21.04.2017 10:36
Quelle: schweizerbauer.ch - sal
Neuenburg
Ein Stall für 600 Mastmuni
Stéphane Jeanneret baut einen neuen Stall für 600 Mastmuni. Alle 60 Einsprachen gegen das Projekt wurden abgelehnt.

Eine Hektare Land sei abgetragen auf halbem Weg zwischen Montmollin NE und Coffrane NE, schreibt die Westschweizer Fachzeitung «Terre&Nature» (T&N). Landwirt Stéphane Jeanneret habe seine ertragsschwächste Parzelle ausgewählt, um einen neuen Stall für 600 Munimastplätze zu bauen.

102 Meter lang


Angesichts der Länge des Stalls von 102 Metern schreibt «T&N» vom ersten «Megamastbetrieb» in der Westschweiz. 60 Einsprachen gegen das Bauprojekt seien eingegangen. Und zwar von Anwohnern, die Lebensqualität zu verlieren fürchten, und von Tierschützern, die beim Stall die «industrielle Tierhaltung» anprangern.  

Das Projekt von Jeanneret werde die Landschaft verändern, schreibt «T&N». Jeanneret sagt: «Meine Stiere werden vor allem Mais fressen, der auf meinem Land produziert wird. Der Rest ihrer Ration wird sich aus Getreide und Soja zusammensetzen (ausschliesslich aus der Schweiz) und aus Heu, das wir auf unseren Bergparzellen einbringen.»

Grüne kritisieren Mais 

Josy Taramarcaz, Sprecher der Grünen Partei des Kantons Neuenburg, kritisiert: «Der Mais wird an die Stelle von anderen Kulturen treten.» Das sei nicht gut, weil der Mais viel Wasser brauche, auf Herbizide angewiesen sei und das Erosionsrisiko erhöhe. Er befürchtet auch Preisdruck für andere Betriebe und kritisiert, dass bei der Mast auf möglichst hohe Tageszunahmen gesetzt werde.

Gilbert Hirschy, Biomilchviehhalter aus Les Brenets NE, kritisiert, dass ein Megabetrieb stärker von fossiler Energie abhängig sei, weil Tonnen von Futter und Dünger herumgekarrt werden müssten. Doch alle Einsprachen seien abgelehnt worden. «Das Dossier entspricht den gesetzlichen Vorschriften», unterstreicht auch Yann Huguelit, Direktor der Neuenburger Landwirtschafts- und Weinbaukammer. Die agronomische Bilanz sei ziemlich durchdacht.

Erfüllt Raus-Programm

Jeanneret entgegnet laut «T&N», die Zentralisierung stehe im Zentrum der nationalen Agrarpolitik. Die ultramoderne Halle weise eine 1-Million-Liter-Zisterne auf, um das Regenwasser einzufangen, ebenso eine Biogas- und eine Photovoltaikanlage auf den zwei Gebäuden, die zusammen fast eine Hektare Dachfläche haben. Natürlich erlaube die Grösse seines Betriebs Skaleneffekte, aber er werde zum Marktpreis verkaufen. Der Artikel betont auch, dass das Haltungssystem für 300 oder für 600 Muni dasselbe sei. Und dass der neue Stall die Bedingungen des Tierwohlprogramms Raus erfülle, was nicht überall der Fall sei.  

Jeanneret verweist auf seine Erfahrung in der Munimast, abgesetzte Muni bräuchten nur wenig Arzneimittel. Jeanneret sagt, er habe alle Interessierten eingeladen, ihn zu besuchen, um zu schauen, wie er arbeite. Er habe nichts zu verstecken. Er verweist gegenüber «T&N» auch auf den Fleischhunger der Schweizer Bevölkerung: «Es bräuchte noch eine rechte Anzahl von Ställen wie dem meinigen, um uns von der Importabhängigkeit zu befreien.» 

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