Freitag, 20. Mai 2022
02.05.2022 06:01
Jura

5 Litzen gegen den Wolf

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Von: Monika Gerlach

Auf dem Bio-Hof der Familie Nicolet wurde der Fotonachweis vom ersten Jurassischen Wolf gemacht.

Florian Nicolet bewirtschaftet mit seiner Frau Nadine oberhalb der Gemeinde Undervelier JU die Ferme Mont-Dedos, einen Biobetrieb, auf dem sie etwa 100 Milchschafe halten und Ackerbau betreiben. Im vergangenen Herbst gab es nach 130 Jahren Abwesenheit den ersten Wolfsnachweis im Kanton Jura. Auf dem Hof von Nicolet ist ein Fotonachweis gelungen. Vergangene Woche luden die Repräsentanten der Arbeitsgruppe Wolf die Medien auf den Betrieb ein.

Schnell einen runden Tisch

Amaury Boillat, Wildtierinspektor des Umweltamtes erläuterte, dass mittlerweile fünf Angriffe durch einen Wolf im Kanton Jura bestätigt sind. Bereits kurz nach dem ersten Wolfnachweis hat es sehr schnell einen runden Tisch gegeben. Marie-Anne Etter von WWF Jura, Pierre-Alain Juillerat, Fondation rurale interjurassienne, Jean-Paul Lachat, Service de l’économie rurale, und François Monnin, Direktor AgriJura, repräsentieren diesen. Auf dem Hof von Florian Nicolet wurde ein neuer, wolfssicherer Zaun gebaut, in dem viel Arbeit und Geld steckt. Die Holzpfosten wurden über einen Meter tief in den Boden versenkt. Die erste Stromlitze ist 20 cm über dem Boden angebracht. Bei unwegsamen Gelände ist das korrekte Zäunen aber keine einfache Aufgabe. Insgesamt ist die Schafkoppel durch fünf Stromlitzen geschützt.

Die Anschaffungskosten sind hoch und belaufen sich auf 6 bis 8 Franken pro Laufmeter. Pierre-Alain Juillerat erwähnt, dass man Subventionen abholen kann. Ein Franken kommt vom Bundesamt für Umwelt und ein weiterer Franken vom Kanton Jura. Damit bleibt aber immer noch viel Eigenanteil bei den Bäuerinnen. Daher sucht die Fondation rurale interjurassienne nach Freiwilligen, um den Bauern zu helfen. Für die Bauernvertreter ist klar, dass der Wolfschutz nicht auf Kosten der Landwirtinnen gehen darf.

Alle Kosten übernehmen

Der Direktor von AgriJura, François Monnin, betont denn auch, dass es nicht nur finanzielle Unterstützung brauche, sondern auch «menschliche». Er fordert, dass alle Kosten der Landwirtinnen übernommen werden.Die Schafe von Nicolet sind nun gut geschützt.(Bild: mge)(V.l.) Marie-Anne Etter, WWF Jura; François Monnin, AgriJura; Jean-Paul Lachat, Service de l’économie rurale; Amaury Boillat, Office de l’environnement; Pierre-Alain Juillerat, Fondation rurale interjurassienne.(Bild: Monika Gerlach)Florian Nicolet(Bild: Monika Gerlach)

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15 Responses

  1. Super Einsatz, nun kann Keiner behaupten dass die Tiere nicht hervorragend geschützt wären.
    Nur leider befürchte ich, dass Monsieur Wolf trotzdem noch einen Weg finden wird, da er jetzt auf den Geschmack gekommen ist.
    Meiner Meinung nach wäre es an der Zeit, die Wölfe zu erziehn.
    Denn Wölfe sind lernfähig.
    Würde man hin und wieder einen jagen, würden die Übrigen sich an die Wildtiere halten.

    1. Bravo, der Kommentar von Frau Meyer trifft ins Schwarze.
      Zäunerei ist gleich Augenwischerei für die Öffentlichkeit. Betreiben das gleiche zusammen mit mehreren in unserem Dorf. Nutzen praktisch gleich null, da es regelmässig trotzdem zu Schäden kommt. Der Kanton versichert immer wieder, die Zäune seien korrekt, alle sind mit dem Latein am Ende…
      Grüsse aus dem Wolfsgebiet Turtmanntal/ Augstbordregion

    2. Genau
      Oder endlich mal geld auszugeben für richtige hirten schutz hunde wie der Bernhardiner oder einer seiner verwandten hunde arten.

      Den da wo ein grosses hunde rudel eine schaf herde bewacht gibt es keine wölfe ….. Überlegt euch das mal …

      Wer gut geld hatt könnte auch ein 2,5 meter hoher zaun mit 40cm krümung gegen aussen aufstellen und das ganze under strom setzen

    3. Ganz genau, die Wölfe sind lernfähig und finden schnell heraus, dass die Litzen mit Schmerz und Aufwand verbunden ist und dass die Schafe daher keine geeignete Mahlzeit ausmachen. Die Wölfe konzentrieren sich anschliessend auf ihre normale Beute, das heisst Rehe, Rotwild usw. Diese Lehre bringen sie dem Nachwuchs bei und so bleibt die ganze Familie der Weidetiere entfernt. Zudem hält die Wolfsfamilie fremde Wölve weg. Wenn man sie hingegen jagt und tötet, lernt niemand was.

  2. Zunehmend wird ja am Herdenschutz gearbeitet. Was mich stört,warum kann ein Bauer nicht selbst einen Schutzhund anschaffen?Die Anschaffung duch den Bund verteuert und verzögert das Ganze unnütz.Risse können wohl nie ganz verhindert werden das ist leider eine Tatsache.
    Wer die Natur liebt,weiss auch dass sie sehr grausam sein kann.

  3. Der Wolfsschutz redet immer von 5Litzen. Wieso ist in keinem Zoo der Wolf mit 5Litzen eingezäunt und immer mit 3-4meter hohen Maschendraht.

  4. Und wie stellen Sie sich das vor liebe Wolfsfreunde , in den Bergen 2.5.metter hohe Zäune anbringen um die Schafe auf den Alpen zu schützen? Dann sind alle Wanderwege zu und die lieben Stätter müssten zuhause bleiben. Und noch etwas Hunde auf ziehen braucht Zeit und die kann man nicht einfach aus dem Aermel schütteln. Viele von ihnen haben einfach die Realität von der Tier Welt verloren .

  5. Hallo zuerst ein Tipp abonniert den Youtube Kanal
    (Wolf Aktuell). Dort findet ihr genügend Informationen auch zum Thema Herdenschutz und Weidezaun.
    Es bringt die Realität der Wolfspolitik auf den Punkt. Viel Spass

  6. Wunderbar gutgemeinte Ratschläge, habe weder Schafe noch Hundeerfahrung, bin mir aber sehr sicher, sobald ein Wolf mal einen (Schoss) Hund reisst… Dann gehts los….
    Wölfe erziehen? Wildtiere leben ihre Natur, vererbt von einer Generation zur nächsten, wir Menschen schaffen das nie mehr, zusehr haben wir uns mit aller Technik verwöhnt

  7. Und wie stellen sie sich vor, in den Alpen und steinigen Gegenden einen Pfosten 1 Meter in den Boden rammen, wenn vielleicht 10 cm Erde auf den Steinen ist??????????????

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