26.06.2018 11:37
Quelle: schweizerbauer.ch - Adrian Haldimann
Betriebsführung
«Das Tierwohl muss stimmen»
Von Holstein zu Angus – Urs und Barbara Lüthi wagten vor zwei Jahren eine Betriebsumstellung. Nun teilen sie die Erfahrungen bezüglich Haltung, Gesundheit und Absatz ihrer Swiss-Black-Angus-Herde.

«Für uns war immer klar, dass wir eine Angusherde wollen.» Urs und Barbara Lüthi aus Burgdorf BE setzten diese Absicht vor zwei Jahren in die Realität um. Das schwarze Fell blieb – die Holsteinkuh ging und das «umgängliche und gutmütige» Angustier kam, wie Lüthis den Charakter ihrer Tiere beschreiben.  

Damit trafen sie den Nerv der Zeit. Einige Monate nach der Betriebsumstellung wurde «Swiss Black Angus», eine Marke der Bauernorganisation IP-Suisse, ins Leben gerufen. Seither steigt die Nachfrage für Qualitätsfleisch vom Swiss-Black-Angus-Rind.

Ohne Kraftfuttereinsatz

Barbara Lüthi nennt gute Gründe, weshalb sie sich für die Rasse Angus entschieden haben: «Der mittelintensive Angus ist hervorragend, um mit der Futtergrundlage aus Gras hochwertiges Fleisch zu produzieren.» Zudem brauche es kein Kraftfutter. Im Sommer wird Weidegras und im Winter Heu und Grassilage gefüttert. Seit der Umstellung werde ein Grasschnitt pro Jahr weniger gemacht, erklären Lüthis. «Wir wollen nicht ein intensives Tier, das eine intensive Betreuung braucht.»  

Für die Umstellung wurden Schweizer Jungtiere von einem Vitrine-Betrieb und laufend Mutterkühe hinzugekauft. In der Herde läuft zudem ein Stier mit, der dem Zuchtziel entsprechend ausgewählt wurde. Deckfähige Aufzuchtrinder werden einige Tage bis mehrere Wochen in die Herde integriert. «Die Fruchtbarkeit funktioniert sehr gut. Bei uns kalben die Rinder im Alter von 24 bis 26 Monaten», sagen Lüthis. Nicht nur die Frühreife und die gute Raufutterverwertung, sondern auch die Leichtkalbigkeit sei ein weiterer Vorteil der Rasse: «Bei der Geburt helfen wir selten und nur bei Rindern  nach.» 

Weide und Kompoststall


Gibt es überhaupt Probleme mit Angustieren? Lüthis antworten bescheiden: «Wir können relativ gut ohne Tierarzt arbeiten.» Weil schon lebensschwache Kälber auf die Welt gekommen seien, würden sie alle hochträchtigen Kühe mit Selen spritzen. Seither habe sich die Situation verbessert.

Der Stall für die Milchkühe wurde 2014 mit Blick auf eine mögliche Umstellung gebaut. Die Liegefläche im grossräumigen Kompoststall wird einmal pro Jahr auf die Felder gebracht. Wenn die Tiere im Stall sind, bearbeitet Lüthi die Liegefläche zweimal täglich mit einer kleinen Egge. «Der Grund für das gewählte System ist das Tierwohl. Wir haben die Kühe nicht gerne in Boxen», begründen sie ihren Entscheid. Das Kalb kann jederzeit bei der Mutter sein, hat Rückzugsmöglichkeiten und einen separaten Fressplatz.  

Tag und Nacht auf der Weide

Wenn das Futterangebot gross genug ist, verbringen die 30 Mutterkühe Tag und Nacht auf der Weide. Ein grosser Teil der arrondierten Fläche ist von Waldrand umgeben – ideal, damit die Tiere einen Schattenplatz finden. Lüthis erfüllen die Anforderungen für Natura Beef. Weil aber der Preis stimme und das hervorragende Fleisch eine Rassenauszeichnung verdiene, wollen sie die Tiere weiterhin als «Swiss Black Angus» über die Schlachtviehhandelsorganisation Kuvag an die IP-Suisse verkaufen. 

Einige 10-monatige Ochsen werden beim Absetzen geschlachtet, um sie im Direktverkauf anzubieten. «So können wir den Kunden das Fleisch von Tieren verkaufen, die immer bei ihrer Mutter waren», erklären Lüthis ihr Verkaufsargument. Sie haben nicht die Absicht, die Direktvermarktung auszubauen, weil dies viel Zeit in Anspruch nehme. Grundsätzlich mästen sie die Absetzer rund drei bis fünf Monate aus, bevor sie auf die Schlachtbank gehen. 

Den Wert zeigen

Lüthis finden für die IP-Suisse lobende Worte: «Wir haben eine sehr gute und faire Zusammenarbeit.» Sie hätten nicht den Eindruck am Schluss der Wertschöpfungskette als Restgeldempfänger zu stehen. Die Organisation sei nahe an der Basis und sei ein gutes Bindeglied zwischen Konsumenten und Produzenten. «Wenn wir als Partner spüren, dass das Produkt geschätzt wird und einen Wert hat, dann motiviert uns das.»

Lüthis handeln konsumentenorientiert und profitieren vom Naherholungsgebiet der Stadt Burgdorf: «Wenn wir wollen, dass die Konsumenten den Wert eines Produktes erkennen, müssen wir ihnen zeigen, was hinter dem Produkt steckt.» Darin seien die Landwirte gefordert. Das fängt bei der Grundeinstellung des Landwirts an, die Barbara Lüthi wie folgt zusammenfasst: «Wir arbeiten mit der Natur. Das Tierwohl muss stimmen. Wir wollen mit unserer Betriebsgrundlage nicht eine maximale, sondern eine optimale Wertschöpfung herausholen.»

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