Montag, 25. Oktober 2021
28.02.2021 06:00
ST. GALLEN

Sie will ohne finanziellen Druck kreativ sein

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Die Milchkannenlaternen von Susan von Aarburg aus Kaltbrunn SG sind bekannt. Ihr bisher grösster Erfolg führt ins Bundeshaus. Aktuell arbeitet sie für den Gabentempel des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfestes 2022.

Auf dem Tisch liegt eine alte, ausrangierte Milchkanne. Diese soll verziert werden. Die Kunsthandwerkerin Susan von Aarburg überträgt mit Bleistift das Sujet; eine Alpabfahrt in Form eines grossen Herzens. Dann unterbricht sie ihre Arbeit und erklärt: «Bis so eine Kanne fertig ist, brauche ich zwischen zehn und 25 Stunden.» Jede Kanne durchläuft denselben Ablauf. Erst wird sie geputzt, dann mit dem Sujet versehen, dieses wird mittels Plasmaschneider ausgeschnitten. Es folgt stundenlanges Feilen. «Mein Perfektionismus dringt hier durch», räumt sie ein.

Längst kann sie die anfallenden Bestellungen nicht mehr alleine bewältigen. Das Feilen überlässt sie daher anderen. Ihre Familie und zwei soziale Werke sind ihr dabei behilflich. Es verlasse aber keine Kanne das Haus, ohne dass sie nicht selber noch an die zwei Stunden den Feinschliff verübe, sagt sie. 

Patentierte Schellen

Die erste Milchkannenlaterne fertigte sie vor dreieinhalb Jahren. Damals besuchte Susan von Aarburg einen Plasmaschneide-Kurs. Eine Kanne um die andere entstand, immer mehr Bestellungen folgten. Heute bietet sie regelmässig Kurse an, in denen sie ihr Wissen an Interessierte weitergibt. Dass sich nebst Milchkannen auch Schellen in Leuchten verwandeln lassen, war eine Idee, welche die Kunsthandwerkerin zusammen mit ihrem Mann, Thomas von Aarburg, verwirklichte. Diese Schellenleuchten sind als Design geschützt.

Die Werke tragen Susan von Aarburgs Handschrift. Dazu nimmt sie auch Aufwand in Kauf. So besuchte sie Alpabfahrten und fotografierte sie die Tiere wie auch die Sennen und Hirten. «Jede Bewegung wollte ich so echt wie nur möglich einfangen und später wiedergeben.» 

Eine eigentliche Blütezeit erlebte sie im Jahr 2020. Da kreierte sie Taschen und verwirklichte sie ihren grossen Traum – eine eigene Bettwäsche. Mit dieser schaffte sie es auf Anhieb auf die Titelseite eines Bettwäschehändlers.

Heimatgefühle wecken

Wer sich im Showroom der Kunsthandwerkerin umschaut, staunt ob dem vielfältigen Angebot. Da sind nebst Milchkannen- und Schellenlaternen auch Büchsenlaternen, verzierte Sägen und vieles mehr. Die Frage, ob sie von ihrer Kunst lebe, verneinte sie. «Das strebe ich nicht an. Ich will ohne finanziellen Druck kreativ sein.» Hauptberuflich ist sie als Aussendienstmitarbeiterin in der Pharmabranche tätig.

Mit ihrer Kunst möchte Susan von Aarburg Heimatgefühle wecken. Aktuell arbeitet sie an Preisen für den Gabentempel des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfestes 2022. Auch Bilder sind am Entstehen. Diese werden in Amerika ausgestellt. Ihr bisher grösster Erfolg führt ins Bundeshaus.

Bundespräsident Guy Parmelin ist stolzer Besitzer einer Milchkannen-Laterne, welche von ihr gefertigt wurde. Anfänglich sei diesem ein indisches Modell überreicht worden, meinte sie. Als sie das gesehen habe, habe sie kurzerhand dem Geschenkübergeber Marco Chiesa eine Mail-Nachricht geschrieben, in der sie ihn informiert habe, dass es in der Schweiz Kunsthandwerkerinnen gebe, die Gleiches noch viel exklusiver herstellen würden.

Chiesa seinerseits habe nicht lange gezögert und sei im Atelier der Kaltbrunner Künstlerin vorstellig geworden. Er habe gleich drei Kannen bestellt. Sie habe natürlich ein exklusives Motiv entworfen, mit Schweizerkreuz und Alpabfahrt, versichert sie. Diese drei Kannen durfte Susan von Aarburg dem Bundespräsidenten Guy Parmelin, dem Nationalratspräsidenten Andreas Aebi und dem Ständeratspräsidenten Alex Kuprecht persönlich übergeben.

Hat nächstes Projekt

Auf ihren Lorbeeren ausruhen, kommt für sie aber nicht in Frage. Sie tüftelt bereits am nächsten Projekt. Diesmal will sie Heimatgefühle in einem Parfüm einfangen. Was das mit ihrem kreativen Schaffen zu tun hat? «Das wird sich zeigen», versichert sie mit einem Augenzwinkern. Beugt sich wieder über ihre Arbeit und überträgt mit viel Geduld ihr Motiv auf die Milchkanne.

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