13.07.2016 17:16
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Viehausstellung
Dopingkontrollen an Viehschauen
Überladene Euter haben in letzter Zeit für Schlagzeilen gesorgt. Nun wird das BLV aktiv. Es erarbeitet Grundlagen für Ultraschallmessungen am Euter und Bluttests bei Kühen. Zudem will es die Richter besser schulen.

Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) will strengere Kontrollen an Viehausstellungen durchführen. Zudem sollen die Richter – und auch die Züchter – besser geschult werden. Das sieht ein standardisiertes Überwachungsprogramm vor, das eine Arbeitsgruppe derzeit ausarbeitet.

Spielraum einschränken

BLV-Mediensprecher Stefan Kunfermann bestätigt: «Die Arbeitsgemeinschaft Schweizerischer Rinderzüchter (ASR) und das BLV haben Ende 2015 eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, welche die Problematik der übervollen Euter an Milchviehausstellungen untersuchen und nach Lösungen suchen soll.»

Eine wissenschaftliche Definition von übervollen Eutern gebe es nicht, die Formulierung in der Tierschutzverordnung lasse entsprechend Ermessensspielraum. «Diesen Spielraum wollen wir einschränken und objektive Kriterien für die Beurteilung der Füllung der Euter definieren.»

Messbare Kriterien

Aufgrund einer Studie der Vetsuisse-Fakultät Bern, die im Auftrag des BLV durchgeführt wurde, wisse man, dass übervolle Euter infolge von zu langen Melkintervallen unter anderem zu Euterödemen führen könnten, erklärt der BLV-Mediensprecher: «Diese   Euterödeme können mit Ultraschall gemessen werden, sodass nun nebst den bekannten optischen Kriterien ein messbares Kriterium zur Verfügung steht, um zu lange Zwischenmelkzeiten gemäss Artikel 17 Tierschutzverordnung eindeutig feststellen und  sanktionieren zu können.»

Besagter Artikel 17 verbietet namentlich physikalische oder elektrische Eingriffe am Euter und lange Zwischenmelkzeiten, welche die natürliche Form des Euters verändern oder zu einem unnatürlichen Füllungszustand führen.

Blutuntersuch geplant

Laut Kunfermann beabsichtigt die Arbeitsgruppe nun, ein standardisiertes Verfahren für die Messung der Euterödeme zu entwickeln, damit diese Messungen künftig schweizweit einheitlich durchgeführt werden. Von den ausgestellten Kühen sollen gleichzeitig Blutproben erhoben werden. Somit werde vermieden, dass Tierhalter präventiv vermehrt Entzündungshemmer einsetzen, um Sanktionen zu vermeiden.

Im Rahmen einer neuen Studie wird laut dem BLV nun ein Standardverfahren für die Ultraschalluntersuchung und die Erhebung der Blutproben sowie für die optische Beurteilung der Euter entwickelt, das an verschiedenen Milchviehausstellungen in der Praxis getestet wird.

Richter bleibt wichtig

Die Ergebnisse der Studie sollen laut BLV als Grundlage für ein standardisiertes Überwachungsprogramm von Milchviehausstellungen genutzt werden: «Die visuelle Beurteilung der Kühe und deren Euter durch Experten und Richter ist aber weiterhin ein wichtiger Faktor, um überladene Kühe auszumachen», betont Kunfermann.

Dies umso mehr, da das in der Studie erarbeitete Material auch für die Schulung von Tierhaltern, Richtern, Tierschutzkommissionen usw. genutzt werden soll und eine umfassende Informationskampagne zur Sensibilisierung aller Akteure geplant ist. Mit ersten Ergebnissen der Studie ist im Frühjahr 2017 zu rechnen.

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