5.05.2020 14:20
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Viehschau
Gemeinsames Melken gegen Ödeme
An der Swiss Expo in Genf wurden die Kühe mit Ultraschall auf Ödeme kontrolliert. 26 Tiere wurden ausgeschlossen. Der Leiter Tierschutz vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen schlägt vor, künftig alle Tiere auf Platz zu melken.

Vor dem Betreten des Rings wurden an der Swiss Expo Anfang Januar in Genf alle Kühe mit Ultraschall auf Ödeme kontrolliert. Diejenigen Kühe, die an den Championwahlen teilnehmen durften, mussten sich erneut einer Kontrolle unterziehen, ausser sie waren in der letzten Kategorie.

5% blieben hängen

Bei den Kontrollen blieben 26 Tiere hängen, bei ihnen wurde ein Ödem festgestellt. Das waren rund 5% der 486 kontrollierten Kühe. Diese Tiere seien dem Reglement entsprechend vom Wettbewerb ausgeschlossen worden, sagt Markus Hitz, Mitglied der Kontrollkommission Arbeitsgemeinschaft Schweizerischer Rinderzüchter ASR, im Januar 2020 zu «Schweizer Bauer». 

«Mit diesen Massnahmen hatten wir nur noch Kühe mit gesunden Eutern im Ring», sagte Hitz. Besonders bei Jungkühen konnte die Tierhalter die Euterfülle noch zu wenig einschätzen, fuhr er fort.

Folgende Anzahl Kühe je Rasse traten in den Ring (in Klammer ist die Anzahl ausgeschlossener Kühe festgehalten): Simmental 27 (0); Swiss Fleckvieh 36 (0); Montbéliarde 52 (2); Original Braunvieh 22 (2); Jersey 29 (1 Kuh ausgeschlossen vor Championat); Brown Swiss 21 (0); Red Holstein 87 (3); Holstein 184 (18).

BLV enttäuscht über Richtersprüche

Nun hat auch die Konsumentensendung «Espresso» von Radio SRF das Thema aufgegriffen. Kaspar Jörger, Leiter Abteilung Tierschutz im Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) stimmt die Entwicklung zwar positiv. Doch er mahnt an: «Das heisst nicht, dass es nicht noch weitere übervolle Euter gab. Es heisst lediglich, dass bei der Mehrheit der Tiere noch kein Ödem diagnostiziert werden konnte.»

Ob die Fälle vor Gericht kommen, ist noch unklar. Der Genfer Kantonstierarzt ist mit der Corona-Pandemie ausgelastet. Ob er später Strafanzeige einreichen werde, ist noch offen.

Jörger ist darüber nicht überrascht. In der Romandie habe es in den vergangenen Jahren immer wieder Freisprüche gegeben. Man habe nicht nachweisen können, dass der Tierhalter das Ödem willentlich in Kauf genommen habe. «Wir sind sehr enttäuscht von solchen Richtersprüchen, die das Tierwohl nicht in den Vordergrund stellen», so Jörger zu Radio SRF.

«Alle hätten dieselben Bedingungen»

Um Ödeme in Zukunft zu verhindern, propagiert der Leiter Tierschutz ein gemeinsames Melken auf Platz. «Diejenigen Tiere, welche um elf Uhr beurteilt werden, müssen um neun Uhr gemolken werden. Die Tiere, welche um 12 Uhr in den Ring müssen, werden um zehn gemolken», erklärt Jörger 

Die Euter seien dann zwar nicht mehr so prall und riesig, dafür würden die Tiere nicht mehr leiden und alle hätten dieselben Bedingungen, folgert Jörger.

Sanktionen

Überfülltes Euter (visuelle Kriterien: z.B. fehlendes Zentralband)

• Ausschluss des Tieres vom Wettbewerb

• Komplettes Melken 

Ödem laut tierärztlichem Befund (Ultraschall oder visuelle Kontrolle)

• Ausschluss des Tieres vom Wettbewerb

• Komplettes Melken

-> Hier gehts zum Ausstellungsreglement

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