Freitag, 15. Januar 2021
23.11.2020 06:01
Luzern

Warten auf Super Nick

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2019 erreichte der Bio-Anteil in der Schweizer Eierproduktion mit 17.7% ein Rekordhoch. Auch Kevin Häfliger aus Büron hat seinen Betrieb auf Bio-Produktion umgestellt. Nur die Hühner lassen auf sich warten.

Noch steht die brandneue Stallung auf dem Hof von Kevin Häfliger im luzernischen Büron leer und nur noch vereinzelt machen sich Handwerker am letzten Feinschliff zu schaffen. Aber ab Januar 2021, ein halbes Jahr später als ursprünglich geplant und pünktlich zur Übernahme des elterlichen Hofs, wird hier lautes Gegacker zu hören sein. 2’000 Bio-Legehennen, die maximal zugelassene Menge pro Stall, werden in der 365 Quadratmeter grossen Anlage mit integriertem Aussenklimabereich und täglichem Auslauf im Freien eingestallt. «Die Planungs- und Vorbereitungsphase dauerte rund 1 ½ Jahre, denn die Auflagen für einen Bio-Betrieb sind hoch», so der 29-jährige Landwirt und Agrotechniker. Auch müssten Baubewilligung, Beschaffung der Legehennen und das Akquirieren der schlussendlichen Abnehmer gut organisiert sein.    

Hochleistungssportler Legehenne

Bis die ersten Eier eingesammelt werden können, muss sich Häfliger aber noch gedulden. Da die Brutzyklen bei den Bio-Brütereien genauestens durchgeplant sind, müssen für zusätzliche Bestellungen neue Aufzuchtplätze bereitgestellt werden und dies kann dauern.  «Bei Lieferung sind die Legehennen 18 Wochen alt. Bereits nach einer Woche legen sie bereits Eier. Durchschnittlich rechnet man mit einer Legeleistung von 96 Prozent», weiss der Vollzeit tätige UFA-Verkaufsberater im Bereich Geflügel.

Die Lebensdauer von Legehennen der gängigen Rassen, der weissen Super Nick oder der «brown Nick», betrage etwa ein Jahr, dann werde der gesamte Bestand ausgewechselt. «Der Zeitpunkt des Austausches wird von den Abnehmern vorgegeben und organisiert, deshalb muss der ganze Zyklus von der Brüterei bis zur Auslieferung entsprechend straff geplant sein.»  

Und was passiert mit den ausgedienten Legehennen? «Diese werden geschlachtet und gelangen in die Fleischproduktion.» Die beiden Schwergewichte punkto Bio-Brütereien in der Schweiz sind die Bibro AG in Oberkirch/ Sempach und die Lindenberg AG in Müswangen.  

Bio-Knospe erst nach zwei Jahren

Obwohl Bio-Produktion, darf Kevin Häfliger seine Eier erst nach einer zweijährigen Umstellungsphase mit dem Prädikat Bio-Knospe versehen, was jedoch auf den Preis keinen Einfluss habe. «Auch als Umstellungsknopse-Betrieb bewegt sich der Preis pro Eier um 46 Rappen.» Zweimal die Woche werden die Eier vom Zwischenhändler abgeholt und an Grossverteiler ausgeliefert.

Das gestempelte Ei liefert dabei Informationen zu Haltungsart (1=Freilandhaltung, 2=Bodenhaltung, 3=Käfighaltung), den Landes- und Produzentencode sowie das Legedatum und stell somit eine lückenlose Rückverfolgbarkeit sicher.

Naturnahe Produktion wichtig

«Für mich war schon früh klar, dass ich einmal den Betrieb meiner Eltern übernehmen würde, aber es war mir wichtig, möglichst naturnah zu produzieren.» erklärt Häfliger. So sieht er die Bio-Eier Produktion als ideales Standbein zur bereits getätigten Umstellung von Milchwirtschaft auf Mutterkuhhaltung. Zu 100% auf dem Hof arbeiten will er aber erst in einigen Jahren. Bis dahin erledigen seine Eltern, Urs und Romy Häfliger, im Angestelltenverhältnis die Arbeit auf dem Hof und müssen sich auf das neue Standbein einstellen. Entsprechende Kurse bietet das Aviforum in Zollikofen an.

Herdengesundheit und Fuchs

Überschaubare Herdengrösse, ein Sandbad zur täglichen Pflege des Gefieders, integrierter Aussenklimabereich und täglicher Auslauf im Freien, mit der Möglichkeit zum Scharren und Picken, sind ein Garant für artgerechte Tierhaltung. Trotzdem sieht Kevin Häfliger Herausforderungen bezüglich Herdengesundheit, denn äussere Einflüsse, Stresssituationen oder Bakterien können der Herdengesundheit zusetzen. «Natürliche Mittel wie Ansäuerung des Wassers oder Beigabe von Milchsäurebakterien können hier vorbeugen.»

Tagsüber droht im Aussengehege aber noch Gefahr von anderer Seite. «Gerade zur Herbstzeit häufen sich Angriffe von Füchsen. In ihrem Rausch können schon mal bis zu 100 Hühner Schaden nehmen. Auch Wildvögel attackieren, aber im geringeren Ausmass.» Es gelte also Innen wie Aussen immer gut zu beobachten.

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