Mittwoch, 21. April 2021
16.02.2021 18:36
Viehzucht

Ein Schauprofi in Coronazeiten

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Von: wpf

Der Braunviehzuchtbetrieb von Marco Hofstetter ist eine feste Grösse. Kein Betrieb war in den letzten Jahren so häufig an Viehschauen vertreten. Doch der Landwirt und Viehzüchter schaut auch voraus.

Hofstetter steht in der Braunviehzucht für Erfolg und Einsatz. Kein anderer Betrieb hat in den letzten 15 Jahren an mehr Ausstellungen teilgenommen als der Familienbetrieb aus der Gemeinde Entlebuch LU.

Bubentraum erfüllt

Marco Hofstetter blickt gerne zurück auf diese Zeit. Dazu bieten die schaulosen Monate während der Corona-Pandemie genügend Raum. Wenn man den gefüllten Schaukalender in der Braunviehzucht der letzten Jahre studiert, lässt sich der grosse Aufwand erahnen. Das Präfix Hofstetters hat sich bei der Konkurrenz über die Landesgrenzen hinaus eingeprägt. 

Während Vater Josef oft zu Hause beim Betrieb zum Rechten schaute, waren seine drei Söhne Marco, René und Elmar mit Rindern und Kühen landauf landab an Viehschauen unterwegs. Den grössten Erfolg feierten Hofstetters mit dem Gewinn der Betriebsmeisterschaft 2018 in Wattwil. Mit dem Titel des Schweizer Meisters ist für Marco Hofstetter ein Bubentraum in Erfüllung gegangen. Er konnte mit dem Viehbestand, welchen er zuvor vom Vater übernommen hatte, gleich in der ersten Teilnahme auf seinen Namen gewinnen.

Viele Erfolge

Mit der Leistung im Schauring mit Rang eins von Blooming Beila, Rang zwei von Biver Beverly und Rang fünf von Calvin Catrysha und dem dritthöchsten Milchwert aller Betriebe war der Titel Tatsache. Als Zugabe gewann Beverly auch die Ehrenerwähnung als Gesamtdritte. Mit der Biver-Tochter, die über eine Zaster-Tochter auf die Stammkuh der Herde, Starbuck Strüssli, zurückgeht, konnten Hofstetters Schöneutersiege an der Swiss Expo, am Gotthard Open und an der Bruna gewinnen.

Zudem war die euterstarke Kuh auch schon Erstmelk-Champion und zweifach Grand Champion der Amtsschau. Der Betrieb nahm zuvor noch unter dem Namen von Vater Josef seit 2011 an der Betriebsmeisterschaft teil und war im 2016 mit Rang drei ebenfalls auf dem Podest vertreten. An der letzten Bruna hatte der Betrieb acht Tiere aufgeführt. Sieben Tiere erreichten einen Podestplatz und drei davon einen Abteilungssieg.

Stolz zeigt sich Marco Hofstetter auch, dass man an allen Ausstellungen mindestens einmal eine Abteilung gewonnen hatte. An der Europaschau reichte es mit Willow Whitney zu Rang zwei in der Kategorie. «Ich durfte von den Eltern einen sehr starken Viehbestand übernehmen», so Marco Hofstetter. Der Verkauf von Zuchttieren ist ein wichtiges Standbein des Betriebes geworden. Den finanziellen Aufwand für die Schauen habe man trotz der vielen Teilnahmen in einem gewissen Rahmen halten können. Vorbereiten, Scheren und Stylen und auch die Transporte führt die Familie selbst aus.

27 Kühe im Stall

Anfangs 2018 übernahm Marco als ältester Sohn gemeinsam mit seiner Frau Bianca, die aus dem Vorarlberg kommt, den 26 Hektaren grossen Milchwirtschaftsbetrieb. Jetzt stehen 27 Kühe im Laufstall. Zudem hat der Betrieb 35 bis 40 Stück Jungvieh. Der Vater ist nun beim Sohn angestellt. Inzwischen ist der junge Betriebsleiter Vater von einem Knaben (3 Jahre) und einem Mädchen (1 Jahr). In seiner Freizeit ist Hofstetter auch Verbandsexperte. Diese Tätigkeit liegt dem Viehkenner.

In der Zuchtarbeit will Hofstetter den Fokus vermehrt auf die funktionelle Kuh aus wirtschaftlichen Überlegungen setzen. Die auf den Betrieb ausgerichtete Zuchtarbeit soll auf die Stärke von Brown Swiss bauen. Der Grünlandbetrieb produziert silofreie Milch und setzt seit kurzem vermehrt auf die Weide. Die Milchleistung liegt aktuell für den Betrieb in der Bergzone II im Durchschnitt je Standardlaktion bei 8685 kg Milch mit 3,80% Fett und 3,62% Eiweiss.

Blick in die Zukunft

Der 36-jährige Betriebsleiter blickt in die Zukunft. Als gut eingespieltes Team konnten die Brüder Hofstetter in der Szene vieles bewegen. Veränderungen sind aber im Gange. Inzwischen sind René und Elmar von zu Hause ausgezogen. Für Marco ist klar, dass die vielen Schauerfolge der vergangenen Jahre nur wegen des Anpackens der ganzen Familie zustande kamen. Auch die Zeit als Jungzüchter ist altershalber für Hofstetters vorbei.

Aus diesen Gründen wird der Name Hofstetter auf den Ranglisten der Braunviehschauen künftig etwas weniger zu lesen sein. Zuerst müssen nun aber die Massnahmen rund um die Corona-Pandemie gelockert werden. Marco Hofstetter vermisst aktuell vor allem den fachlichen Austausch mit Züchterkollegen, den er an Viehschauen jeweils hat. 

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