27.06.2017 16:05
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Fleischrinder
«Anzahl Mutterkühe kennt niemand»
Bei Mutterkuh Schweiz sind gut 90000 Mutterkühe registriert, und es werden immer mehr. Das belegen auch die Zahlen der Tierverkehrsdatenbank. Das Problem: In ihr werden Mutterkühe nicht separat ausgewiesen.

«Schweizer Bauer»: Die Zahl der «anderen Kühe» in der Tierverkehrsdatenbank (TVD) hat innerhalb von zwei Jahren um 5000 zugenommen. Welchen Anteil an diesen «anderen Kühen» machen Fleischrinder aus?
Urs Vogt: Diese Frage lässt sich nicht beantworten. Leider kennt in der Schweiz niemand die Zahl der Mutterkühe, da bei den «anderen Kühen» auch verstellte Galtkühe der Milchrassen enthalten sind.

Wäre es aus Sicht von Mutterkuh Schweiz nicht erstrebenswert, wenn Mutterkühe in der TVD nicht mit Galtkühen zusammengefasst würden?
Es wäre absolut notwendig, die Bestandesbewegungen zu kennen. Wir sind deshalb beim Bundesamt für Landwirtschaft vorstellig geworden. Bei Mutterkuh Schweiz sind gut 90'000 Mutterkühe registriert, und die TVD weist rund 125'000 «andere Kühe» aus. Die Zahl an Mutterkühen dürfte irgendwo dazwischen liegen.

In welchem Bereich spürt Mutterkuh Schweiz das grösste Wachstum?

Die Mutterkuhhaltung ist im Aufwind, und es melden sich Bauern, die umstellen wollen. Die grössten Bedürfnisse sind der gemeinsame Auftritt und die Registratur von Tieren zur Vermarktung oder für die Zucht. In der Vermarktung übersteigt insbesondere beim Natura-Veal die Nachfrage bei Weitem das Angebot. Wir suchen unverändert Tiere, gerade in diesen Monaten sind die Lücken gross.

Welche Rassen sind im Trend? Oder setzen die Neueinsteiger auf Kreuzungskühe?
Die Hauptrassen wie Angus, Limousin, Simmental, Charolais, Aubrac und einige Rassen mehr sind gefragt. Aber auch Spezialitäten wie Galloway und Highland Cattle finden Marktsegmente. Agronomisch sind  Kreuzungen interessant, sei dies als Mutterkühe oder bei der Anpaarung.  

Wird Mutterkuh Schweiz weiterhin alle Interessierten als Neumitglieder willkommen heissen?
Ja, selbstverständlich. Ich rufe dazu auf, dass sich Umstellungsinteressierte rechtzeitig melden. Wir haben ein erfahrenes Team von Beratern. Es kommt leider immer wieder vor, dass Betriebe teures Lehrgeld zahlen, weil sie sich nicht oder zu spät beraten lassen.  

Kann der Markt noch mehr Natura-Beef, Natura-Veal und SwissPrimBeef aufnehmen?
Ja, insbesondere für Natura-Veal sind Produzenten gesucht. Das Natura-Beef ist eine feste Grösse, und beim SwissPrimBeef stehen Erweiterungen an. Zudem ist die Qualität aus der Mutterkuhhaltung gesucht, seien das Tiere oder Fleisch.  

Was macht Mutterkuh Schweiz, damit es nicht zu einem Angebotsüberhang und zu sinkenden Preisen kommt?
Die aktuell vorteilhafte Marktlage verlangt umso mehr, dass wir wachsam bleiben. Mit den bestehenden Instrumenten von Mutterkuh Schweiz und den verknüpften Datenbanken bezüglich Betrieben, Geburten und Schlachtungen können die Entwicklungen beobachtet werden. Der Ideenreichtum für neue Produkte ist da, selbstverständlich müssen dafür immer auch Marktpartner gewonnen werden. Ich bin zuversichtlich.

Wie weit ist man bezüglich Auslobung der Rassen am Verkaufspunkt? Dies wäre eine Möglichkeit, den Absatz auszubauen.
Die Rasse ist ein zusätzliches Verkaufsargument. Die Auslobung am Verkaufspunkt erfolgt seit längerer Zeit. Angus und später auch Limousin werden bei Coop seit 2007 und bei Manor seit 2009 ausgelobt. Weitere Rassen sind in der Gastronomie beliebt. Zusätzlich nutzen neue Programme und Direktvermarkter die Rasse als Aufhänger. Das Potenzial ist nicht ausgeschöpft. Entscheidend ist, dass das ganze Tier mit Mehrpreis verkauft werden kann. 

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