Freitag, 15. Januar 2021
24.11.2018 17:30
Horn in Form (4/4)

«Bekomme Hornführer geschenkt»

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Von: Anja Tschannen

Nun kurz vor der Abstimmung zur Hornkuhinitiative werden von Befürwortern und Gegnern alle Register gezogen. Selbst die simple Frage «Wie bringt man das Horn in Form?» bietet Anlass für rege Pro- und Kontra-Diskussionen. Ein Grund mehr, um genauer nachzufragen. Drei Landwirte, drei Kuhrassen, drei Vorstellungen von der idealen Hornform und drei Techniken zur Hornführung werden in diesem Dossier präsentiert. Im letzten Teil des Dossiers erfährt ihr, wieso Felix Honegger seine Hornführer geschenkt bekommt.

«Wenn schon Hörner, dann mit einer schönen Form», betont Felix Honegger aus Hinwil ZH und läuft durch den Laufstall seiner Original-Braunvieh-Rinder. Und schön ist für ihn ein gleichmässiges, nahe am Kuhkopf gegen oben wachsendes Horn.

«Das ist mir wichtig», so Honegger. Aber es ist nicht nur der ästhetische Aspekt, der Honegger zum Hornführer greifen lässt, sondern auch der Sicherheitsaspekt. 

Knechtle formt Hörner

Verwendet man nämlich keinen Hornführer, wachsen die Hörner oft horizontal und werden sehr breit, bevor sie sich im besten Fall nach oben und hinten biegen. «Je breiter die Hörner sind, desto gefährlicher wird es im täglichen Umgang», sagt Honegger. Deshalb werden die Hörner seiner Tiere in die von Honegger gewüschte Form «geführt» und zwar mit einem verstellbaren Metallhornführer. Aber nicht mit irgend einem, sondern mit einem alten Model der Marke Knechtle.

«Dieses Modell gibt es so nicht mehr auf dem Markt zu kaufen», sagt Honegger. Es lässt sich mit einem Schraubenschlüssel in sechs verschiedene Grössen verstellen. Die Neigung der Hornschale bleibt dabei jedoch immer gleich. Rund 20 Knechtle- Hornführer habe er, einige wurden ihm in den letzten Jahren von Leuten geschenkt, die sie nicht mehr brauchen und beim Ausmisten an ihn gedacht hätten. 

Fingerbreite Luft lassen

Im Alter von rund sechs Monaten beginnt Honegger die Hörner seiner Tiere  zu formen. «Es ist wichtig, dass man den richtigen Zeitpunkt erwischt. Die Hörner sollten zwischen vier bis fünf Zentimeter lang sein», so Honegger. «Je länger sie werden, desto schwieriger wird es, sie zu formen», fährt er fort.

Sind die Hörner also rund vier Zentimeter lang, wird der Hornführer angepasst und angelegt. Dabei schaut Honegger darauf, dass der Knechtle etwas Spiel hat (eine grosse Fingerbreite) und nicht direkt am Horn anliegt. Denn eines sei wichtig zu wissen: «Richtig eingestellte Hornführer sind kein Zwang.» Beim Knechtle-Hornführer werde kein permanenter Druck oder Zug auf das Horn ausgeübt. 

Gut kontrollieren

«Horn wächst immer dem Licht nach», weiss Honegger – Das ist auch der Grund weshalb einige Landwirte bereits bei den Kälbern die Haare auf dem  Hornansatz abschneiden. Durch den Lichteinfall wird das junge Horn bereits leicht in die gewünschte Richtung geführt, «und da beim Hornführer nur von oben Licht an das Horn gelangt, wächst das Horn schön nach oben», begründet der Braunviehzüchter.

Einmal richtig eingestellt, lässt er den Hornführer für vier bis fünf Monate permanent  am Kopf der Tiere.   Hierbei ist eine gute Kontrolle der Tiere wichtig, damit der Hornführer nicht einwächst oder Wundstellen entstehen. Kommt es zu wunden Stellen, wickelt Honegger Verbandstape rund um den verstellbaren Teil des Hornführers, damit dieser etwas höher aufliegt, oder entfernt ihn für eine Weile und zieht ihn zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal an. 

Nach fünf Monaten fertig

Verläuft alles planmässig, sprich der Hornführer kann wie vorgesehen nach spätestens fünf Monaten für immer abgezogen werden, schaut Honegger zum Mond. Na ja nicht ganz, aber fast, er wirft nämlich einen Blick auf  den Mondkalender.

Bei ihm werden die Hornführer nur am zweiten Tag obsigend abgenommen. «Wenn man den Hornführer zu diesem Zeitpunkt abnimmt, wachsen die Hörner weiter schön nach oben», sagt Honegger. Er habe dies einmal von Berufskollegen gehört, zuerst etwas darüber gelacht, dann ausprobiert und beibehalten. «Es kostet nichts und funktioniert», lacht er. 

Hornspitze abstumpfen

Nach den fünf Monaten Hornführerzeit sei das Formen fertig. Später könne es vorkommen, das man den Tieren die Hornspitzen nehme. Das heisst konkret die nicht durchbluteten Spitzen werden mit einer Eisensäge gekürzt, mit einem Sackmesser werden die Kanten gebrochen.

«Ganz spitze Hörner sind wie Waffen», sagt Honegger. Durch das Abstumpfen der Spitzen werde das Verletzungsrisiko gesenkt. Bei rund achtzig Prozent der Tiere hätten die Hornspitzen noch nie gekürzt werden müssen. «Vielfach wetzen sich die Hörner selber ab und sind stumpf», erklärt der Landwirt.  

Für Schau sauber poliert

Ansonsten bräuchten die Hörner keine Pflege. Ausser man gehe an eine Ausstellung. «Dann werden sie mit Seifenwasser sauber geschruppt und mit Melkfett eingeschmiert, damit sie schön glänzen», beschreibt Honegger.

Früher habe er die Hörner beziehungsweise die äusserste Hornschicht mit einer Klinge sauber geschabt und poliert. Dadurch komme die Farbe des Horns besonders gut zur Geltung.

 

Betriebsspiegel

Fläche:
36 Hektaren
Rasse: Original Braunvieh
Tiere: 30 Kühe, 35 Stück Jungvieh (inkl. Stiere), 13 Milchziegen, 4500 Legehennen, 3 Alpakas
Betriebszweig: Milchwirtschaft (Käsereimilch), Zucht, Eierproduktion
Arbeitskräfte: Betriebsleiterehepaar, Sohn, Töchter (auf Abruf), zusätzliche Aushilfen  

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