7.01.2019 12:37
Quelle: schweizerbauer.ch - hal
Swiss Expo
Kampf gegen überladene Euter
Vorringkontrolle, keine Teilentleerung des Euters – die ASR kämpft mit dem überarbeiteten Ausstellungsreglement um die Gunst der Ausstellungskritiker. An der Swiss Expo kommen die Regeln zum ersten Mal zum Tragen.

Wiederum trifft es die Organisation der Swiss Expo, die als Erste ein «in Detaile überarbeitetes» ASR-Ausstellungsreglement in der Praxis umsetzen muss. 

Innerhalb von einem Jahr passte die Arbeitsgemeinschaft Schweizerischer Rinderzüchter (ASR) das Reglement gleich zweimal an – zuletzt am 17. Oktober 2018 mit Gültigkeit ab 1. Januar 2019. 

«Reglement ist klar»

Der Swiss-Expo-Präsident Jacques Rey spricht von einer vereinfachten Praxistauglichkeit des Ausstellungsreglements. «Das Reglement ist klar», sagt er. An der Swiss Expo würden alle nötigen Massnahmen mithilfe von Experten und Veterinärdienst umgesetzt, um das Möglichste für das Tierwohl zu machen, betont Rey.

Was bleibt sind Euterkontrollen mittels Ultraschall. «Alle Kühe mit einem Championtitel werden nach der entsprechenden Wahl einer Ultraschallkontrolle unterzogen», bestätigt Rey. Der beauftragte Spezialist, der die Euter auf Ödeme überprüfen wird, heisst Roberto Landriscina und kommt aus Italien.

Entweder rot oder grün

Bezüglich Euterfülle gilt ab sofort rot oder grün – entweder ist das Tier in Ordnung oder es wird vom Wettbewerb ausgeschlossen und muss komplett gemolken werden. Diese Beurteilung bzw. Sanktionierung kann sowohl nach visuellen Kriterien und/oder nach Ultraschallkontrolle durch die Kontrollkommission und/oder einen akkreditierten Tierarzt vorgenommen werden.

Berechtigterweise kann man sich die Frage stellen, wann der Tierarzt den Befund als Ödem einstuft und wann nicht. Wie Kenner bestätigen, sei an Ausstellungen zum Teil bei einem gewichtigen Anteil der Kühe ein Ödem, wenn auch nur ein geringfügiges, nachgewiesen worden. Die Frage nach der Grenze zwischen Rot und Grün ist heikel.

Bis anhin wurde bei der Ultraschalluntersuchung ein Ödem in die Schweregrade eins bis drei eingeteilt. Beim Schweregrad eins musste die Milch teilweise gemolken oder abgelassen werden. Diese Massnahme gehört der Vergangenheit an. Ab sofort gilt: Entleert ein Aussteller das Euter teilweise mit einer Sonde, erhält er eine Verwarnung und das Tier wird vom Wettbewerb ausgeschlossen (siehe Tabelle).

Vorring und Substanzen

Neu muss sich jede Kuh vor dem Eintreten in den Ring einer visuellen Vorringkontrolle unterziehen. An nationalen und kantonalen Ausstellungen sind zwei bis drei Personen für diese Aufgabe zuständig, wovon mindestens eine ausgebildete Person dabei sein muss. Ende November wurden zu diesem Zweck an einem ASR-Kurs über 60 Züchter, Richter, Einstufer und Tierärzte ausgebildet. 

Laut Michel Geinoz, Direktor von Holstein Switzerland,  designierten die Zuchtverbände Braunvieh Schweiz, Swissherdbook und Holstein Switzerland die Personen, ausser die Tierärzte, für diese Aufgabe. Im Kurs sei darauf sensibilisiert worden, wo und wie man die Zeichen von einem überfüllten Euter, wie beispielsweise beim Zentralband oder bei der Zitzenfülle, sehen kann. «Das Ziel ist, das ganze Euter, aber auch den Allgemeinzustand des Tieres zu kontrollieren», sagt Geinoz.

