Mittwoch, 3. März 2021
15.01.2021 08:05
Thurgau

Zehn Jahre für einen Christbaum

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Von: Daniel Thür

Die Zeit der geschmückten Christbäume ist bereits wieder vorüber. Zu Brennholz verarbeitet oder auf dem Kompost, wo sie wieder in den natürlichen Kreislauf gelangen, sind Schweizer Christbäume nachhaltig.  Doch was passiert auf einem Christbaumhof bis zur nächsten Weihnacht? Ein Augenschein vor Ort.

Schnee bedeckt die Christbäume auf der Wiese von Harald Jöhrs Christbaumplantage in Weinfelden TG. Ganz so, wie wir es uns an Weihnachten eigentlich wünschen.

Kein Zurücklehnen

Aber von einem geruhsamem Zurücklehnen kann keine Rede sein.  Arbeiten finden über das ganze Jahr hindurch verteilt statt, denn nur so ist sichergestellt, dass im nächsten Dezember wieder prachtvolle Christbäume in den Stuben stehen können. «Meine Arbeit ist derzeit das Roden sowie das Entfernen der Wurzeln der geernteten Christbäume mit dem Bagger», erklärt Harald Jöhr.

Anschliessend gibt es zwei Varianten. «Entweder setze ich im Frühling wieder frische Bäumchen ein oder säe eine Gründüngung, damit sich der Boden erholt und ich im Herbst wieder pflanzen kann», sagt Jöhr. Damit sich der Kreislauf schliesst, pflanzt er mindestens so viele Bäume, wie im Dezember abgeschnitten wurden.

Beliebte Nordmanntanne

Als kleine, rund zwanzig Zentimeter grosse «Christbäumchen» kommen die Setzlinge, die zu diesem Zeitpunkt bereits vier Jahre alt sind, auf den Hof von Familie Jöhr. «Bis sie zu einem schönen, rund zwei Meter grossen Christbaum herangewachsen sind, dauert es acht bis zehn Jahre», hält Jöhr fest.  

Auf dem Christbaumfeld wachsen unter anderem Rot- und Blaufichten sowie Nordmanntannen. Letztere, die beliebteste Sorte, ist in der Schweiz nicht heimisch, sondern stammt ursprünglich aus dem Kaukasusgebiet. 

Wachstum verzögern

Der Pflegeaufwand einer Nordmanntanne ist bedeutend höher, als der einer Rottanne. Ist eine Nordmanntanne erst mal einen Meter hoch, beginnt sie sehr schnell zu wachsen. Der Produzent muss eingreifen. «Wenn der Neuaustrieb im Mai beginnt, unterbrechen wir das Wachstum mit einer Zange. Der Saftstrom verzögert sich, wir bremsen so den schnellen Weiterwuchs», erklärt der Landwirt.

Eine Rottanne könne man dagegen einfach kürzen, fährt er fort. Diese wachse im Gegensatz zu den Nordmanntannen wieder nach. Anhand der Abstände am Stamm zwischen den Astkränzen kann man einfach erkennen, wie viele Jahre der Baum gewachsen ist.

Läuseplage 2020

Bei den Christbäumen können Schädlinge zu einem nicht vorhersehbaren Problem werden. Im Sommer 2020 kam es zu einer Läuseplage. «10 Jahre sind wir verschont geblieben, aber plötzlich hatten wir überall Probleme damit, auch im Obstbau und an den Zuckerrüben», erklärt Jöhr.  Bei den Zuckerrüben dürfe das Saatgut seit zwei Jahren nicht mehr mit dem Mittel «Gaucho» gebeizt werden, fährt er fort .

«So konnten sich die Tierchen rasant vermehren. Ich war gezwungen, die Kulturen zu behandeln, um nicht die gesamte Ernte und die Christbaumplantage zu verlieren», so Jöhr. So ein Verlust könne rasch Tausende von Franken betragen.  Schäden, die niemand ersetze und Existenzen ruinieren könnten. Harald Jöhr setzt bei den Christbäumen normalerweise keine Insektizide ein. «Ich dünge einmal im Frühling, den Herbizid Einsatz halte ich so gering wie möglich», sagt er.

Biodiversität gefördert

Gesetzlich wäre es ihm erlaubt, die gesamten Kulturen mit Herbizid zu behandeln. Das macht er aber nicht. «Ich mähe zwischen den Reihen sogar manuell, damit ich weniger Pflanzenschutzmittel einsetzen muss», so der Landwirt.  Auch verzichtet er im Frühling darauf, ein Pilzschutzmittel einzusetzen. 

Untersuchungen haben eine hohe Biodiversität in den Christbaumplantagen nachgewiesen. Viele Kleinstlebewesen fühlen sich in den Ästen wohl. «Auch nisten verschiedene Vogelarten in den Zweigen», sagt er und verschwindet zwischen den vielen Christbäumen, um nach dem Rechten zu sehen.

Hof Jöhr, Weinfelden

Harald und Daniela mit den Kindern Lars, Lena und Lynn

Hauptbetriebszweig: 80 Mutterschweine, 4 ha Tafelobst (Birnen), 2 ha Christbäume und Ackerbaukulturen sowie ein Lohnunternehmen.

www.hofjoehr.ch

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