12.10.2016 06:07
Quelle: schweizerbauer.ch - Samuel Krähenbühl
Viehschau
«Wir untersuchen auch auf Medikamente»
Prof. Dr. Adrian Steiner von der Vetsuisse-Fakultät der Uni Bern verfasst eine Studie über die Tiergesundheit von Kühen an Viehausstellungen. Die Resultate werden nächsten Sommer vorliegen. Er mahnt zu Nüchternheit.

«Schweizer Bauer»: Sie erarbeiten momentan im Auftrag des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) und der Arbeitsgemeinschaft Schweizerischer Rinderzüchter (ASR) eine Studie, bei der Sie vier Schweizer Viehausstellungen bezüglich des Tierwohls untersuchen. Was sagen Sie dazu, dass die ASR bereits vor Vorliegen der Studie den Ehrenkodex für Aussteller verschärfen will?
Adrian Steiner:
Solange das nur eine vorübergehende Anpassung ist und die ASR auch bereit ist, das Reglement nach Vorliegen der Resultate der Studie basierend auf neuen Empfehlungen allenfalls wieder zu ändern, ist dagegen nichts zu sagen.

Mit der Swiss Red Night ist bereits eine der Ausstellungen, die Sie untersuchten, vorbei. Können Sie sagen, wie Sie die Situation dort eingeschätzt haben?
Ich werde mich inhaltlich erst nach Abschluss und Auswertung der ganzen Untersuchung äussern. Ich möchte nicht mit emotionalen oder subjektiven Sichtweisen argumentieren. Denn momentan ist es in der Thematik so, dass jeder mit seinen eigenen Erfahrungen argumentiert. Die Erkenntnisse, die ich den Auftraggebern vorlegen werde, werden wissenschaftlich untermauert sein. Das wird im Sommer 2017 der Fall sein, wenn die Resultate aller Ausstellungen wissenschaftlich ausgewertet sind. Die Resultate werden zuerst den Auftraggebern BLV und ASR kommuniziert. Und erst dann werden diese entscheiden, wie öffentlich kommuniziert wird.

Sie werden noch an der Swiss Expo, der Tier&Technik sowie der Expo Bulle im Einsatz sein. Was machen Sie dort genau?
Wir schauen die drei Erstrangierten pro Kategorie an. Wir untersuchen die Euter mit Ultraschall, nehmen Blut und untersuchen, ob die Kühe Medikamente erhalten haben. Weiter sammeln wir Bildmaterial, das wir anonymisieren. Ziel ist, eine Art Ausbildungsdokumentation für Kommissionen und Tierärzte als Lehrmaterial und Handlungsanleitung zu erstellen.

Müssen Aussteller befürchten, aufgrund Ihrer Untersuchungen sanktioniert zu werden?
Nein. Die Resultate werden anonymisiert. Unsere Untersuchungen haben keine direkten Konsequenzen für die entsprechenden Aussteller. Die Idee ist, dass die Resultate im nächsten Sommer nach der Auswertung diskutiert werden und dann entschieden wird, was zu tun ist.  Es ist auch nicht unsere Aufgabe als Fachexperten, irgendwelche Vorschriften zu machen. Entscheiden werden ASR und BLV, wie man darauf reagiert.

Auf was untersuchen Sie das Blut?
Vor allem auf Entzündungshemmer. Der Nachweis von Oxytocin wird nicht aussagekräftig, da dieses im Körper zu schnell abgebaut wird.

Wie zielgenau können mit Ultraschalluntersuchungen Euter mit zu langen Zwischenmelkzeiten diagnostiziert werden?
Die Euter von allen Kühen, in denen aufgrund von zu langen Zwischenmelkzeiten ein Ödem entsteht, das mit Ultraschall nachgewiesen werden kann, sind tatsächlich überladen. Es wird aber auch Kühe geben, die lange nicht gemolken wurden, aber noch kein Ödem entwickelt haben. Bei diesen wird man mit Ultraschall nichts entdecken. Wir schauen bei den Untersuchungen auch andere Dinge an wie beispielsweise die Zitzenversiegelungen.

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