20.05.2018 06:00
Quelle: schweizerbauer.ch - hal
Viehschau
ASR-Reglement wird überarbeitet
Das neue Ausstellungsreglement erfüllt den Zweck nicht wie gewünscht. Nun soll das Reglement erneut verschärft werden. Diskutiert werden maximale Zwischenmelkzeiten und klare Regeln bei tierärztlichen Behandlungen.

Der Druck der Tierschutzkreise auf Viehausstellungen liess mit dem neuen Ausstellungsreglement nicht nach. Im Gegenteil. Zwar hat die Arbeitsgemeinschaft Schweizerischer Rinderzüchter ASR mit dem per 1. Januar 2018 in Kraft getretenen Reglement unter anderem die Euterkontrolle mit Ultraschall eingeführt.

So wurden an Ausstellungen wie der Swiss Expo, Tier&Technik, Expo Bulle und Swiss Jersey Night die Euter auf Ödeme kontrolliert und je nach Schweregrad sanktioniert. Trotzdem wurde  besonders in der Sendung Kassensturz und von Seiten des STS die Kritik laut, dass das Kontroll- und Sanktionssystem viel zu milde sei und sich nichts verändert habe. Eine Aussprache zwischen der ASR und dem Schweizer Tierschutz STS hat dazu stattgefunden.

Situation nicht geregelt

So analysiert die ASR zurzeit zusammen mit Kantonstierärzten und dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) die vergangenen Ausstellungen und sucht Lösungen. Lösungen, welche für und nicht gegen die Ausstellungen sprechen. Der Vorsitzende der internen Arbeitsgruppe ASR, Markus Gerber, nahm Stellung: «Die ASR will das Reglement überarbeiten und die Erfahrungen der vergangenen Monate miteinbeziehen.»

Die Situation wird zusammen mit dem BLV und Kantonstierärzten nach den ersten Ausstellungen, bei denen das neue Reglement angewendet wurde, als noch nicht befriedigend eingestuft. Gerber sagte, dass das Reglement auf Eigenverantwortung basiere, welche leider nicht immer wahrgenommen wurde. Das sensible Umfeld der Schweizer Milchproduktion gilt auch für die Viehausstellungen. Die Konsumenten haben Erwartungen an die Landwirtschaft und insbesondere auch an das Tierwohl.

Melkzeit in Diskussion

ASR-Präsident Andreas Aebi geht es an erster Stelle darum, dass die Kühe nicht leiden. Gegenüber SRF sagte er, dass Zwischenmelkzeiten ausserhalb von 12 bis 14 Stunden nicht vorkommen dürfen. Das steht zwar nirgends in einem Reglement. Es ist naheliegend, dass in Zukunft eine im Reglement festgelegte maximale Zwischenmelkzeit jedoch nicht auszuschliessen ist. Die Forderung nach einer Beschränkung der Zwischenmelkzeiten wird vermehrt an die ASR herangetragen, bestätigte Gerber.

Die Tierschützer fordern eine maximale Zwischenmelkzeit von 12 Stunden. Für Gerber sind rund 14 Stunden Zwischenmelkzeit kein Problem. Genau deshalb seien Gespräche mit allen Involvierten nötig. Die maximale Zwischenmelkzeit ist der eine Diskussionspunkt, der Zeitpunkt der Ultraschalluntersuchungen der andere. In der ersten Phase wurden diese Untersuchungen jeweils nach der Rangierung im Ring gemacht. Gerber schliesst nicht aus, dass diese zukünftig vor der Rangierung stattfinden könnten. Die ASR will aber auch die tierärztlichen Behandlungen an den Ausstellungen noch klarer regeln.

Gute Zusammenarbeit

Gerber betont, dass eine Revision des Reglements nach Vorliegen der ersten Erfahrungen immer vorgesehen war und dass die Umsetzung des Reglements mehrheitlich gut funktioniert habe und dass von Seiten der Organisatoren gute Arbeit geleistet worden sei. Für die Umsetzung sei wichtig, dass die Organisatoren hinter dem Reglement stehen und diese eng mit dem Kantonstierarzt zusammenarbeiten würden. Ausstellungen wie die Tier&Technik in St.Gallen haben gezeigt, dass die Platzverhältnisse wichtig sind für eine effiziente Umsetzung.

In den nächsten Monaten wird die ASR ihre Vorschläge für Änderungen im Ausstellungsreglement den verschiedenen Interessengruppen für eine Stellungnahme unterbreiten.

Zwischenmelkzeit

Wann ist eine Zwischenmelkzeit zu lang? Die Kuh kann diese Frage am besten beantworten. Mit dem Einsatz von Melkrobotern können die Kühe bis zu einem gewissen Grad selber bestimmen, wann sie gemolken werden wollen. Das Institut für Landtechnik und Tierhaltung (ILT) in Bayern (D) wertete auf 82 Melkroboter-Betrieben die Zwischenmelkzeiten aus und stellte fest, dass 77,3 Prozent der Tiere zwischen 7 und 16 Stunden gemolken wurden. Erst  nach 16 Stunden liessen sich 3,4 Prozent der Kühe melken, davon gaben 1,4 Prozent dieser Kühe mehr als  14 kg Milch. Jedes Tier ist individuell. Eine fixe Zwischenmelkzeit bedeutet für jede Kuh etwas anderes.

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