4.11.2016 12:11
Quelle: schweizerbauer.ch - Samuel Krähenbühl
Tierschutz
Kleintierärztin macht grosse Politik
Julika Fitzi war jahrelang als Kleintierärztin im Kanton St. Gallen tätig. Nach kurzen Abstechern in die Politik und in den Berufsverband hat sie jetzt als Tierrechtsaktivistin den Viehausstellungen den Kampf angesagt.

Noch vor einem Jahr kannte kaum ein Schweizer Viehzüchter den Namen von Julika Fitzi-Rathgen. Heute ist der Name der gebürtigen Deutschen in aller Züchter Munde. Der Grund: Die 1965 in München geborene Tierärztin hat den Schweizer Viehausstellungen den Kampf angesagt. In einem 58-seitigen Bericht über die Red-Holstein- und Holstein-Europameisterschaften in Colmar, Frankreich vom 17. bis 19. Juni 2016 übte sie heftige Kritik am Schweizer Team. Und der Schweizer Tierschutz (STS), in dessen Auftrag sie den Bericht verfasst hatte, streute diesen an alle Schweizer Medien. Die Folge war ein regelrechter medialer «Shitstorm». Und schliesslich sogar ein Vorstoss im Nationalrat.

Hunde und Kaninchen

Das ist doch etwas erstaunlich.  Denn mit Kühen hatte Kleintierärztin Fitzi lange gar nichts am Hut. Ihre wissenschaftlichen Publikationen behandeln vor allem Krankheiten von Kaninchen und Hunden. Und sie führte jahrelang in Abtwil SG die «Kleintierpraxis zur Mühle». Hinter vorgehaltener Hand ist bei Tierarztkollegen Fitzis auch zu hören, dass die auf das Kastrieren von Hunden und Katzen spezialisierte Kleintierärztin von Grossvieh etwa so wenig Ahnung habe wie ein Eskimo vom Elefantenmelken.

Und wie lange sie sich mit dem Thema Viehzucht befassen wird, steht auch in den Sternen. Denn Fitzi ist in Tierarztkreisen, aber auch in der St.Galler Kantonalpolitik nicht nur als schillernde Persönlichkeit bekannt, sondern auch als eine, die schnell das Handtuch wirft.

GLP-Präsidentin Fitzi

Als im Juli 2007 die Grünliberale Partei der Schweiz (GLP) gegründet wurde, war Fitzi im Gründungsvorstand dabei. Und sie präsidierte auch die St.Galler Kantonalsektion der GLP.

«Julika Fitzi wirft das Handtuch», titelte das St.Galler Tagblatt am 19. Oktober 2007. Drei Monate nach der Gründung und drei Tage vor den Nationalratswahlen stand damit die GLP im Kanton St.Gallen ohne Führung da. «Trotz aller Bemühungen und grosser Motivation meinerseits für die kantonale Parteileitung führten vor allem parteiinterne, strukturelle und personelle Probleme zu meiner Entscheidung.» So liess sich Fitzi zu ihrem überhasteten Rücktritt zitieren. Die GLP konnte denn auch keinen einzigen Sitz holen. Fitzi selber landete auf Listenplatz 4.

GST-Präsidentin Fitzi

Ein ähnliches Verhaltensmuster legte Fitzi auch bei einem anderen Mandat an den Tag. Am 1. Januar 2013 trat sie als erste Frau das Präsidium der Gesellschaft Schweizer Tierärztinnen und Tierärzte (GST) an. Doch bereits Ende Dezember des gleichen Jahres war die Ära der ersten Frau als Präsidentin der Tierärzte vorbei. «Die Gesellschaft attestierte ihr im Internet zwar engagierte Tätigkeit. Aber schliesslich habe die Zusammenarbeit auf zu vielen Ebenen nicht funktioniert, sagt Julika Fitzi.» Das schrieb das St.Galler Tagblatt am 11. Januar 2014.

Tierrechtsaktivistin Fitzi

Bereits vor ihrem Amtsantritt als GST-Präsidentin hatte Fitzi ein juristisches Zweitstudium begonnen. Tierarztkollegen vermuten, dass dahinter eine bewusste Profilierung in Richtung Tierrecht und Tieraktivistin steckt. 

Fitzi wäre aber nicht Fitzi, wenn ihr Vorgehen nicht nur polemisch, sondern auch hochpolitisch wäre. Das zeigt sich auch im Schlusssatz des  Colmar-Berichts. «Insbesondere vor dem Hintergrund der grosszügigen Bezuschussungen der Zuchtförderung an Viehausstellungen und Meisterschaften durch Bund und Kantone darf erwartet werden, dass die eingesetzten Gelder nicht in tierschutzwidrige Praktiken investiert werden, sondern in erster Linie dem Tierwohl an diesen Veranstaltungen zu Gute kommen.»

Diese implizite Forderung Fitzis, die Tierzuchtförderung zu kürzen, hat bereits Folgen gezeigt. Nationalrat Louis Schelbert (Grüne, LU) hat im September einen Vorstoss eingereicht. In diesem stellt er die 33 Millionen Franken Tierzuchtförderung des Bundes infrage, wovon die Hälfte zu den Zuchtverbänden geht. Fitzis Saat geht also auf, egal, wie lange sie diese selber noch hegt.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE