27.04.2016 06:05
Quelle: schweizerbauer.ch - Samuel Krähenbühl
Tierschutz
Tierschutz greift Schauen an
Der Tierschutz macht mobil gegen Viehausstellungen und stellt die Bundesmittel für die Tierzuchtförderung infrage. Wie beurteilen Sie die Kritik der Tierschützer, liebe Leserinnen und Leser? Diskutieren Sie mit und stimmen Sie ab.

«Quälerei an Viehschauen – Kühe leiden für absurde Schönheitsideale». Unter diesem Titel übte der «Kassensturz» am Dienstagabend heftige Kritik an den Viehausstellungen. Der Schweizer Tierschutz (STS) hat die Swiss Expo, die Tier&Technik und die Expo Bulle besucht und einen Bericht darüber verfasst. Darin wird namentlich der Ehrenkodex der Arbeitsgemeinschaft Schweizerischer Rinderzüchter (ASR) kritisiert. Dieser bevorteile Züchter, die auf überlange Zwischenmelkzeiten und Manipulationen am Euter setzen würden.

Politische Forderung des Tierschutzes

Der STS kommt laut der Zeitung «K-Tipp» zum Schluss, dass 90% der Kühe, die an der Expo Bulle im Kampf um den Tagessieg gestanden seien, ein übervolles Euter gehabt hätten. Der STS leitet daraus auch eine politische Forderung ab: «Vor dem Hintergrund der grosszügigen Bezuschussung des Bundes zuhanden der ASR von insgesamt 700'000 Franken jährlich, wovon alleine 170'000 Franken an die Expo Bulle ausgeschüttet werden, darf erwartet werden, dass die eingesetzten Gelder zur Förderung der Tierzucht nicht in tierschutzwidrige Praktiken investiert werden.»

Markus Gerber, Swissherdbook-Präsident, der im «Kassensturz» Stellung nahm, hält dagegen: «Die Aussage ist so schlicht und einfach falsch. In Bulle gab es eine sehr engmaschige Kontrolle durch den Freiburger Kantonstierarzt. Nur vereinzelte Tiere sind punkto Euterfüllung an die Grenze gestossen.» Die vielen älteren Schaukühe  würden kaum so hohe Lebensleistungen erreichen, wenn ihre Euter an Ausstellungen überladen würden.

Gerber sieht punktuell Verbesserungsbedarf

Auch die Zahlen, die der STS ins Feld führe, stimmten nicht: «Insgesamt gehen 150'000 Franken an die vier Ausstellungen Swiss Expo, Tier&Technik, Expo Bulle und die Fleischrinderschau Swiss Open.» Rund 300'000 Franken seien für die Genossenschaftsschauen vorgesehen, der Rest für Promotionsauftritte im Ausland. Punktuell sieht Gerber aber auch Verbesserungsbedarf für eine konsequentere Umsetzung des ASR-Reglements.

Für die grösste Schweizer KB-Organisation Swissgenetics, die jährlich eine halbe Million Samendosen exportiert, sind die Ausstellungen von grosser Bedeutung. Mediensprecher René Bucher betont: «Grosse internationale Schauen in der Schweiz sind eine gute Plattform, wo Genetikanbieter und Kunden sich austauschen können.» Swissgenetics spreche sich aber klar gegen Show-Exzesse aus: «An unseren eigenen Nachzuchtschauen halten wir uns konsequent an den Ehrenkodex der ASR», fügt er an.

Hier gehts zum Kassensturz-Beitrag

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