Donnerstag, 28. Januar 2021
02.12.2020 08:44
Viehzucht

Diese Simmentaler leisten 12’000kg

Share on print
Share on email
Share on facebook
Share on twitter
Von: Olivier Ruprecht

Gilbert und Steve Christen aus Cheseaux-Noréaz VD teilen ihre Leidenschaft für die Simmentalerzucht. Dabei feierten sie sowohl Erfolge an Ausstellungen wie auch im Stall. Niemand produziert mit Simmentalern mehr Milch.

Am Südufer des Neuenburgersees entdeckt man Kühe, die man hier nicht unbedingt erwarten würde. Die Simmentaler-Herde von Gilbert und Steve Christen in Cheseaux-Noréaz VD weidet auf ebenem Land, das sich wunderbar für Ackerbau eignet.

Tatsächlich bauen Vater und Sohn Christen auf 50 Hektaren Ackerkulturen an. Doch die übrigen 39 Hektaren sind die Grundlage ihrer eigentlichen Leidenschaft – der Simmentaler.

Pionierin Cresta

«So richtig angefangen hat alles mit der Kuh Cresta», sagt Gilbert Christen stolz. «Heute geht der grösste Teil der Herde auf diese Stammkuh zurück.» Cresta wurde 1966 geboren. Ihre Zuchtkraft hat sich schon damals angedeutet. Ein Erlebnis wird Christen nie vergessen: «An der Comptoir in Lausanne 1972 gab Cresta 51kg Milch».

Eine unglaubliche Milchmenge für die damalige Zeit. Dazu war die grossrahmige Cresta beileibe kein Leichtgewicht. «Vor ihrer letzten Abkalbung im Alter von 15 Jahren haben wir sie mit 1070kg gewogen.»

5 Generationen: 500’000 kg

Auch heute noch streben die beiden Betriebsleiter eine hohe Leistung an. 2019 molken sie mit 8919 kg pro Laktation (4,25% Fett, 3,62% Eiweiss) den höchsten Betriebsdurchschnitt aller Simmentaler-Betriebe. Einige Kühe weisen gar Leistungen über 12’000 kg in 305 Laktationstagen auf.

Gilbert Christen gibt sich bescheiden: «Man muss immer auch bedenken, dass unsere Kühe das ganze Jahr auf dem Talbetrieb stehen. Da haben wir sicher einen Vorteil gegenüber Alpbetrieben. Ihre Kühe weisen zugleich eine hervorragende Nutzungsdauer auf. Der beste Beweis dafür sind die fünf Generationen in Folge, die gemeinsam über 500’000 kg Milch produzierten. «Das war schon etwas ganz Spezielles», meint Gilbert Christen.

Erfolge an der Swiss Expo

Und Sohn Steve freut sich, dass die Legende weitergeschrieben wird: «Mit Frivole steht die nächste Generation mit 80’000 kg Lebensleistung immer noch im Stall.»

Und Frivole ist längst vielen Züchtern ein Begriff. Sie wurde an der Swiss Expo 2013 zur Grande Championne gekürt. Christens nehmen jedes Jahr gerne mit ein paar Kühen an der Ausstellung zu Jahresbeginn teil. Bereits zuvor gewann die Züchterfamilie drei Mal den Champion-Titel. Einer sticht laut Steve Christen dabei besonders hervor. «2010 konnten wir mit Adeline bei den Kühen und Fee bei den Rindern das Double feiern.»

Swiss Expo 2013 – Miss Simmental: Nineron Frivole, Gilbert Christen, Chéseaux-Noréaz.
Anja Tschannen

Gross…

Gilbert Christen hat klare Vorstellungen davon, was eine Kuh mitbringen muss, um hohe Leistungen abzuliefern. «Eine Simmentaler-Kuh muss für mich grossrahmig sein. Wir lieben grosse Kühe, die ein ansprechendes Gewicht haben.» Dadurch sei man oftmals etwas gestraft bei der linearen Beschreibung.

