Donnerstag, 20. Januar 2022
26.04.2021 06:01
Tessin

Stauts am Gotthard, stockt der Verkauf

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Von: Christian Zufferey

Wenn der Verkehr vor dem Gotthard-Tunnel zusammenbricht, kauft in der Schaukäserei Gotthard fast niemand Käse ein. Ansonsten ist die Lage direkt an der Autobahn-Ausfahrt in Airolo jedoch optimal.

Beide Unternehmen standen in der Krise – vor vier Jahren die Schaukäserei Caseificio del Gottardo in Airolo, vor zwei Jahren die Tessiner Molkerei Lati. Beide Unternehmen wurden gerettet, vor allem dank Aktien der Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP) und der Cetra Alimentari SA, die mit Milchprodukten und Lebensmitteln handelt. Beiden Unternehmen steht heute derselbe Geschäftsführer vor, nämlich Alessandro Corti, ein Agronom aus Faido. «Die Hauptaktionäre waren sich darin einig, dass die Milchproduktion im Tessin, obschon sie einen nur kleinen Anteil am schweizerischen Milchmarkt hat, erhalten bleiben muss», betont Corti.

Restrukturierung im Gang

In diesen Tagen und Wochen werden bei der Lati in Sant‘ Antonino gerade eine neue Milch-Pasteurisierungsanlage und eine neue Anlage für die Verpackung von Weichkäse in Betrieb genommen. In den nächsten Wochen und Monaten sollen zudem eine neue Käserei realisiert, Reifungsräume umgebaut und neu organisiert werden. UHT-Milch soll dagegen keine mehr produziert werden. Während der Lati damit noch einige Investitionen und Umstrukturierungen bevorstehen, befindet sich die Gotthard-Schaukäserei bereits wieder auf Kurs. Genauso wie bei der Lati setzt man auch in Airolo auf das Kerngeschäft – die Käseproduktion. «Für die Milch zahlen wir 72 bis 73 Rappen pro Kilo, jeweils am 12. Tag des Monats», ergänzt Corti – womit er die Zuverlässigkeit der inzwischen sanierten Käserei herausstellt.

Neben Seilbahn-Station.

Um die Verpackung und den Verkauf der Produkte, überwiegend an Konsumenten aus dem Tessin wie auch in der Deutschschweiz, kümmern sich dagegen die Lati oder die Cetra Alimentari SA. Mit Ausnahme vom Direktverkauf in der Käserei. Diese wie auch der Shop und ein Restaurant mit 220 Sitzplätzen befinden sich praktisch bei der Autobahn-Ausfahrt beiAirolo, unmittelbar neben einer Seilbahn-Talstation. «Dank dieser guten Lage begrüssen wir in unserem Shop jedes Jahr zwischen 70000 bis 100000 Leute», erklärt Corti. Nur wenn sich der Verkehr vor dem Gotthard-Tunnel staue, komme fast niemand. Dies, weil kurz vor der Einfahrt in den Tunnel niemand mehr die Autobahn verlassen wolle, zumal die Einfahrt in Airolo bei Stau geschlossen werde, so Corti.

Verarbeitet wird die Milch von 13 Milchproduzenten aus der Leventina, das heisst dem Tal zwischen Airolo und Biasca. Wenige Milchproduzenten stammen zudem aus dem Bleniotal. Der Blenio-Käse wird nur im Winter-Halbjahr produziert, solange die Kühe noch nicht auf den Alpen sind. Auch in Airolo wird im Sommer weniger Milch angeliefert – dank den ZMP kann etwas Milch von der Nordseite des Gotthardpasses verarbeitet werden. «Wir verarbeiten ausschliesslich silofreie Bergmilch, und immer aus der Region um den Gotthard», betont Alessandro Corti.

330 Tonnen Käse

Und obschon Käse aus silofreier Milch hergestellt wird, wird sie vor dem Verkäsen pasteurisiert oder thermisiert. Überwiegend wird Halbhartkäse produziert, rund 330 Tonnen pro Jahr. Nebst geschmiertem Käse wird insbesondere der typische Tessiner Grauschimmel-Käse hergestellt sowie Tessiner Raclette-Käse und der weiche Formaggella. «Tessiner mögen im allgemeinen milden Käse», erklärt der Geschäftsführer Alessandro Corti. Das typische Aroma versucht man daher über die Reifungsdauer von sechs bis neun Monaten hinzubekommen – mit dem Ziel, so Alessandro Corti, «unsere Kundschaft zufrieden zu machen, nur dann funktioniert auch alles andere.»

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One Response

  1. Überschuss in Zürich verkaufen,die wollen ja immer gesundes Essen. Nein im Ernst gute Produkte finden immer abnehmen leider lebe ich im Ausland,doch beim nächsten Besuch in meiner Heimat mache ich ein Stopp. Liebe den Tessinerkaese.

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