14.02.2014 18:10
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann, Samuel Krähenbühl
Mutterkuh Schweiz
Brief stellt Vorstand kritische Fragen
Dem «Schweizer Bauer» liegt ein Brief an den Vorstand von Mutterkuh Schweiz vor. Führende Mitglieder von Rassenclubs stellen dazu kritische Fragen, unter anderem zur «ungenügenden Entflechtung von Vianco und Mutterkuh Schweiz» und zu «Zahlungen in Höhe von über 25000 Franken an Externe, ohne den Vorstand zu informieren».

Bei Mutterkuh Schweiz brodelts. Am Donnerstag an der Regionaltagung in Zollikofen kritisierten  mehrere Mitglieder den Vorstand wegen des Projekts «Baltic Beef» (siehe Seite 9). Die Kritik zieht offenbar weitere Kreise. Dem «Schweizer Bauer» liegt ein Brief an den Vorstand vor, der von Martin Eichenberger, Mitglied Strategischer Beirat, Verena Schindler, Präsidentin Swiss Limousin, sowie Urban Dörig, Präsident Swiss Angus, unterschrieben ist. Darin werden verschiedene Punkte wie das anscheinend fehlende Organigramm der Geschäftsstelle in Bezug auf Finanzen, Stellvertretung und Labelprogramme, ungenügende Entflechtung von Vianco und Mutterkuh Schweiz, dann aber auch eine unklare Deklaration der Finanzflüsse zwischen Beef.ch und Mutterkuh Schweiz genannt (siehe Kasten).

Kritik an Baltic Beef

Schliesslich werden auch Zahlungen in Höhe von über 25000 Franken an Externe ohne Information des Vorstands kritisiert. Beim letzten Punkt geht es anscheinend um die Beiträge von Mutterkuh Schweiz an das Projekt «Baltic Beef». Dass Geld floss, ist unbestritten. Daniel Flückiger nannte am 8.Januar im «Schweizer Bauer» die Zahl von 34235 Franken für das Jahr 2012, Vogt am Donnerstag im Inforama Rütti BE  zweimal rund 30000 Franken.

Urban Dörig legt Wert darauf, dass es gar nicht im Sinn aller drei Unterzeichnenden  sei, dass dieses Schreiben an die Öffentlichkeit gelangt sei. Das diene der Sache überhaupt nicht. «Wir wollen konstruktiv vorgehen, und ich habe aus dem Vorstand bereits Signale dafür, dass die Zeichen erkannt worden sind», sagt Dörig.

Keine Stellungnahme

Urs Vogt, Geschäftsführer von Mutterkuh Schweiz, will  keine Stellung nehmen zur Frage, ob  die Geschäftsstelle ihre Kreditkompetenz überschritten haben könnte.
Vogt verweist stattdessen auf die Auskunft von Präsident Corsin Farrér. Dieser antwortete wie folgt schriftlich auf die folgenden Fragen:

«Schweizer Bauer»: Welche Kompetenz hat die Geschäftsstelle von Mutterkuh Schweiz für einmalige, welche für wiederkehrende Ausgaben?
Corsin Farrér: Die Budgetvorgaben müssen erfüllt werden. Budget und Rechnung werden im Vorstand nach einzelnen Konten behandelt (teilweise gesammelt, teilweise detailliert). Die Geschäftsstelle hat Auftrag, gemäss Budget zu arbeiten. In den vergangenen Jahren gelang dies ausgezeichnet. Abweichungen müssen begründet werden. Das Budget wird vom Vorstand und der Vereinsversammlung genehmigt.

Ab welcher Limite muss der Vorstand einmalige, ab welcher wiederkehrende Ausgaben bewilligen?
Alle Ausgaben sind im Budget integriert. 

Hat  die Geschäftsstelle diese Limiten verletzt?
Nein, klar nicht, die Budgetvorgaben sind eingehalten.