Bei der Anwendung von Substanzen und Präparaten ohne tierärztliche Kontrolle riskiert der Aussteller eine 13-monatige Sperre. Neu soll eine Liste von verbotenen Stoffen im ASR-Reglement aufgeführt werden, die aber mit Inkrafttreten des Reglementes noch leer ist. Geinoz sagt, dass diesbezüglich ein Treffen mit Tierärzten und dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) in diesem Monat vorgesehen ist.

Droht ein Verbot?

Im neuen Jahr wird das Thema Tierwohl an Ausstellungen trotz überarbeitetem Reglement nicht aus der Luft geschaffen. Druck wird neuerdings nicht nur von  Tierschutzkreisen und Milchverarbeitern, sondern auch auf politischer Ebene ausgeübt.

Die von der grünen Nationalrätin Irène Kälin (AG) Ende September 2018 eingereichte Motion, die jegliches Verschliessen der Zitzen an Kuhausstellungen verlangt, findet beim Bundesrat Zustimmung. Was unternimmt die ASR dagegen? Geinoz antwortet auf diese Frage wie folgt: «Die ASR hat entschieden, nichts gegen ein Verbot zu unternehmen. Führt ein politischer Entscheid zu einem Verbot, wird er akzeptiert.» 

Verstoss Massnahmen
Anwenden oder Verabreichen von verbotenen Substanzen oder Präparaten oder ohne tierärztliche Kontrolle. Die verbotenen Substanzen und Präparate sind zu Jahresbeginn noch nicht bekannt (Anm. der Redaktion) Ausschluss des Tieres vom Wettbewerb und 13 Monate Ausstellungssperre für Aussteller
Das Einsetzen von Fremdkörpern irgendwelcher Art und das Verabreichen von Substanzen in den Pansen mittels Sonde (Drenching) Ausschluss des Tieres vom Wettbewerb und 13 Monate Ausstellungssperre für Aussteller
Einbinden der Sprunggelenke sowie der Entzug von Gewebeflüssigkeit im Bereich der Sprunggelenke Ausschluss des Tieres vom Wettbewerb und 13 Monate Ausstellungssperre für Aussteller
Eingriff zur Veränderung der natürlichen Form des Euters Ausschluss des Tieres vom Wettbewerb und 13 Monate Ausstellungssperre für Aussteller
Missachten der Anweisungen der Kontrollkommission Ausschluss des Tieres vom Wettbewerb und 13 Monate Ausstellungssperre für Aussteller
Nicht bedarfsgerechte Haltung, Fütterung oder Wasserversorgung Wird das Problem sofort korrigiert: keine Sanktion. Ansonsten oder im Wiederholungsfall: Ausschluss des Tieres vom Wettbewerb und  13 Monate Ausstellungssperre für Aussteller
Topline über 4 cm

Ausschluss des Tieres vom Wettbewerb und Verwarnung des Ausstellers
Ankleben von Haaren (Ausnahme Schwanzquaste)
Ausschluss des Tieres vom Wettbewerb und Verwarnung des Ausstellers

Verwendung von Eis zur Kühlung des Euters Ausschluss des Tieres vom Wettbewerb und Verwarnung des Ausstellers
Teilweise Entleeren des Euters mit Sonde


Ausschluss des Tieres vom Wettbewerb und Verwarnung des Ausstellers

Veränderung der Zitzenform
Ausschluss des Tieres vom Wettbewerb und Verwarnung des Ausstellers


Versiegelung der Zitzen mit nicht erlaubten Produkten. Erlaubt ist nur Collodium 8% (Anm. der Redaktion)

Überfülltes Euter (visuelle Kriterien: z.B. fehlendes Zentralband)

Ödem laut tierärztlichem Befund (Ultraschall oder visuelle Kontrolle)

 

Ausschluss des Tieres vom Wettbewerb und Verwarnung des Ausstellers 

Ausschluss des Tieres vom Wettbewerb und komplettes Melken Tieres 

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