Freitag, 23. Juli 2021
18.07.2021 06:01
Nidwalden

Vorkämpfer gegen invasive Neophyten

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Von: chi

Der Nidwaldner Bauer Martin Zimmermann bekämpft seit Jahren das Einjährige Berufkraut durch Ausreissen und ruft die Bevölkerung auf, aktiv zu werden. Auch der Kanton ist aktiv im Kampf gegen Neophyten.

In Ennetbürgen NW, hoch über dem Vierwaldstättersee, liegt der 18 Hektar grosse Hof Oberleh der Familie Zimmermann-Odermatt. «Vor fünf, sechs Jahren fand ich die ersten Pflanzen auf meinem Land.

Der Hitzesommer 2018 hatte wesentlichen Einfluss für die rasante Ausbreitung», sagt Zimmermann. «Das Gras verdorrte und die Pflanze konnte so leicht absamen.» Die besagte Pflanze ist ein invasiver Neophyt, das Einjährige Berufkraut.

120 Stunden investiert

Bereits 2019 war der Befall auf den Ökowiesen von Martin Zimmermann derart gross, dass er mit seiner Familie 120 Stunden investierte, Pflanzen ausriss und über 150 35-Liter Kehrichtsäcke füllte. «Die invasiven Pflanzen müssen in der Kehrichtverbrennungsanlage entsorgt werden. Sonst landen sie als Grüngut im Kompost wieder in den Gärten und vermehren sich ständig weiter, auch auf dem Landwirtschaftsland. So wird das Ausreissen sinnlos», sagt Zimmermann.

Um die Pflanzen am Absamen zu hindern, beantragte er beim Landwirtschaftsamt und dem Amt für Umwelt eine Bewilligung für eine frühere Schnittnutzung seiner Ökoflächen.

Gemeinde wird aktiv

Das Einjährige Berufkraut hat sich längst entlang von Bachläufen, an Strassenrändern, auf Dächern und in privaten Gärten etabliert. Das ist vielen Hausbesitzern nicht bewusst. Darum gelangte Zimmermann über die Zeitung an die Öffentlichkeit.

«Ich erhielt nur positive Rückmeldungen aus der Bevölkerung.» Längst ist auch der Nidwaldner Bauernverband, das Amt für Landwirtschaft oder das Amt für Umwelt aktiv. Auch die Gemeinde Ennetbürgen informiert über Merkblätter, im Gemeindeheft und auf Ihrer Internetseite.

Alle sollen mithelfen

«Die Bekämpfung des Einjährigen Berufkrauts ist langfristig nur erfolgreich, wenn alle, wir Bauern, die Bevölkerung, die Gemeinden und der Kanton aktiv werden», sagt Zimmermann. Seit Frühjahr 2021 wird im Kanton Luzern der Neophytensack, ein gemeinsames Projekt des Kantons Luzern und der Abfallverbände im Kanton, den Luzerner Gemeinden zur Abgabe an die Bevölkerung kostenlos zur Verfügung gestellt.

Auf dem Infoportal von Stadt und Kanton Luzern wird die Bevölkerung von der Umweltberatung zur aktiven Bekämpfung der Neophyten aufgerufen. Mit einer InvasivApp kann die Bevölkerung auf einfache Art Standorte von invasiven Pflanzen digital erfassen. Im Neophyten-Feldbuch von Infoflora können alle bisher kartierten Standorte von invasiven Neopyhten eingesehen werden.

Steht auf der Schwarzen Liste

Das Einjährige Berufkraut steht auf der Schwarzen Liste (Liste der invasiven Neophyten der Schweiz).
Die Pflanze wird etwa bis 100 Zentimeter hoch, die Blätter sind hellgrün, beidseits behaart und meist gezahnt. Das Einjährige Berufkraut wird vom Vieh gemieden, damit kann es sich auf Weiden massiv vermehren und diese stark verunkrauten.

