19.08.2018 18:28
Quelle: schweizerbauer.ch - Lilo Lévy
Bern
Ein Telefonanruf mit Folgen
Urs und Barbara Lüthi halten im Burgdorfer Meiemoos Black-Angus-Mutterkühe. Während der letzten Hitzetage wurden sie von einem Passanten beim Veterinäramt wegen schlechter Tierhaltung angeschwärzt.

Fährt man ausgangs Burgdorf BE Richtung Meiemoos, hat man das Gefühl, die Zeit sei stehen geblieben. Ein paar wenige Bauernhäuser inmitten riesiger grüner Flächen. Eine wahre Bilderbuchidylle, nicht nur für jene, die das Land bewirtschaften, sondern auch für die vielen Spaziergänger, welche das Naherholungsgebiet in der Freizeit nutzen.

Offensichtlich wohl fühlt sich aber auch die in der Abendsonne schwarz glänzende, kraftstrotzende Herde der Black-Angus-Mutterkühe mit ihren Kälbern. Mittlerweile ist das Gras auf der gut fünf Hektaren grossen Weide wegen des kürzlich gefallenen Regens wieder etwas grüner als noch vor ein paar Wochen. 

Zu wenig zu fressen

Auch während der Hitzeperiode war die Black-Angus-Herde im Freien. Allerdings nicht, wie sonst üblich, während vierundzwanzig Stunden, sondern nur ab den frühen Abendstunden bis um neun Uhr morgens. «Weil die Tiere durch die Hitzeperiode auf der Weide kaum mehr Futter fanden, werden sie jeweils am Morgen im Laufstall gefüttert», erklärt der IP-Landwirt Urs Lüthi, welcher das Fleisch auch ab Hof verkauft. 

Ob dies der Spaziergänger oder die Spaziergängerin, welche/r just an einem dieser Hitzenachmittage an der Herde vorbeiging, nicht wusste oder nicht wissen wollte, wird wohl nie ans Tageslicht kommen. Fakt ist, beim Gedanken daran reibt sich der 46-jährige Landwirt immer noch die Augen, an einem dieser Hitzetage bekam das kantonale Veterinäramt von anonymer Seite einen Telefonanruf.

Die Tiere seien ohne Schutz der Hitze ausgesetzt gewesen und hätten seit Wochen kein Fressen mehr bekommen, so der Inhalt des Telefonats. Die darauf folgende Konfrontierung mit der Sachlage durch das Veterinäramt löste bei Lüthis Unverständnis hervor. «Ich war wie vor den Kopf geschlagen», erinnert sich der Burgdorfer Landwirt, der auf dem Meienmoos-Bauernhof aufgewachsen ist und seit nunmehr 15 Jahren auf eigene Rechnung den Ackerbau- und Mutterkuhbetrieb führt. 

Anrufer bleibt anonym

Nach dem nachfolgenden Gespräch mit dem Veterinäramt sei die Sache geklärt worden, sagt Lüthi. Ein weiterer anschwärzender Anruf würde allerdings eine Tierschutzkontrolle auslösen, wurde Lüthis beschieden. «Zu unseren Lasten notabene, während die anklagende Person anonym bleiben darf», enerviert sich der Landwirt.

Ähnliche Anrufe von erbosten Bürgern habe das Veterinäramt während der diesjährigen Hitzeperiode zuhauf gehabt, wurde ihm ausserdem kundgetan. Trotzdem, die ganze Sache habe ihm so zugesetzt, dass er den Vorfall auf die Facebook-Seite «Du bisch vo Burdlef, wenn…» gestellt habe. Die Kommentare seien allesamt erfreulich unterstützend gewesen.

Nicht zuletzt habe er den   Weg in die sozialen Medien gewählt, weil das Anschwärzen anonym erfolgt sei. Auch seine Frau, Barbara Lüthi, welche im Stadtrat von Burgdorf politisiert, ärgert sich. Ganz besonders, weil die sie verunglimpfende Person nicht etwa das Gespräch mit ihnen gesucht habe. 

Sie bedauert, dass diese zwischenmenschliche Komponente heute immer weniger zum Tragen komme. Zumal bei einem solchen Gespräch, so Landwirt Lüthi, ihre Philosophie den Tieren und der Landwirtschaft gegenüber hätte erklärt werden können. «Wir setzen auf nachhaltige Qualität und nicht auf Quantität», so Lüthis, welche ab Anfang des nächsten Jahres ihren Hof auf die  Bio-Richtlinien umstellen wollen.

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