Hat die Geschäftsstelle diese Limiten mit Zahlungen an das Projekt Baltic Grassland Beef verletzt?
Nein, klar nicht, die Zahlungen waren im Budget enthalten.

Hat Ivo Wegmann  2012 aus der Kasse von Mutterkuh Schweiz persönliche Honorare für seine Tätigkeit als Projektleiter von Baltic Grassland Beef erhalten (abgesehen von der  im «Schweizer Bauer» vom 8. Januar 2014  von Daniel Flückiger genannten Zahl von 34235 Franken, die nach dessen Angaben im Jahr 2012 in das Projekt Baltic Grassland Beef geflossen seien)?
Nein.

Wird der Vorstand an seiner Sitzung wie von den Unterzeichnenden gefordert eine unabhängige Kommission einsetzen, um die im Brief von Eichenberger, Schindler und Dörig genannten Fragen zu klären?
Der Antrag wird im Vorstand behandelt.

Brief an den Vorstand im Wortlaut

Antrag an den Vorstand von Mutterkuh Schweiz. Sehr geehrter Herr Präsident, geschätzte Mitglieder des Vorstands. Mutterkuh Schweiz ist von ehemals 42 Mitgliedern auf über 5000 gewachsen. Es ist eine Erfolgsgeschichte in der Schweizer Landwirtschaft. Damit das auch weiterhin so bleibt, braucht es Veränderungen und Anpassungen in der Organisation. In den letzten Wochen sind vermehrt Fragen und Unklarheiten von Mitgliedern an uns herangetragen worden. So zum Beispiel:
Fehlendes Organigramm der Geschäftsstelle in Bezug auf Finanzen, Stellvertretung auf allen Stufen, sowie ein autonomer Bereich  Vermarktung Label-Programme. / Zahlungen in Höhe von über Fr. 25000.– an Externe, ohne den Vorstand zu informieren. / Unklare Deklaration der Finanzen in Bezug auf Beef.ch / Mutterkuh Schweiz. / Ungenügende Entflechtung von Vianco und Mutterkuh Schweiz (auch finanziell). / Lieferungen von Label-Tieren Mutterkuh Schweiz aus Betrieben, die sanktioniert sind, oder Natura-Beef-Tiere, die deutlich über 10 Monate sind. / Kommunikation über die Medien. /  Vorschnelle Entscheide über neue Label-Programme (Limousinbeef), sowie neue Richtlinien bestehender Programme(GMF). Aufgrund der Statuten von Mutterkuh Schweiz, Artikel 17, Befugnisse des Vorstands (Punkt a. bis h.), beantragen wir folgendes Vorgehen:
Der Vorstand Mutterkuh Schweiz beauftragt eine unabhängige Kommission, um die Fragen komplett und mit aller Konsequenz zu klären. / Die Kommission macht Vorschläge für allfällige Anpassungen der Strukturen von Mutterkuh Schweiz. / Die Kommission nimmt die Arbeit vor der GV 2014 auf, um Fragen schon vorher zu beantworten. Wir danken dem Vorstand und erwarten rasche, nachhaltige und vertrauensvolle Entscheide!
Martin Eichenberger, Mitglied Strategischer Beirat; Verena Schindler, Präsidentin Swiss Limousin; Urban Dörig, Präsident Swiss Angus. 

Baltic Beef

Das «Baltic Grassland Beef» aus den baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen soll in den nächsten Jahren bei Coop sukzessive das Rindfleisch aus Argentinien und Uruguay ersetzen. In die Schweiz werden nur die Edelstücke Filet, Entrecôte und Huft importiert.  Mutterkuh Schweiz unterstützt das Projekt finanziell  (siehe «Schweizer Bauer» vom 8. Januar). Das «Baltic Grassland Beef»-Projekt läuft unter der Federführung der «Estonian-ACB-Vianco». Den grössten Aktienanteil hält mit 29,13% die Vianco, den zweitgrössten mit 26,70% die Coop-Tochter Bell. Mutterkuh Schweiz hält selber keine Aktien. 

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE