20.08.2018 16:19
Quelle: schweizerbauer.ch - Interview: Anja Tschannen
Expo Bulle
«Ein Traum erfüllt sich»
Niklaus Krebs aus Burgistein BE wird an der kommenden Expo Bulle als Richter im Einsatz stehen. Im Interview erzählt er von den Knackpunkten des ASR-Reglements und darüber, was er sich für die Viehzucht wünscht.

«Schweizer Bauer»: Sie werden die nächste Expo Bulle richten, wie ist es dazu gekommen?
Niklaus Krebs: Ich wurde vom Organisationskomitee der Expo Bulle angefragt. Die Anfrage kam für mich sehr überraschend, und ich  kann es immer noch nicht ganz glauben. Ich durfte bisher einige Regionalschauen und Ausstellungen richten. Dies zeigt mir, dass ich meine Richterarbeit an den bisherigen Schauen wohl nicht schlecht gemacht habe. Eine Ausstellung wie die Expo Bulle zu richten, ist für mich eine grosse Ehre und ein Traum, der  von mir als Richter in Erfüllung geht.

Ist in Ihren Augen als Richter das geltende ASR-Reglement durchführbar?
Ja, aber es muss sich noch einiges ändern. Zum Beispiel muss bei den Eingangskontrollen strenger geschaut werden. Ich persönlich bin zwar kein grosser Fan des Ultraschalls – wenn man den Blick dafür hat, kann man ein überladenes Euter von blossem Auge erkennen –, aber das ist jetzt so und wird von uns  gezwungenermassen akzeptiert und umgesetzt. Es ist wichtig, dass es nicht dazu kommt, dass  Kühe mit einem überladenen Euter in den Ring kommen. Für die Kontrolleure ist das ein schwieriger Job, aber es muss sein. Im  Moment ist das ein heikles Thema. Die Landwirtschaft   ist unter Druck.  

Sonst noch ein Anliegen?
Alle Kühe müssen gleich behandelt werden. Meist wird nur auf den ersten fünf Kühen herumgeritten. Kühe, die auf den hinteren Rängen stehen, müssen selten zur Kontrolle. Hier muss man die Augen vermehrt aufmachen.

Wo liegen die heiklen Punkte an einer Nationalschau?
Es geht um Erfolg und um Emotionen. Nehmen wir an, eine Spitzenkuh von einem Züchter steht in der Eingangskontrolle. Sie ist eine Titelanwärterin, der Kontrolleur ist aber davon überzeugt, dass zu viel Milch im Euter ist. Dem Aussteller nun die Teilnahme zu verweigern, ist leichter gesagt als getan. Es sind viele Emotionen im Spiel, und man muss vorsichtig sein, damit eine solche Situation nicht eskaliert.

Wie wird es mit grossen Ausstellungen künftig weitergehen (Swiss Expo, Expo Bulle etc.)?
Alle reden immer nur von den grossen Ausstellungen, deshalb vorweg: Es ist mir wichtig, dass kein Unterschied zwischen den Regionalausstellungen und den grossen Ausstellungen gemacht wird. Eine Ausstellung ist eine Ausstellung, das Spiel bleibt dasselbe. Die Auswirkungen von überladenen Eutern sind dieselben, das muss man sich ganz klar bewusst sein. Ich denke, dass die Aussteller gebrannt und informiert sind. Die meisten Aussteller halten sich an den Ehrenkodex. Züchter, Aussteller, Richter und Kontrollkomission müssen eng zusammenarbeiten, damit wir dieses Problem in den Griff kriegen.

Wie ist es für Sie, wenn Sie im Ring die Kühe von Züchterkollegen beurteilen. Können Sie da objektiv bleiben und im Fall der Fälle eine Kuh mit zu viel Milch rausschicken?
Ich habe selber noch nie einen Fall erlebt,  bei dem  ich mich gezwungen sah, jemanden wegen zu hohem Euterdruck rausschicken zu müssen. Es ist aber vorgekommen, dass eine Kuh am Limit lief. Das Euter war noch nicht überladen, aber es war Zeit, die Kuh zu melken. Das habe ich dem Vorführer noch im Ring unter vier Augen gesagt. Solche Kühe müssen dann von uns mit einer tieferen Rangierung bestraft werden. Es sollte aber nicht so weit kommen, dass ein Richter in eine solche Situation kommt. Kühe, die zu viel Milch im Euter haben, dürfen nicht in den Ring, und hier appelliere ich an die Kontrollkommission vor dem Ring. Ein Richter sollte sich auf das Bewerten und Kommentieren von schönen Kühen konzentrieren können und nicht noch Kontrollaufgaben übernehmen müssen. 

Was macht in Ihren Augen eine schöne Kuh aus?
Eine Kuh, die dem Zuchtziel entspricht. Die sehr viel Weiblichkeit und  viel Chic aufweist. Die aber trotz der Weiblichkeit die  Kraft und  Breite im Körper nicht verliert.  Die Grösse ist für mich nicht massgebend. Eine gute Kuh muss ausbalanciert sein und ein sehr gutes Fundament haben.  Ich sehe gerne sehr schöne Euter unter einer schönen Kuh.

Was wünschen Sie sich für die Schweizer Viehzucht?

Die Viehzucht war in den letzten Jahren stark unter Druck. Ich wünsche mir, dass wir uns die Viehzucht nicht durch Neid und Konkurrenzkampf kaputtmachen lassen und dass wieder  Normalität einkehrt. Dass die Züchter alle näher zusammenrücken und einander den Erfolg gönnen und dass sie sich gemeinsam darüber freuen. Die Viehzucht ist eine gemeinsame  Leidenschaft von uns. Andere haben Freude an schönen Autos oder an einer Harley, wir an schönen Kühen.

Was waren Ihre grössten persönlichen Erfolge?
Ich möchte den Erfolg nicht an einem einzelnen Titel aufhängen. Alles, was  ich mit meiner Kuh  Nilson Minnifée erleben durfte war sicher sehr speziell und erfüllt mich mit viel Genugtuung.  

Beenden Sie die Sätze ... 

...Viehzucht ist... Leidenschaft und bereichert den Alltag  auf dem Betrieb. 

...Landwirt ist... der schönste Beruf, den es gibt.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE