7.10.2016 08:35
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann, Samuel Krähenbühl
Ausstellungen
«Tierzuchtförderung steht auf dem Spiel»
Die Viehausstellungen sind unter Beschuss des Tierschutzes. Deshalb erarbeitet die Uni Bern eine Studie zum Tierwohl. Resultate liegen nächsten Sommer vor. Schon jetzt machen die Grünen im Nationalrat Druck mit einem Vorstoss. Mit Umfrage

Professor Adrian Steiner von der Tierklinik Bern untersucht wissenschaftlich, wie es um das Tierwohl der Kühe an den Ausstellungen bestellt ist. Er wird die Resultate erst nächsten Sommer vorweisen können. Trotzdem will die Arbeitsgemeinschaft Schweizerischer Rinderzüchter (ASR) das Schaureglement schon vorher verschärfen. Pierre-François Gobat, Neuenburger Kantonstierarzt, kritisiert dies. Man solle zuerst die Resultate der wissenschaftlichen Studie abwarten, bevor man in Aktionismus verfalle.

Einige Praktiken nicht tolerierbar

Swissherdbook-Präsident Markus Gerber, der als Mitglied der Arbeitsgruppe in die Erarbeitung des Reglements involviert ist, weist die Kritik zurück. Zum einen untersuche die Studie vor allem den Füllzustand der Euter, nicht aber andere Bereiche. Die ASR sei auch bereit, das Reglement erneut zu ändern, wenn die Resultate der Studie dies erfordern würden.

Und zum anderen sei der Druck auf Veränderungen politisch enorm gross. Die Tierzuchtförderung des Bundes stehe auf dem Spiel. «Gewisse Praktiken haben bei Schauzüchtern Einzug gehalten, die nicht tolerierbar sind. Es kann nicht sein, dass eine kleine Gruppe von Schauzüchtern den Milchkonsum negativ beeinflusst», betont er.

Grüne stellen Beiträge infrage

Gerber verweist auf eine Interpellation, die Nationalrat Louis Schelbert (Grüne, LU) kürzlich eingereicht hat. Schelbert stellt die 33 Millionen Franken Tierzuchtförderung des Bundes infrage, wovon die Hälfte zu den Zuchtverbänden geht. Er will vom Bundesrat konkret wissen, was dieser zu tun gedenkt, «damit Steuergelder nicht weiterhin eingesetzt werden, um [...] Viehausstellungen zu subventionieren, wo tierschutzwidrige Manipulationen, unter anderem Zitzenverkleben, Einsatz von Beruhigungs- und Schmerzmitteln, Abrasieren der Tasthaare an den Kühen, vorgenommen werden».

Auch das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV), das die Studie Steiner zusammen mit der ASR in Auftrag gegeben hat, begrüsst es, dass die ASR jetzt aktiv wird. «Es gibt keinen Grund, die Studie abzuwarten, da das ASR-Reglement jederzeit angepasst werden kann (ob verschärft oder gelockert)», sagt Sprecher Marcel Marti. 

Aebi und Huber nehmen Stellung

«Wir wollen, dass es unseren Tieren gut geht. Es gibt immer wieder Leute, die überdrehen. Dem möchten wir mit zusätzlichen Instrumenten Einhalt gebieten», sagt SVP-Nationalrat Andreas Aebi (BE), der Präsident der Arbeitsgemeinschaft Schweizerischer Rinderzüchter (ASR), am Freitag gegenüber Radio SRF. Der Ehrenkodex soll nun verschärft werden. Der Geschäftsführer vom Schweizer Tierschutz, Hans-Ulrich Huber, begrüsst das Vorgehen der Rinderzüchter. Züchtern seien die Auswüchse ein Dorn im Auge, so Huber. Sie verschlechtern das Bild in der Öffentlichkeit. Zweck der Viehschauen sei, dass man die guten Zuchttiere vergleichen könne. Eine Viehschau solle ein gesellschaftlicher Anlass sein, nicht eine Tierquälerei, sagt Huber. blu

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