Sonntag, 29. November 2020
22.11.2020 18:00
Luzern

Wald ist heute nicht mehr wirtschaftlich

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Braune Flecken wegen Borkenkäferbefall fallen in vielen Entlebucher Wäldern ins Auge.  Ruedi Gerber, Präsident der Luzerner Waldbesitzer erklärt, wie die Situation im Wald und die Lage auf dem Holzmarkt ist.

«Früher konnte man die Waldarbeit- und pflege mit dem Holzpreis finanzieren, diese Zeiten sind vorbei», erklärt Ruedi Gerber, und sieht als Präsident der Luzerner Waldbesitzer Handlungsbedarf an verschiedenen Fronten.

Bekämpfung ist teuer

Vermutlich verursacht durch die Klimaerwärmung sind die letzten vier Sommer zu trocken gewesen. Dadurch sind die flachwurzelnden Fichten-Wälder stark geschwächt. Stürme wie Burglind 2018 oder die im Entlebuch häufigen Föhnstürme lassen die Borkenkäferpopulation, im Speziellen die auf Fichten spezialisierte Unterart «Buchdrucker», dann explodieren.

Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, die Borkenkäfer zu bekämpfen. Entweder man nimmt die frisch befallenen Bäume sofort aus dem Wald und bringt sie rasch auf die Säge. Vom Zeitpunkt des Erkennens des Befalls müsste dies innert 3 Wochen geschehen, damit der Borkenkäfer wirksam bekämpft ist. Früher habe dies noch funktioniert, der Markt habe befallenes Holz sofort abgenommen und zu kostendeckenden Preisen verarbeitet, erinnert sich Gerber, heute klappe das kaum noch.

Die Alternative ist, die frisch befallenen Stämme im Wald von Hand mit der Motorsäge zu entrinden, genannt «edern». Um den Käfer zu bekämpfen, fallen so bereits Kosten an von 70-80 Franken pro Kubik. Bei grösseren Schadflächen ist oft eine Seilbahn nötig, um das Holz an die Waldstrasse zu bringen und dort maschinell mit einem Prozessor zu entrinden. Das Holz bleibt somit zwar nutzbar und die Käfer sind bekämpft, die Kosten steigen aber bei erschwerten Verhältnissen bis auf 120 pro m3. Die Sägereien bezahlen für das Käferholz je nach Qualität aktuell noch 30-50 Franken. Kein Wunder also, dass viele Wirtschaftswald-Eigentümer praktisch keine Borkenkäferbekämpfung mehr machen. Im Schutzwald hingegen finanziert die öffentliche Hand die Bekämpfung, dort werden praktisch alle befallenen Fichten weggeräumt, oder im unwegsamen Gelände entrindet und für die Biodiversität liegen gelassen.

Jungwald fördern

Der Verband Luzerner Waldeigentümer legt das Augenmerk nun vermehrt auf die Wiederbewaldung und Jungwaldpflege mit dem Ziel, einen klimarobusteren Mischwald nachzuziehen. Für die Beratung und Umsetzung bräuchte es finanzielle Mittel, die Politik im Kanton Luzern ist diesbezüglich jedoch knausrig. «Im Kanton Aargau wurden kürzlich 7.7 Mio für den Wald gesprochen, der Luzerner Kantonsrat hingegen hat die beantragten 300’000.- auf einen Sympathiebeitrag von 50’000.- gekürzt», schüttelt Gerber verständnislos den Kopf. «Es braucht aber zwingend öffentliche Mittel, damit der Wald künftig gesund erhalten und für alle Anspruchsgruppen nutzbar bleibt».

 Leimholz wäre gefragt

Auch im Bereich des gesunden Holzes sei der Holzpreis tief. Einigermassen kostendeckend könne der Wald nur noch genutzt werden, wenn grössere Holzschläge mit Käferholz und gesunden Bäume gemacht werden können. «Für den Waldbesitzer bleibt jedoch nichts, obwohl er Kosten hat wie Jungwaldpflege, Strassenunterhalt oder Perimetergebühren», erläutert Gerber.

Seines Erachtens sollte der Wald deshalb von den CO2-Inland-Senkenleistungen partizipieren. «Wenn ein Wald gepflegt ist, wächst er und bindet dadurch mehr CO2 als ein ungepflegter, überalterter Wald.» Verbautes Schweizer Holz profitiert bereits von der Verteilung, unbestritten wird CO2 so langfristig gebunden. Der Wald selber als Rohstoff-Lieferant wird jedoch noch immer diskutiert, weil die CO2-Bindung nur schwer berechnet werden kann.

Und einen weiteren Lichtblick sieht Gerber: «Bauten mit Holz boomen, die Nachfrage nach Schweizer Holz wäre in den letzten Jahren sogar markant angestiegen – allerdings in verleimter Form, für dessen Produktion bisher nur wenige Industriebetriebe eingerichtet sind.» Weil sie kein verleimtes Schweizerholz erhalten, kalkulieren viele Architekten standardmässig mit ausländischem Holz. Hier sieht Gerber Chancen und Handlungsbedarf: «Der Markt fragt nach Schweizerholz, dieses wäre im Wald vorhanden, doch bei der Verarbeitung klemmt’s. Nur wenige Industriebetriebe investieren in die Verleimung, ändert das nicht bald, muss unser Holz wohl künftig einen Umweg übers Ausland nehmen.»

Betrieb Rothenfluh-Bödeli

Ruedi und Madeleine Gerber-Erb, 3 Söhne 32 ha LN von 1000 – 1300 m. ü. M in Wiggen  44 ha Wald bis 1500 m.ü.M Jungviehaufzucht im Vertrag Selbstständiger Nebenerwerb: Forstunternehmen mit eigener Luftseilbahn, gemeinsam mit Nachbarn werden Holzschläge übernommen. sst

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