Sonntag, 14. August 2022
04.07.2022 06:01
Milchviehzucht

«145 cm reichen, um Milch zu geben»

Share on print
Share on email
Share on facebook
Share on twitter
Von: sum

Seit 2015 gibt es die IG Neue Schweizer Kuh, und seither setzt ihr Präsident Andreas Elliker aus Frauenfeld TG ihre Empfehlungen um. Seine Herde wurde homogener. Und die Milchleistung stimmt – trotz vieler Weide.

Andreas Elliker aus Frauenfeld TG ist seit 2021 Präsident der Interessengemeinschaft (IG) Neue Schweizer Kuh. Auf seinem Betrieb die Generalversammlung der IG statt. Ihr Ziel ist eine mittelgrosse, weidetaugliche Milchkuh mit einer nachhaltigen Milchleistung. Als Selektionsinstrument hat die IG den Swiss Index (SWI) geschaffen.

Der SWI steht für einen hohen Stellenwert der funktionellen Merkmale Zellzahl, Persistenz und Fruchtbarkeit und ein tieferes Milchproduktionspotenzial. Seit diesem Jahr gibt es einen monetären Zuchtwert, welcher den wirtschaftlichen Mehrwert der passenden Genetik in Franken pro Jahr aufzeigt. Es gibt ihn für alle Hauptrassen.

Kraftfutter gegen Null

Auch Andreas Elliker nutzt bei der Stierenwahl den SWI. Und das bereits seit der Gründung der IG 2015: «Ich möchte eine Kuh, die nicht zu gross ist – 145 cm Grösse reichen, um Milch zu geben. Wichtig sind die Fruchtbarkeit und tiefe Zellzahlen. Das sind die Voraussetzungen, dass sie alt wird und weidetauglich ist. Unter diesen Voraussetzungen ist auch das Fundament in der Regel gut.»

Andreas Elliker hält 60 Milchkühe der Rasse Brown Swiss mit einem Stallschnitt von rund 7200 kg Milch mit 4,0 Prozent Fett und 3,5 Prozent Eiweiss. Dies bei einem hohen Anteil an Erstmelkkühen, weil er nach einem Stallbrand 2019 seinen Bestand reduzieren musste und ihn dann mit eigener Nachzucht wieder aufgestockt hat.

Generalversammlung

«Übernehmt Verantwortung für die eigene Zucht, und setzt konsequent auf die richtigen Stiere.» So schloss Andreas Elliker, Präsident der IG Neue Schweizer Kuh, seinen Jahresbericht an der 7. Generalversammlung. 23 aktive Mitglieder und ein paar Gäste trafen sich auf dem Bachhof in Frauenfeld TG. Die gesunde und effiziente Grundfutterkuh soll mit dem in diesem Jahr vorgestellten mönetären SWI noch einfacher gezüchtet werden. Hannes Jörg von der Hafl zeigte auf, wie die Zuchtwerte für den SWI monetär im Vergleich zu den Gesamtzuchtwerten der Rassen gewichtet sind. Die Basis der Gewichtung obliegt den Grunddaten von 7264 Kuhjahren aus dem Forschungsprojekt «Wiesenmilch plus» der IP-Suisse. Die Stierenempfehlungsliste auf www.swiss-cow-index.ch soll die Hauptleistung der IG darstellen und für alle Interessierten gratis verfügbar sein. sum

Die Kühe sind Tag oder Nacht auf der Weide, im Stall erhalten sie Grünmais, Dürrfutter oder Gras. «Wir sind silofrei und setzen noch etwas Maiswürfel ein», so der Betriebsleiter, «bisher haben wir pro Kuh und Jahr zudem rund 100 kg Biorapskuchen verfüttert, mit den neuen Biovorschriften und dem Verbot von importiertem Futter wird sich das ändern und die Kraftfuttermenge im kommenden Winter wohl gegen Null gehen.»

Ihm sei wichtig, dass er die Kühe beim Melken kontrollieren könne und die Herde dann funktioniere, ergänzt er: «Die Kühe müssen selber abkalben können und immer genügend gutes Grundfutter haben, dann stimmt auch der Arbeitsaufwand.»

Hornlos-Genetik

Andreas Elliker nutzt zur Zucht auch den neuen monetären Zuchtwert der IG. «Da wir aber ein Biobetrieb sind und nicht sicher ist, wie es mit dem Enthornen bei Bio Suisse weitergeht, setzen wir stark auf Hornlos-Genetik. Zudem muss die Blutlinienbreite gewährleistet sein», ergänzt er. In letzter Zeit hat er etwa Viro PP und Vialo von der Stierenliste der IG und Stiere aus Deutschland wie Don PP eingesetzt. Dieser steht nicht auf der Liste der IG, hat aber alle Merkmale, die sich der Betriebsleiter wünscht.

Homogenere Herde

Seit 2015 und dem Beginn der Zucht nach den Kriterien der IG habe sich einiges verändert, blickt er zurück: «Wenn man weniger Kühe einsetzt, wird die Herde homogener. Wir haben die Aufzucht nun auf dem Betrieb, so sind die Erstmelkkühe schon ab Beginn besser in die Herde integriert.» Zwar seien die Leistungen der Erstmelken gesunken, auch weil die Rinder schon mit 26 und 27 Monaten abkalben und nur mit betriebseigenem Futter aufgezogen werden. «In der zweiten Laktation steigen dann die Leistungen, und der Höhepunkt wird in der vierten Laktation erreicht», betont er.


Sein Ziel sind zehn Laktationen und eine Lebensleistung von 50 000 bis 70 000 kg Milch im Schnitt aller abgehenden Kühe. Darunter auch jene, die früher geschlachtet werden. «Besser werden kann man immer», bestätigt Andreas Elliker einen oft zitierten Satz. «Wichtig ist, dass man das eigene Ziel konsequent verfolgt und nicht auf die anderen schaut. Für uns stimmt unsere Herde – aber wenn man immer bessere Stiere einsetzen kann, wird es auch noch den einen oder anderen Fortschritt geben.»

Mehr zum Thema
Tiere

Brown-Swiss-Stier Beautician, geb. Okt. 1960 aus den USA. - Braunvieh Schweiz Knapp 100 Jahre nachdem 1869 die ersten Schweizer Braunviehtiere nach Amerika exportiert wurden, startete der Verband den «Interzuchtversuch» mit…

Tiere

Grand Champion Bruna OB 2022, Senior Miss, Vize-Schöneuter Senior: Orlando Odessa, René Stalder, Hasle LU. - Robert Alder Braunvieh Schweiz hat die Toplisten der besteingestuften Braunvieh- und Brown-Swiss-Kühe im ersten…

Tiere

Mortellaro tritt in Laufställen häufiger auf als in Anbindeställen.  - zvg In einer kanadischen Studie wurden laut dem Kälbergesundheitsdienst bei 12’260 Holsteinkühen auf 62 Milchviehbetrieben mit Laufstallhaltung Faktoren ermittelt, die das Auftreten von…

Tiere

Mortellaro ist die häufigste Klauenerkrankung bei Milchvieh und verursacht hohe Kosten.  - zvg Mortellaro, eine bakterielle Klauenerkrankung, führt bei den Tieren zu Schmerzen und bei Tierhaltern zu Verlusten. Mit dem…

2 Responses

  1. Habe reine SF Herde züchte auf kleine Kühe so wie du. Wichtig! Seit 2003 konsequent auf Gehalt. Jeden Monat zwischen 4-8 Rp. Zuschlag. Kraftfuttter 6%.Stalldurchschnitt 8500.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

SCHWEIZER BAUER

DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE