, 9. August 2022
04.08.2022 15:05
Zürich

Trächtige Paloma musste wegen Aludose sterben

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Von: blu

Littering bleibt weiterhin ein grosses Problem für die Landwirtinnen und Landwirten. Vor allem leiden auch die Tiere darunter, insbesondere für Rinder. Kuh Paloma wurde ein kleines Aluteilchen zum Verhängnis. Sie starb an inneren Verletzungen.

Abfälle wie Plastikverpackungen, PET, Glas und Alu landen in den Feldern der Bauern. Das achtlose Wegwerfen von Abfällen, das Littering, führt in der Landwirtschaft zu Problemen.

Durch Mähwerk zerkleinert

Einerseits müssen die Landwirtinnen und Landwirte für das Reinigen der Wiesen, Weiden und Äcker viel Zeit aufwenden. Das Einsammeln ist somit ein Zeit- und somit ein Kostenfaktor. Andererseits verschmutzen kleine Plastikteile oder Zigarettenstummel die Böden. Harte und starre Fremdkörper können zudem die Maschinen beschädigen, deren Reparaturen ebenfalls hohe Kosten verursachen.

Gravierend wird es aber, wenn die Abfälle, die in Futterflächen liegen, in die Futterkette gelangen. Die Bauern sehen die Abfälle im hohen Gras nicht. Durch das Mähwerk werden Plastik oder Metall zerkleinert. Diese kleinen Teile gelangen in konserviertes Futter wie Heu oder Silage. Und dann wird es kritisch.

Splitter von Aludosen werden für Kühe zu einer tödlichen Gefahr.
Samuel Krähenbühl

Lebensgefährlich

Die spitzen Fremdstoffe in Form von Splittern können beispielsweise bei Kühen zu schweren, inneren Verletzungen und Entzündungen führen. Das kann für Tiere lebensgefährlich werden. Davon betroffen war auch Kuh Paloma aus dem zürcherischen Rüti. Ihr Besitzer, Landwirt Markus Bisig, fand er seine Braunvieh-Kuh vergangenen Woche tot auf der Weide auf.

Paloma habe sich durch Abfallstücke eine Infektion zugezogen. «Nach einem drei Monate langen Kampf erlag die im fünften Monat trächtige Paloma ihren inneren Verletzungen», sagte der Landwirt zu «20 Minuten».

Innerlich verblutet

Der Alusplitter fand über das Futter den Weg in den Pansen von Paloma. Sie bekam anschliessend Fieber. Bisig behandelte die Kuh mehrmals mit Antibiotika. Und die Therapie schlug auch an. «Langfristig war sie aber immer wieder schlapp und hat kaum gefressen», führte er weiter aus.

Vergangene Woche ging es Paloma abermals nicht gut. Er behandelt sie erneut. Doch die Braunvieh-Kuh war nicht mehr zu retten. Sie starb auf der Weide. «Es stellte sich heraus, dass sie an den inneren Verletzungen durch die Metallstücke verblutet ist», so der Landwirt zu «20 Minuten». Er ist sehr verärgert. Denn es sei nicht das erste Mal, dass das Futter Fremdkörper enthalten habe.

Verlagerung in Natur

Gemäss Bundesamt für Umwelt (Bafu) ist einer der Gründe für das Littering das Verlagerung der Aktivitäten in den öffentlichen Raum und in die freie Natur. Sie wird zum mobilen Raum. Ein weiterer Grund sei die geringe soziale Kontrolle im öffentlichen Raum. Anonymität erhöht die Wahrscheinlichkeit des Litterings, schreibt das Bafu. Gruppeneffekte könne dies verstärken.

«Die persönliche Werthaltung trägt wesentlich zum Littering bei. Dinge, die einen Wert haben, werden nicht zurückgelassen und Orte, zu denen ein eine persönliche Verbindung besteht, werden weniger verschmutzt», heisst es weiter.

 «Wir verlieren Tiere wegen Faulheit»

Der Landwirt kann das Wegwerfen nicht nachvollziehen. In der Nähe seiner Felder habe es mehrere Abfallkübel. «Die Leute haben keine Ahnung, was sie mit ihrer Faulheit anrichten. Wir verlieren Tiere, ohne dass es sein müsste. In diesem Fall auch noch ein Kalb», sagte Bissig weiter.

Die Aludose ist eine der gefährlichsten Littering-Gegenstände, da ihre Splitter scharfkantig und klein sind. Aluminium lässt sich auch nicht durch einen Magneten binden, da es nicht magnetisch wirkt. Auch Splitter von Plastikteilen, beispielsweise einer Pet-Flaschen oder Feuerwerkskörpern, sind mögliche Ursachen innerer Verletzungen. 

Der Bauernverband Aargau wählt in der diesjährigen Kampagne klare Worte:  Müll gehört in die dafür vorgesehenen Behälter und nicht auf den Boden!
BVA

Fressen nicht mehr

Auch Tierärztin Regula Fürst zeigte sich konsterniert. Der Tod von Paloma sei sehr traurig, zumal sie noch trächtig gewesen sei. Die Erkrankung durch spitze Fremdkörper komme bei Kühen komme immer wieder vor.

Die seien anschliessend Tiere fiebrig, würden nicht mehr fressen und machten wegen den Schmerzen einen aufgekrümmten Rücken, so die Tierärztin zu «20 Minuten». Auch der Rückgang der Milchleistung sei ein Zeichen. Eines ist klar: Paloma hatte starke Schmerzen und starb einen qualvollen Tod.

Mehr zu Littering

Littering bezeichnet das Wegwerfen oder Liegenlassen kleiner Mengen Siedlungsabfall, ohne dabei die bereitstehenden Entsorgungsstellen zu benutzen. Die Ursachen sind vielfältig, zum Beispiel veränderte Konsum- und Ernährungsgewohnheiten oder das Freizeitverhalten. Littering generiert hohe Kosten. Die Reinigungskosten belaufen sich landesweit auf gegen 200 Millionen Franken pro Jahr. Davon werden 150 Millionen von den Gemeinden und 50 Millionen von den Transportunternehmen des öffentlichen Verkehrs übernommen. Das hat das Bundesamt für Umwelt ermittelt. 

In den Gemeinden werden mehr als 50 % der Littering-Kosten (73 Mio. Fr.) durch Esswaren- und Getränkeverpackungen sowie durch weitere Gegenstände der fliegenden Verpflegung (Servietten, Plastikbesteck etc.) verursacht. Einen weiteren grossen Kostenanteil tragen die der Zigaretten mit 36 % (59 Mio. Fr.). 

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