22.03.2016 06:08
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Viehausstellungen
«Gutes Styling fast unsichtbar»
An einigen Viehausstellungen muss man ohne gestylte Kühe gar nicht erst antreten, an anderen darf man an der Topline hingegen nicht Hand anlegen. Klar ist: Das Viehstyling hat Vor- und Nachteile.

Das Stylen der Rinder und Kühe an den Viehschauen ist oft matchentscheidend. Finessen  entscheiden über den Sieg, und jedes Detail, das dem Richter in die Augen sticht, zählt. Mittlerweile werden Profis gebucht, um die Tiere vor dem grossen Auftritt zurechtzumachen. Die Expo Bulle am 2. April bietet einen Stand für die professionelle Vorbereitung der Kühe. 

Auf lokaler Ebene

Es gibt aber auch eine Gegenbewegung. So ist im Kanton Luzern eine neue Schau geplant, an der das Viehstyling nicht erlaubt ist. An der Versammlung des Bauernvereins Schams GR wurde ein Stylingverbot an der Bezirksviehschau gutgeheissen. Auf lokaler Ebene mache das keinen Sinn und würde Züchter davon abhalten, ihre Tiere aufzuführen, so die Begründung.

Die Original-Braunvieh-Züchter haben das Thema an ihrer Generalversammlung im Februar ebenfalls diskutiert. Grund dafür war die OB-Ausstellung Sorexpo Ende Januar. Bei dieser waren auf dem Areal keine Schermaschinen erlaubt, das Styling verboten, Euter durften nicht geölt oder gesprayt  werden – so wollte es das Reglement. Daran hielten sich allerdings nicht alle Züchter in gleichem Mass.

Sauber scheren reicht

Reto Litschi, Präsident der OB-Jungzüchter, möchte das Styling beim Original Braunvieh nicht auf die Spitze treiben: «Wir sind noch nicht so extrem wie bei den Brown Swiss oder den Holstein.» Das solle so bleiben. «Ich habe die Tiere am liebsten, so wie sie sind. Schöne Kühe muss man nicht verschönern. Da sollte es reichen, wenn sie vor der Schau sauber geschoren werden – und dagegen hat ja niemand etwas einzuwenden.»

Der ASR-Ehrenkodex

Der Ehrenkodex der Arbeitsgemeinschaft Schweizerischer Rinderzüchter (ASR) regelt, was an Milchviehausstellungen beim Styling erlaubt ist: alles, was dem Tier keine Schmerzen oder  Schäden zufügt. So sind Waschen, Scheren, Klauenpflege und die Verwendung geeigneter Öle zulässig, ebenso Kosmetika, die weder Reizungen noch Schäden verursachen. Das äusserliche Versiegeln der Zitzen ist gestattet, solange das Wohlbefinden der Kuh nicht beeinträchtigt wird. Untersagt ist hingegen das Verbessern der Topline mit abgeschnittenen oder künstlichen Haaren, die Verwendung von Leim oder mechanischen Hilfsmitteln zur Veränderung der Zitzenform und -stellung und Eingriffe am Euter, die dessen natürliche Form verändern. sum

Das Scheren könne jeder selber erledigen, wogegen man das Stylen an einigen Ausstellungen den Profis überlassen müsse, um vorn mitmischen zu können. Litschi gibt auch zu bedenken, dass man mit dem Stylen Fehler vertusche, was die Zucht nicht weiterbringe.

Schaufenster der Zucht

Patrick Rüttimann, Holsteinzüchter aus Hohenrain LU, bestätigt: «Beim OB reicht es, wenn die Kuh sauber geschoren und gewaschen ist. OB ist keine reine Milchviehrasse. Da bringt es nichts, die Topline zu stylen, denn das verstärkt den Milchtyp und würde somit das Rassenziel verfälschen.» Hingegen mache es bei Holstein Sinn, mit der Topline und dem Scheren des Euters den Milchcharakter zu  verstärken. Wobei: «Gutes Styling ist fast unsichtbar. Aus 20 Meter Entfernung sieht man nicht, dass es gemacht wurde.»

Rüttimann findet aber, dass man zwischen regionalen und nationalen Schauen unterscheiden müsse: «An einer Bezirksschau sollen die Kühe nur geschoren und optisch gut präsentiert werden. So können alle mitmachen.» Nationale und kantonale Ausstellungen wie die Swiss Expo oder die Expo Bulle seien hingegen ein Schaufenster der Schweizer Zucht: «Wenn wir Genetik exportieren wollen, müssen wir die Kühe entsprechend präsentieren.»

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