Auf Magerwiesen verdrängt es die einheimische Flora. Aus einer einzigen Pflanze, die bis zu 50000 Samen bildet, kann ein ganzer Bestand entstehen. Um die Pflanze zu bekämpfen muss sie von Hand ausgerissen werden. Wird das Kraut jedoch nur gemäht, geschieht ein Wachstumsschub: die Pflanze entwickelt mehrere neue Triebe und treibt im nächsten Frühling wieder aus.

Bekämpfungsstrategien

Das Einjährige Berufskraut kann durch folgende Massnahmen bekämpft werden:
•Ausreissen: Einzelpflanzen, kleine und grosse Bestände, bei denen eine möglichst rasche Eliminierung angestrebt wird, mehrmals (alle 3−4 Wochen) von Mai bis Oktober.
•Mehrmaliges, tiefes Mähen über mehrere Jahre: Mähen vor der Blüte verhindert ein Versamen, und somit eine weitere Ausbreitung der Pflanze.
•Kombination Mähen und Ausreissen: Da eine Eliminierung durch Mähen nicht erreicht werden kann, wird eine Kombination von Mähen und Ausreissen empfohlen. Grosse Bestände sollen so weit wie möglich von aussen her ausgerissen werden.

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10 Responses

  1. Habt ihr immer noch keine anderen Probleme als „Unkraut“ zu bekämpfen? Was ihr als Unkraut bezeichnet ist nichts anderes als die erste Hilfe der Natur auf Anbaufehler. Diese auszureissen, abzuflammen, zu vergiften oder wozu ihr noch fähig seid, ist ein Schaffen gegen die Natur, gegen die Schöpfung, gegen Gott. Anstatt dessen solltet ihr die Aussage der Pflanze verstehen lernen und euren Boden entsprechend anders behandelt, damit es das Unkraut nicht mehr braucht.

    1. Zimmermann bekämpft das Berufskraut auf seinen Ökowiesen und in Hanglage. Da ist eine Naturwiese, wo soll da ein Anbaufehler stattgefunden haben? Genau solche Wiesen und Weiden wären schon lange zugewachsen wen das Unkraut nicht bekämpft würde. Oder können Sie sich von Dornen und Brennesseln ernähren?

      1. Fällt dir dazu nichts ein? Auch Naturwiesen werden gemäht. Wenn man zu früh fährt, wenn man bei nassem Wetter fährt, wenn man falsche Schnittlängen und Schnittintervalle wählt – es gibt sehr viele Fehler, die man machen kann.

    2. Du bisch jo soooo as AAA du verstosch nid das die Neonfütta vo Menscha ins Lamd igführt sind will sie die Pflanza mit us de Feria mit brocht händ. Also es sind Fremdkörper nid be üs heimisch

      1. Für deine Beleidigung musst du selbst die Verantwortung tragen und wirst irgendwann dafür zur Rechenschaft gezogen werden. Auch weist du nichts über meinen Wissensstand von Flora, Fauna und Landwirtschaft. Aber du hingegen weist offensichtlich sehr viel, aber nicht genug, sonst wüsstest du, dass wir ohne eingeführte Pflanzen heute kaum etwas auf dem Teller hätten. Kartoffeln, Mais, Sonnenblumen, sehr viele Gründüngungspflanzen, Stärucher, Bäume, Beeren, etc. etc. waren mal Neophyten.

    3. Schade, um diesen Kommentar. Es fehlt hier viel Wissen. Herr Gottesgläubiger, bitte machen sie sich schlau über die Problematik der Neophyten.
      Vielen Dank an Martin Zimmermann. Er und viele Weitere leisten enormen Einsatz, welcher der Allgemeinheit zu Gute kommt.

      1. Genau, das Wissen ist heute nicht vorhanden über Pflanzen und ihren eigenlichen Nutzen. Belegen Sie doch mal einen modernen Bodenkurs oder beschäftigen Sie sich intensiv mit der Materie, dann werden Sie herausfinden, dass ich nicht so falsch liege.

  2. Die vielen gehässigen Kommentare lassen vermuten, dass der Gottesgläubige ins Schwarze getroffen hat. „Wer die Wahrheit spricht, braucht ein schnelles Pferd“!!!!!!!!

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