Freitag, 20. Mai 2022
04.05.2022 17:24
St. Gallen

Keine Tiere – Bauern ignorieren Viehmarkt

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Von: Reto Blunier

Ausser Spesen nichts gewesen: Eigentlich sollte am Dienstag in Wil SG ein Viehmarkt stattfinden. Doch die Bauern hatten kein Interesse. Der Platz blieb leer. Die Verantwortlichen sind ratlos.

Am Dienstagmorgen war auf dem Viehmarktplatz alles vorbereitet. Das Futter für die Kühe war vor Ort, Wasser und Tische für die Gäste standen bereit. Auch Besucherinnen und Besucher waren bereits da.

Nach 2 Stunden Platz immer noch leer

Es fehlten nur noch die Kühe und Bauern, damit der Markt starten konnte. Doch diese tauchten nicht auf – das zur grossen Verwunderung der Verantwortlichen der Stadt Will. «Wir waren schon ziemlich überrascht, als für unseren Viehmarkt einfach kein Vieh gekommen ist», sagte Stefan Sieber, Marktchef in Will, zu Radio «FM1».

Eigentlich sollte der Anlass um 9 Uhr starten. Sieber rechnete mit rund 30 Tieren. Doch um 11 Uhr war der Platz immer noch leer. «Mir war ziemlich schnell klar, da kommt niemand mehr», so Sieber. Die Gäste zogen wieder ab.

Die Verantwortlichen wollen nun in Erfahrung bringen, weshalb der Viehmarkt keine Beachtung gefunden hat. Sieber mutmasst, dass dies mit der Pandemie zusammenhängen könnte. Die Bauern könnten den Anlass einfach vergessen haben. Der letzte Viehmarkt fand vor zweieinhalb Jahren statt. Vor der Pandemie seien die Landwirte jeweils selbstständig an die Märkte gekommen, ohne Einladung der Stadt, sagte Sieber zur Radiostation.

Stadt will es noch einmal versuchen

Er gibt sich aber auch selbstkritisch. Vielleicht sei man falsch vorgegangen. Man werde jedenfalls das Gespräch mit den Bauern suchen. Sieber will so herausfinden, wie man den Anlass für die Landwirtinnen und Landwirte attraktiver gestalten könne. Eine Möglichkeit sei ein Rahmenprogramm, zum Beispiel eine Kleintierausstellung, sagt der Marktchef zur «Wiler Zeitung».

Den Markt will die Stadt jedenfalls noch nicht sterben lassen. Im kommenden November startet ein neuer Anlauf. «Wir hoffen natürlich, dass dann Kühe und Bauern auftauchen», sagte Sieber zu «FM1». Und er macht sich selbst Mut. Im Winter hätten die Bauern tendenziell mehr Zeit für solche Märkte, meint Sieber.

Veraltete Vermarktungsform

Für die Landwirte hat der Viehmarkt deutlich an Bedeutung verloren. Das sagt jedenfalls Landwirt Rolf Hinder gegenüber «20 Minuten». Er habe jahrelang teilgenommen. «Das war früher unser grösster und wichtigster Markt», sagt er. Doch seit rund 8 Jahren fährt er nicht mehr hin. 

«Diese Vermarktungsform hat sich irgendwann einfach nicht mehr gelohnt», so Hinder zu «20 Minuten». Heute würden die Tiere anders gehandelt. Brauche er ein Tier, rufe er den Händler an oder schaue sich im Internet um.

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3 Responses

  1. Warum soll man auch immer den Clown machen zur Belustigung der Städter?
    Man kann auch Vieh ganz ohne diese Märkte handeln.
    Wir Landwirte sind in den Augen der hippen Städter so wie so überflüssig und machen alles falsch.
    Und so stirbt die Kultur analog der Bauern.

    1. Vielen Dank für deinen sehr guten Komentar. Leider ist es so, dass die Bauern aus Sicht von einem grossen Teil der Bevölkerung immer alles falsch machen. Selber haben sie keine Ahnung, welcher Aufwand dahinter steckt.

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