17.06.2013 06:40
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Kälbermast
Behörden, Metzger und Gastronomen in die Pflicht nehmen
Die Definition objektiver Farbwerte fürs Kalbfleisch verzögert sich. Trotzdem findet Ende Juni der dritte Kälbergipfel statt. Tierschutz und Kälbermäster wollen dort Behörden, Metzger und Gastronomen in die Pflicht nehmen.

Für den 25. Juni hat der Schweizer Tierschutz (STS) den dritten Kälbergipfel einberufen. Er soll endlich eine Lösung in der Diskussion über die Kalbfleischfarbe und die Rotabzüge bringen. Die Zeit drängt, denn ab 1. September müssen nach der revidierten Tierschutzverordnung alle Mastkälber mit ausreichend Raufutter versorgt werden.

Bei 5 bis 10 Prozent Rotabzug

«Dieses bewirkt, dass das Kalbfleisch deutlich röter wird», betont Peter Christen, Leiter Klassifizierung und Märkte der Branchenorganisation Proviande, «das haben die  Farbmessungen gezeigt.» Christen schätzt, dass bereits heute je nach Firma bei 5 bis 10 Prozent aller Mastkälber ein Rotabzug gemacht wird. Auf die Messung der Kalbfleischfarbe hat sich die Branche 2012 geeinigt.

Eigentlich hätten die Auswertungen der Messversuche im Mai abgeschlossen und Grenzwerte für die Fleischfarbe festgelegt werden sollen. Doch das verzögert sich, wie Christen bestätigt: «Wir haben noch zu wenige Daten und hoffen, bis Juli die nötigen  Messergebnisse vorlegen zu können.» 

STS: Behörden müssen Konsequenzen mittragen

Samuel Graber, Präsident der Kälbermästervereinigung, bedauert die Verzögerung: «Ich rechne trotzdem damit, dass wir die Grenzwerte vor September festlegen können.» Unabhängig davon erinnert Graber an die letztjährige Vereinbarung, gemäss der bei unter 160 Tage alten Kälbern keine Farbabzüge mehr gemacht werden sollen. «Wir verlassen uns darauf, dass die Verarbeiter diese einhalten.»

Unterstützung erhält Graber von Hansuli Huber, Geschäftsführer des STS: «Bauern, die korrekt füttern und Schlachtkörper abliefern, die nicht älter als 160 Tage alt sind, dürfen nicht bestraft werden. Die Behörden, die die Tierschutzvorschriften erlassen haben, müssen die Konsequenzen mittragen.» Laut Huber gibt es auch immer noch Metzger und Gastronomen, die am weissen Kalbfleisch festhalten. 

SSF: Nicht Sache der Metzger, Mindererlöse zu tragen

Der Direktor des Schweizer Fleisch-Fachverbands Ruedi Hadorn begrüsst nach Vorschrift produziertes, hellrosa Kalbfleisch: «Es muss aber farblich und geschmacklich vom Rindfleisch unterscheidbar bleiben, wenn es weiter verkauft werden soll.» Es sei nicht Sache der Metzger, Mindererlöse für rindfleischartiges Kalbfleisch zu tragen.

Von Gastrosuisse wird «aus Termingründen» niemand am Kälbergipfel teilnehmen. Brigitte Meier von Gastrosuisse: «Wir begrüssen es auch, wenn die Öffentlichkeit informiert wird.» Im Endeffekt stehe der Gast im Zentrum. Man biete das Fleisch an, das dieser nachfrage. Für Graber ist das zu wenig: «Das Kalbfleisch bekennt schon Farbe, nun müssen auch Metzger und Gastronomen Farbe bekennen.» Dies soll am Kälbergipfel geschehen.

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