Freitag, 22. Januar 2021
28.11.2020 07:12
Fütterung

«Die Rechnung lässt sich sehen»

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Von: Ursina Berger, Strickhof

Fünf Milchwirtschaftsbetriebe lassen das Futter im Lohn mischen, mit dabei ist auch der Strickhof. Eine Rechnung, die sich sehen lässt, sagt Josias Meili vom Fachbereich Milchproduktion .

Seit Anfang November fährt ein selbstfahrender Mischwagen täglich mehrere Betriebe an und mischt deren Futter im Lohn.

Rationsänderungen jederzeit möglich

Einer der Betriebe ist AgroVet-Strickhof in Lindau. Je nach Versuch müssen zusätzlich Kleinrationen gemischt werden. Das Fahrwerk des Mischwagens ist ausgelegt für Strassenfahrten, damit möglichst viele Betriebe angefahren werden können.

Abgerechnet wird nach Minuten. Sobald der Mischwagen das Strickhof-Gelände erreicht, wird die Zeit erfasst. Der Mischwagenfahrer ruft vor dem Mischen die auf einer Cloud hinterlegte Datei auf, worauf ersichtlich ist, welche Mischung und Futtermenge für heute gewünscht ist. Änderungen sind folglich jederzeit möglich. Ob der Landwirt den Fahrsilo abdeckt oder dies der Mischwagenfahrer übernimmt, ist Verhandlungssache.

«Wir möchten das Personal im Stall entlasten»

Mit 120 Kühen wäre ein Mischwagen am Strickhof eigentlich gut ausgelastet. Aus welchen Gründen hat sich der Strickhof trotzdem für das Mischen im Lohn entschieden? Josias Meili vom Fachbereich Milchproduktion: Wir möchten das Personal im Stall entlasten, denn die Versuche von AgroVet-Strickhof sind teilweise sehr aufwändig. Zudem benötigen die Versuche oft Kleinmischungen, die sehr genau zubereitet werden müssen. Hierfür ist dieser Mischwagen bestens geeignet. Er kann das Futter exakt abfräsen und es ist schliesslich ersichtlich, wie viele Kilogramm von welchem Futtermittel beigegeben wurden.

Welche Erfahrungen haben Sie in diesen wenigen Wochen bereits sammeln können? Wir sind sehr zufrieden. Die Mischqualität ist gut, bei kleinen wie grossen Mischungen. Es fällt auf, dass bei einigen Betrieben die Mischung von den Kühen weniger verlesen wird. Dies ist für die Gesundheit der Kühe und für die Konstanz im Stall sicherlich hilfreich. Als schönen Nebeneffekt muss das Futter weniger nachgeschoben werden. Die Abläufe mussten am Anfang optimiert werden, damit der Mischwagen den Betrieb möglichst rasch wieder verlassen kann. Das Kraftfutter geben wir nicht mehr am Schluss bei, sondern dazwischen, so dass der Mischwagen nach dem Befüllen sogleich abladen und weiterfahren kann.

Wie sieht es finanziell aus? Die Rechnung lässt sich sehen. Wir haben den Anspruch, dass wir mit einem herkömmlichen Mischsystem finanziell mithalten können, wenn man alle Kosten wie den Mischwagen, zusätzliche Traktoren, allenfalls ein Entnahmegerät, die Arbeitsstunden und so weiter mitrechnet. Zudem muss man einkalkulieren, dass der Mischwagen nach einer gewissen Zeit ersetzt oder zumindest umfangreich repariert werden muss. Je grösser die Herde, desto höher die Abnützung. Für die Landwirte wird so auch kein Kapital gebunden.

Für wen lohnt sich dieses System? Einerseits für solche, die eine Arbeitsentlastung suchen. Andererseits für solche, die vor einer Veränderung stehen. Sei es, weil der alte Mischwagen bald ersetzt werden muss oder weil es beispielsweise nicht klar ist, ob die Tierhaltung weitergeführt wird oder andere Unklarheiten. Denn die Investition in ein Mischsystem ist derart teuer, dass das Lohnsystem eine interessante Möglichkeit sein kann. Die Tieranzahl ist dabei nicht relevant.

Seit Anfang November lässt der Strickhof Lindau das Futter im Lohn mischen, zusammen mit vier weiteren Milchwirtschaftsbetrieben.
Strickhof

Noch Kapazität vorhanden

Am Strickhof-Milchtag im Januar 2020 berichtete ein Landwirt aus Bern von einer Lohnfütterung. Diese Idee begeisterte Reto Osterwalder aus Wängi TG sowie einige Landwirte. Daraufhin erarbeitete Reto Osterwalder ein Konzept und hielt nach einem geeigneten Mischwagen Ausschau.

Auch der Strickhof mit Milchwirtschaftsberater Josias Meili wollte die Möglichkeit prüfen. Um dem innovativen Projekt zum Start zu verhelfen und weil es finanziell interessant ist, war der Strickhof von Anfang an bei diesem Projekt dabei.

Derzeit hat der Mischwagen von Reto Osterwalder noch Kapazität für weitere Betriebe. Wer an diesem System interessiert ist, kann unverbindlich Probemischungen machen lassen. Kontakt: reto_osterwalder@gmx.ch. Für Wirtschaftlichkeitsberechnungen kann Josias Meili vom Strickhof kontaktiert werden: josias.meili@strickhof.ch

4 Responses

  1. Jeden tag 30 km fahren?? Nur um zu füttern? Kein wunder werden wir als klimasünder abgestempelt! Wenn sogar die Landwirtschaftschule an vorderster front mitmacht?!

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