Sonntag, 18. April 2021
06.04.2021 16:11
Agrar-Initiativen

«Maiskauf beim Nachbar nicht mehr möglich»

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Von: rup

Auf dem Waisenhausplatz in Bern warnten Junglandwirte und der Berner Bauernverband vor mehr Importen durch eine Annahme der beiden Agrar-Initiativen. Die Passanten hörten ihren Schilderungen aufmerksam zu.

Spargeln aus Peru, Kartoffeln aus Ägypten oder Äpfel aus Neuseeland. Das blüht der Schweizer Bevölkerung gemäss dem Berner Bauernverband (BEBV) und den Junglandwirten nach Annahme der Trinkwasser- oder der Pestizidverbotsinitiative. Um ihrer Befürchtung Nachdruck zu verleihen, führten sie gestern Dienstag symbolisch massenweise Auslandprodukte auf den Berner Waisenhausplatz und suchten das Gespräch mit Passanten.

«Fussabdruck überall da»

«Wir wollen hier die Leute erreichen, die schon auf Schweizer Produkte setzen und heute auf dem Wochenmarkt auf dem Bundesplatz ihre Waren einkaufen», sagte BEBV-Präsident Hans Jörg Rüegsegger. Bereits beim Aufstellen heute Morgen habe er gespürt, wie neugierig die Leute ob der Aktion seien. «Sie machen sich Gedanken darüber, welche Wappen auf unseren Verpackungen erscheinen.» Das sei auch nicht verwunderlich, schliesslich seien die Konsumenten von den Auswirkungen der Initiativen direkt betroffen. Rüegsegger rechnet vor: 350 Gramm Gemüse konsumiert jede Person pro Tag. Das ergibt für die Stadt Bern jährlich 600 Eisenbahnwagons voll. «Wir Landwirte stehen dafür ein, diese Lebensmittel nachhaltig, umweltschonend und regional zu produzieren. Gleichzeitig bieten wir auch Hand für Verbesserungen, wo wir noch nicht genügend sind. Auch in Bezug auf die Neudefinition von Umweltzielen.» Rüegsegger will die Passanten aber auch über den Fussabdruck aufklären: «Egal wo Lebensmittel produziert werden. Ob hier, in Neuseeland, in Polen oder in Brasilien. Wo wir essen aus einer Region wegnehmen wird der CO2-Fussabdruck vor Ort hinterlegt.» 

Respekt vor Preisen

Junglandwirtin Leana Waber aus Kiesen BE wollte aktiv etwas gegen die «einschneidenden» Initiativen unternehmen. «Das will ich nicht einfach auf mir sitzen lassen», sagt sie entschlossen. Deshalb versucht sie den Leuten in Bern möglichst praxisnah die Auswirkungen der Agrar-Initiativen mit auf den Weg zu geben. «Auf unserem Betrieb haben wir uns mit 60 Milchkühen stark auf die Milchproduktion spezialisiert. Für eine ausgeglichene Fütterung und gesunde Tiere müssen wir Mais aus dem Dorf zukaufen.» Nach einer Annahme der Trinkwasserinitiative wäre genau das aber verboten. «Folglich müssten wir die Milchproduktion stark zurückschrauben. Die Gebäude wären entsprechend nicht mehr ausgelastet. Das bedeutet höhere Produktionskosten.» Diese wolle dann niemand bezahlen. Dasselbe Problem sieht Waber bei der Karotten- und Kartoffelproduktion, von der sie je sieben Hektaren anbauten. «Durch eine in der Folge extensivere Produktion reichen die familieneigenen Arbeitskräfte und die ein bis zwei Lernenden nicht mehr», ist sie überzeugt. Sie glaube dann nicht an höhere Preise der Abnehmer. «Davor habe ich grossen Respekt, wenn gleichzeitig ein Teil der Ware weiter importiert wird.» 

«Initiativen machen Angst»

Auch Junglandwirt Adrian Wenger aus Kirchenthurnen BE zeigt sich besorgt. «Beide Initiativen machen Angst.» Zwar tönten sie im ersten Moment gut, denn alle wollten schliesslich wenig Pestizide und sauberes Trinkwasser. «Doch mit Aussagen allein ist es nicht gemacht», so Wenger, der auf dem Milch- und Ackerbaubetrieb der Eltern Teilzeit mitarbeitet. Schon früh am Morgen habe er eine interessante Begegnung mit einer jüngeren Person gemacht, erzählt er. «Er wusste nicht, was wir Bauern bereits alles unternehmen.» Viele seien sich dessen nicht bewusst. «Die Person hörte aufmerksam zu und erklärte mir, dass man von aussen eben oft nur die Spitze des Eisbergs sehe.» Wenger fände es «jammerschade», wenn wegen solchen Volksinitiativen der Selbstversorgungsgrad zurückgehe. Denn: «Gerade die Coronazeit hat uns vor Augen geführt, wie wichtig die Selbstversorgung ist. Wir können nicht blind auf die anderen Länder vertrauen», so Wenger, der schon kurze Zeit später einem Passanten einen Apfel in die Hand drückt. Ganz nach dem Motto: «Hoffentlich nicht der letzte Schweizer Apfel.»

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28 Responses

    1. Typisch für unsere Agrarpolitiker und Experten, immer nur reagieren statt agieren ! Tischen Begründigungen und Verteidigungen auf – kehrt doch bitte den Stil um und hört was die Pillen- und Medikamentenschlucker für ihr wegspülen in die WC etc. rechtfertigen. Denn in keiner Kläranlage wird das Gift neutralisiert und gelangt wieder in den Kreislauf der menschlichen Ernährung.

    2. Also ich wäre für radiale Agrarreformen , aber in die andere Richtung ! 1. :Einkommen der Landwirtschft allergröstenteil aus Produkteverkauf , im Talgebiet ; ( Grenzschutz wieder hochfahren ) ! 2. Es ist ein absoluter Hohn, das Einkaufstouristen die MWST aus Deutschland rückfordern, bei der Einfuhr bis 300 Fr. keine Abgaben entrichten ! 3. Landverschleuderung durch Abhumusierung, Gewässerrenatrirung, Verwaldung etc. stoppen. 4. Aufnahme Verhandlung mit Russland : Pacht Teilfläche Sibirien….

      1. Ein absoluter Hohn ist der masslos übertriebene Pestizideinsatz der Bauern und Subventionen die sie dafür noch kriegen. Wenn man nicht zur Umwelt schaut, sofort Subventionen streichen!

        1. Sofort ihren Lohn streichen wenn sie nicht bereit sind wurmstichige Früchte unförmiges Gemüse mit Läusen bespickt zu kaufen. Es ist sehr einfach der Landwirtschaft wo mehr arbeitet als sie den schwsrzen Peter zu zuschieben. Schauen sie bei sich zuhause was alles schief läuft.

        2. An Schwips
          Übertriebener PSM Einsatz trifft in der Schweiz nicht zu.
          Haben sie mal was von Schadenschwelle gehört?
          Die Bauern schauen viel besser zur Umwelt (Autos, Flugreisen, jedes Jahr neues Smatfon etc.) als sehr viele TWI- Ja-Stimmer!!!

  1. Ich glaube diese jungen Bauern haben vergessen, woher die Subventionen kommen und wem das Land, welches sie bewirtschaften gehört.
    Uns Allen. Zeigt, dass ihr Verantwortung übernehmt und ökologischer und biologischer wirtschaftet. Dann braucht es in Zukunft auch solche Initiativen nicht mehr. 2x Ja von einer Bauerntochter

    1. Soviel ich weiss sind die meisten Landwirtschaftsbetriebe in Privateigentum!! Die gehören nicht der Allgemeinheit! Und die Zeit wird kommen an denen sie ihre Subventionen fressen können! Ich werde darauf pfeiffen. All die letzten Jahre haben gezeigt was von der Nahrungsmittelproduktion verlangt wird nämlich ein tiefer Preis!

    2. Frau Helbling, sie haben da etwas verpasst. Die Betriebe gehören den Bauernfamlien. Und wenn es ganz schlimm kommt, machen wir einer auf Selbstversorger. Da bekommen Sie jedoch sicher nichts vom Essen.

    3. Das Land gehört sicherlich nicht einfach der Allgemeinheit. Sonst könnte der Landwirt ja auch seine Rinder auf dem engl. Rasen des Nachbars weiden lassen und behaupten, das Land gehöre auch ihm. Nein wir leben nicht in einem kommunistischen Staat, der kein Eigentum anerkennt Frau Helbling. Das meiste Land gehört sehr wohl den Landwirten und das ist auch gut so, denn sie müssen davon leben können, es ist ihre Lebensgrundlage.

    4. Wieso soll Landwirtschaft schuld sein ? Wie ist es denn mit Industrie und Haushalten ( Pillen, Kosmetik, Medikamente, SBB 5500 Liter Pestizide, privatgärten ) was 99% im Wasser an Rückständen verursacht. Landwirtschaft mit 1%! Nahrungsmittel importieren, wo Tierwohl und Pestizidverbot kein Thema ist. Aber sehen sie nicht und ist billig also wird’s gekauft. Darum 2x Nein

    5. Es gibt DZ und nicht Subventionen, als Bauerntochter sollte mann den Unterschied kennen. Wenn sie und ihre Anhänger bereit gewesen wären, wäre es nie soweit gekommen mit DZ. Sie fordern und wollen nicht bezahlen, damit eine Bauernfamilie auf ihrem Hof anständig leben kann ohne das eines auswärts einer Arbeit nach geht damit sie es vermögen Landwirt zu sein. Ja ja Bio, wer vermag das zu kaufen, evt sie. Überdenken sie bitte ihren eigenen Haushalt bevor sie die Bauern an die Wand fahren.
      2 x NEIN

  2. In der Pflicht stehen wir Konsumenten. Wir brauchen nicht jedes Jahr einen Kleiderschrank voll neuer Klamotten, bei jedem Umzug neue Möbel, ein Ferienhaus in den Bergen. Gesunde Nahrung und gutes Trinkwasser sind unser höchstes Gut und wir wollen immer weniger dafür bezahlen!

  3. Super Aktion in den Städten Aufklärun.
    Und noch was Frau Helbling von wo tragen Sie Ihre Kleider? Zuerst gut studieren ob man selber alles richtig macht. Die Pille wo Sie nehmen ist die gut fürs Wasser!

  4. Lüge des Handels mit Futtermitteln. Auch wenn es immer wieder behauptet wird ist es trotzdem falsch. Futtermittel dürfen auch mit der TWI weiterhin gehandelt werden. Zwischen Nachbarn und sogar import-Futtermittel. Im Gegenzug muss ein Betrieb einfach Produkte wegführen, die der Fläche der zugekauften Futtermittel entspricht. z.B. Weizen und Kartoffeln verkaufen, Soja zukaufen. Bitte Initiativtext lesen!!

    1. du bringst es fast auf den Punkt. Massgebend für die Umsetzung ist neben dem Text auch die bereits jetzt gemachten Erläuterungen der Initianten. Diese werden wegweisend sein für die parlamentarische Umsetzung. Dass das vorwiegend bürgerliche Parlament jedoch alle Register zieht, ist so gut wie sicher. Siehe auch SVP Initiativen, die zu milde umgesetzt wurden und eine „Durchsetzungsinitiative“ provozierten.
      Trotzdem hat die TWI einen grossen Mangel: sie nimmt die Konsumenten nicht in die Pflicht!

  5. Der Konsument/die Konsumentin entscheidet, ob im Inland produzierte landwirtschaftliche Güter oder ausländische Erzeugnisse auf den Esstisch kommen. Ich kaufe seit zwei Jahren Gemüse, Früchte und Getreide, Linsen, Nüsse und,Samen inländisch, vorzugsweise regional, saisonal und wenn immer möglich Bioqualität. Ausländische Produkte kommen noch in Form von Zitronen, Orangen und Datteln auf den Tisch, alles Fairtrade und Bio. Mein Speiseplan ist reichhaltig und abwechslungsreich. Wer wagt gewinnt!

  6. Solange die Schweiz eine Hochburg ist, ist im Ausland alles billiger. Obs im Ausland besser ist fragt kein Schwein danach. Wieviel Tonnen Kerosin wird einfach so in der Luft rausgelassen um zu landen? Aja das bleibt ja in der Luft und geht niemals ins Grundwasser. Oder wieso muss heute jedes Fahrzeug über 100 und mehr PS haben? Liebe Politiker fangt mal an an den Verursacher der Zerstörung der Umwelt ein Riegel zu schieben!! ( Ach nein die brengen ja Kohle in unser Land) Alles Schwachsinn……

  7. Komisch ist auch.Man geht gegen Pestizide vor,aber jeder baut sich nun einen eigenen Swimmingpool mit 70.000 l Trinkeasser ,vergiftet das Wasser mit Chlor und findet das in Ordnung.Wir brauchen unsere Landwirtschaft.Bravo.

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