26.01.2017 10:21
Quelle: schweizerbauer.ch - Robert Alder
Viehausstellung
Überfüllte Euter mit Ultraschall erkennen
Wann gilt ein Euter als überfüllt? Darüber streiten sich viele. Eine Studie des Tierspitals Bern soll Klarheit schaffen. Mit Interview

An der Swiss Expo wurde die neue Regelung der ASR erstmals umgesetzt. Drei Mitglieder der Ethikkommission nehmen eine genaue visuelle Begutachtung jedes Tieres vor dem Betreten des Rings vor. Unabhängig davon werden nach der Rangierung die vier erstrangierten Kühe einem Team des Tierspitals Bern unter Leitung von Adrian Steiner vorgestellt.

Zuerst wird jedes Euter mit einem Ultraschallgerät auf Veränderungen wie Ödembildung und auf nicht erlaubte Substanzen abgesucht. Danach wird eine Blutprobe genommen, welche später im Labor auf unerlaubte Stoffe untersucht wird. Am Ende wird jedes Euter fotografiert und der Gang der Kuh gefilmt. «Das wird dieses Jahr an allen grösseren Ausstellungen so gehandhabt, also auch an der Tier & Technik in St.Gallen oder an der Expo Bulle», sagt Adrian Steiner.

Dazu habe er einen Auftrag der ASR. Die Ergebnisse werden ausgewertet und in einem anonymisierten Bericht bekanntgegeben. «Dieser wird im Herbst 2017 vorliegen», so Steiner. «Im Gegensatz zur Ethikkomission fällen wir keine Entscheidungen, und unsere Resultate werden der Ethikkommission nicht zur Verfügung gestellt.»

Das sagt Adrian Steiner

«Schweizer Bauer»: Wann gilt ein Euter als überfüllt?

Adrian Steiner: Ein Merkmal ist sicher, wenn eine Kuh an ihrem Verhalten zeigt, dass sie sich nicht mehr wohlfühlt. Visuell beurteilt dies jeder ein wenig anders, und jede Meinung ist somit subjektiv.

Und mit der Messmethode wird die Aussage objektiv?
Mit der Ultraschallmessung können wir  Ödeme feststellen. Dieser Wasseraustritt entsteht, wenn eine Kuh längere Zeit nicht gemolken wurde und das Euter überfüllt ist. Der Zeitpunkt der Ödembildung hängt vom Laktationsstadium ab. Wir arbeiten diesbezüglich eng mit Robert T. O’Brien, dem erfahrenen Experten der Universität Urbana in Illinois, USA, zusammen.

Bekommt die Branche das Problem so in den Griff?
Ja, die Ultraschalluntersuchung könnte ein wichtiges Instrument werden. In der laufenden Ausstellungssaison werden Daten gesammelt. Die ASR und das BLV werden nach der Datenauswertung  Richtlinien festlegen. Solche Kontrollen könnten ab nächstem Jahr an grösseren Ausstellungen zur Pflicht werden.

Wenn Verstösse aufgrund der Blutproben festgestellt werden, hat dies Konsequenzen?
Vorerst nicht, da die Anonymisierung keine Rückschlüsse auf das einzelne Tier zulässt. Aber im aktualisierten Reglement könnten Sanktionen enthalten sein, die, wie im Pferdesportüblich, zur Aberkennung eines Titels führen könnten. ral

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE