Sonntag, 18. April 2021
24.02.2021 18:23
Freiburg

«Fenaco soll Einsprache sofort zurückziehen»

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Von: mge

Der Agrarkonzern Fenaco legte Rekurs gegen das Projekts zur regionalen Entwicklung (PRE) Bio Gemüse Seeland ein. Nun fordern diverse Organisationen den Rückzug der Einsprache.

Wegen dem eingelegten Rekurs der Fenaco gegen die öffentliche Unterstützung des Projekts zur regionalen Entwicklung (PRE) Bio Gemüse Seeland (der «Schweizer Bauer» berichtete), folgt nun ein offener Brief an den Verwaltungsrat und an die Geschäftsleitung des Unternehmens.

Die unterzeichnenden Organisationen prangern die Verachtung an, welche die Fenaco, die mehr als sieben Milliarden Franken Umsatz mache und von sich behaupte, den Bauern zu gehören, kleineren, lokalen, landwirtschaftlichen Organisationen sowie dynamischen und mutigen Gemüsebauern entgegenbringe.

Weiter ist im offenen Brief zu lesen, dass das Freiburger PRE von offiziellen Gremien der Eidgenossenschaft, von den Freiburger Behörden und vom kantonalen Parlament akzeptiert worden sei. Es sei ein Resultat einer sorgfältigen und vollständigen Vorbereitung. Das Instrument der landwirtschaftlichen Entwicklung gebe es bereits seit 14 Jahren. Warum habe sich die Fenaco nicht bereits von Anfang an dagegengestellt?

Laut dem Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) sei das Kernziel der regionalen Zusammenarbeit die Schaffung von Wertschöpfung in der Landwirtschaft. Der Erfolg dieses Projekts komme der gesamten Landwirtschaft zugute. Das Image des Berufstandes sei im Augenblick nicht gerade positiv, und es sei nicht der richtige Moment um den Ast abzusägen, auf dem auch die Fenaco sitze. Sie habe in vielen Bereichen eine marktbeherrschende Stellung, und deshalb herrsche Unverständnis darüber, das die Fenaco es wage, von unlauterem Wettbewerb zu sprechen.

Die Unterzeichnenden möchten die Fenaco in ihrem Brief daran erinnern, dass sie Schweizer Landwirte sind oder für die Schweizer Landwirte arbeiten. Indem die Fenaco dieses PRE angreife, greife sie den gesamten Berufsstand an. Um eine gute Fortsetzung der Zusammenarbeit mit der Fenaco zu gewährleisten, sei sie eindringlich aufgefordert, die Einsprache gegen das PRE Bio Gemüse Seeland nach dem Entscheid der ersten Instanz unverzüglich zurückzuziehen.

Streitpunkt ist ein Neubau
Im Kanton Freiburg ist mit «Biogemüse Seeland» ein Projekt zur regionalen Entwicklung (PRE) vorgesehen. Ein Bestandteil des Projekts ist der Ausbau von Infrastrukturen. Die Gebäude der Produzentenorganisationen Terraviva AG in Kerzers FR und Seeland Bio in Büchslen FR haben laut Staatsrat ihre Kapazitätsgrenze erreicht. Das Projekt beinhaltet eine Finanzierung von Neubauten. Das stösst der Fenaco sauer auf. Zwar unterstützt diese gemäss Mitteilung im Grundsatz das Ziel des PRE-Projekts «Bio Gemüse Seeland». «Staatliche Subventionen für nachgelagerte Bereiche in einem derart massiven Umfang lehnen wir ab. Sie sind unnötig, belasten das Landwirtschaftsbudget des Bundes und verzerren den Wettbewerb», teilt der Agrarkonzern mit. Die Fenaco hat Einsprache gegen zwei Teilprojekte erhoben.

Die Biobauern im Freiburger Seebezirk sind über das Vorgehen der Fenaco enttäuscht. «Die Fenaco agiert gegen die Biobauern und Bio-Gemüseproduzenten und gefährdet deren wirtschaftliche Zukunft, indem sie gegen das, in der Region gut verankerte <Projekt PRE BioGemüse Seeland> Einsprache erhebt», teilt der Trägerverein PRE BioGemüse Seeland in der Folge mit. Dem Vorwurf der Fenaco, dass die nachgelagerten Betriebe und nicht die Bauern vom Projekt profitieren, wird vom Trägerverein dementiert. «So profitieren eben genau die Produzenten von den gebündelten Vermarktungsleistungen und nicht nachgelagerte Dritt-Unternehmen», stellen die Bauern klar. Mit dem Einspruch wolle die Fenaco das Projekt ganz zu Fall bringen. blu

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6 Responses

  1. Lieber Herr Keller,
    Sie und Ihre Anwälte sollten eigentlich wissen, dass bei einem PRE Projekt alle Teilprojekte realisiert werden müssen ! Wird ein einzelnes Teilprojekt nicht , oder kann nicht realisiert werden, ist das ganze PRE gescheitert und niemand bekommt Geld.

  2. Es gibt nur eine Möglichkeit: die Fenaco und Landi boykottieren. Es stellt sich sowie die Frage, wie nachhaltig und Menschenfreundlich die Produkte der Fenaco hergestellt werden.

  3. Es wird Zeit, die grossen Firmen zu meiden und wieder direkt beim Bauern und beim TanteEmma Laden einzukaufen.
    Die Lobby in der Schweiz ist unerträglich und vergiftet unseren Boden, unsere Gesundheit und unsere Seelen, damit sie anschliessend noch mehr Geld machen kann, um uns auch noch ein Medikament zu verkaufen für Krankheiten, die wir ohne ihr Gift auf den Feldern gar nicht hätten!

  4. Ja die fenaco…nur für die Landwirte da…. Gehört auch den Landwirten…bla bla bla…was die fenaco sich die letzten jahre alles geleistet hat geht auf keine Kuhhaut…
    Auch hat sie sich immer mehr zu einem Grosskonzern entwickelt welchem die Landwirtschaft immer mehr am arsch vorbei geht und sich immer mehr macht aneignet…
    Und doch ist es so das viele Landwirte Über due fenaco fluchen und jammern….selbst schuld….genau die haben auch die fäden immer mehr aus der hand gegeben.

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