«Doch ich finde es schade, dass die Rasse während den letzten Jahrzehnten viel an Gewicht verloren hat.» Deshalb setze man den Fokus auch bei den Anpaarungen darauf. «Wir nutzen ungefähr zur Hälfte einen eigenen Natursprungstier und zur anderen Hälfte die künstliche Besamung», erklärt Steve Christen.

Diesen Sommer stand der KB-Stier Colin auf dem Betrieb im Einsatz. Nun wird auf die Wintersaison hin mit Stieren wie Merkur oder Veru besamt.

Gilbert und Steve Christen führen eine Betriebsgemeinschaft mit 89 Hektaren Landwirtschaftlicher Nutzfläche. Davon sind 39 Hektaren Wiesenanteil.
Robert Alder

…und hornlos

Für die Zukunft planen Gilbert und Steve Christen einen neuen Laufstall. Für Simmentaler mit Hörnern eine Herausforderung: «Wir haben deshalb vor einem Jahr begonnen, die Kälber zu enthornen», so Gilbert Christen. Vielleicht ziehe man in Zukunft auch genetisch hornlose Stiere in Betracht. Allerdings ginge heute durch den Einsatz solcher Stiere, die meist aus dem Ausland stammten, der Code 60 verloren.

Einen weiteren Vorteil hornloser Tiere sehen die beiden im Viehverkauf. «Der Markt ist bei uns grösser, wenn die Kühe enthornt sind.» Jährlich verkaufe man etwa fünf bis sechs Kühe in der ersten und zweiten Laktation. «Nur die Ausstellungskühe verkaufen wir in der Regel nicht», schmunzelt Steve.

Betriebsspiegel

Gilbert und Steve Christen führen eine Betriebsgemeinschaft mit 89 Hektaren Landwirtschaftlicher Nutzfläche. Neben 39 Hektaren Wiesenanteil werden darauf Weizen, Gerste, Mais, Raps und Zuckerrüben angebaut. Im Stall stehen 43 Kühe. Dazu kommt das Jungvieh, das im Sommer auf der 30-Hektaren-Alp L’Avoyère auf 1320 m.ü.M. in Provence VD gesömmert wird. Die Alp gehört Christens zusammen mit einem Mitbesitzer. Die Milch wird als Industriemilch an die Mooh-Genossenschaft verkauft. rup

Kraftfutter selbstgemischt

Hohe Leistungen bedürfen einer entsprechenden Fütterung. «Klar, wir haben während des ganzen Jahres einen Mischwagen», sagt Steve. Im Sommer weiden die Kühe halbtags. Dazu erhält jede Kuh 5,5 kg TS Maissilage und 4 kg TS Heu über den Mischwagen. «Das Kraftfutter dazu mischen wir mit unserer Mühle selbst.» Aus eigener Produktion kommen Gerste, Körnermais und Weizen rein. Komplettiert wird das Mischfutter mit Sojakuchen, Mineral- und Viehsalz. Schlussendlich enthält es 18 Prozent Rohprotein.

«Unsere Kühe erhalten aber maximal 2 bis 4 Kilogramm von diesem Kraftfutter. Mit einem Eiweisskonzentrat ergänzen wir nur — mit maximal 200 Gramm pro Kuh und Tag — wenn der Harnstoff zu tief ist.» Ausserdem habe man festgestellt, dass die Zufütterung von Luzerne in den heissen Monaten Juni und Juli den Milchgehalt konstant hoch halte. In der Winterfütterung wird das Weidegras durch Zuckerrübenschnitzel, Emd und etwas Grassilage in der Ration ersetzt

Die 43 Simmentaler-Kühe sind auf zwei Läger aufgeteilt. Momentan läuft die Planung für den Bau eines Laufstalls
Olivier Ruprecht

SCHWEIZER BAUER

DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE