17.05.2020 19:00
Quelle: schweizerbauer.ch - Olivier Ruprecht
Luzern
Er setzt auf Weltklasse-Wagyu
Kobe-Fleisch der Wagyu-Tiere boomt weiter. Der Luzerner Marcel Merz kaufte in Australien vor zwei Wochen 16 Toptiere.

Noch besitzt Marcel Merz gemeinsam mit seinem Kollegen Mathias Stalder nur wenige Wagyus, welche  auf dessen Betrieb in Willisau LU stehen. «Diese Tiere habe ich vor einigen Jahren  aus Deutschland zugekauft», führt er aus. Bald wurde dem 52-Jährigen jedoch klar, dass die Qualität der Tiere einen grossen Einfluss haben würde.

«Auf die für das Wagyu-Fleisch so typische Fettmarmorierung kann ebenso gezüchtet werden wie auf die Grösse des Edelstücks oder die Tageszunahme», so Merz. «Dies hat letztlich einen grossen Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit und die Vermarktungschancen.» Momentan sei der Wagyu-Markt in der Schweiz noch eine Nische. In ein paar Jahren erhofft er sich jedoch, dadurch das Fleisch besser vermarkten zu können: «Sobald der Markt gesättigt ist, bin ich überzeugt, dass in erster Linie das beste, also gut marmorierte Fleisch gefragt sein wird.»

Investition in Topgenetik

Der Inhaber eines IT-Unternehmens ist ein zielstrebiger Mensch. Deshalb beschloss er, mit drei Kollegen aus der Schweiz und Deutschland das Unternehmen Top-Wagyu zu gründen, um gemeinsam mit einem sechsstelligen Betrag in Topgenetik zu investieren. «Vor zwei Wochen haben wir in Australien zugeschlagen», strahlt Merz. An Auktionen von zwei der weltbesten Wagyu-Zuchtbetrieben wurden nahe Melbourne (Australien)  16 Tiere gekauft.

«Darunter befinden sich sechs direkte Nachkommen aus dem weltbesten Stier   Mayura Itoshigenami JNR», so Merz. Eine Samenportion dieses Stiers sei auf dem Markt aktuell rund 40000 Euro wert. Die wertvollen Tiere wurden nach der Auktion bei einem australischen Freund eingestallt, wo sie nun für die Embryoproduktion genutzt werden. Diese sollen dann nach Europa exportiert werden, um mit den Tieren weiterzüchten zu können.

Australien als idealer Ort

Doch warum muss die Topgenetik gerade in Australien eingekauft werden? Merz erläutert: «Das Ursprungsland Japan ist in der Wagyuzucht eine Klasse für sich. Nachdem vor Jahren 200 Tiere nach Amerika und Australien exportiert wurden, bekam Japan kalte Füsse und verbot den Genetikexport  kurzerhand.» In Japan sei ihm gar der Besuch von Kobe-Farmen verboten worden. Nach Japan sei Australien im Moment führend in der Wagyu-Zucht und biete zudem die grösste Transparenz und die genauesten Zuchtwerte in seinem Herdebuch.

Deshalb konnte er die gekauften Kühe und Stiere genau einschätzen: «Sieben der sechzehn Tiere befinden sich aktuell im besten Prozent der Rasse.» Auch die Hornlosigkeit sei ein grosses Thema: «Wir haben teilweise in hornlose Tiere investiert, weil wir davon überzeugt sind, dass dies in Zukunft gefragt sein wird, gerade wegen des hohen Aufwands beim Enthornen.» Bereits in den Tagen nach der Auktion konnten die Partner Hornlos-Embryonen in die USA verkaufen. 

Investition lohnenswert?

Ob sich die Investition gelohnt hat, wird er erst in ferner Zukunft erfahren. Bezüglich Wirtschaftlichkeit rechnet Merz vor: «Meine Wagyus erreichen ihr Schlachtgewicht erst mit 36 Monaten. Die gekauften Top-Wagyus erreichen dasselbe Gewicht bei gleicher Fleischqualität jedoch bereits mit 24 bis 26 Monaten. Es ist ein grosser wirtschaftlicher Faktor, ob ich die Rinder ein Jahr mehr oder weniger füttern muss!» Die Fleischvermarktung ist aktuell in der Planungsphase. Schon heute beliefert er Restaurants. Möglich sei in Zukunft auch die Belieferung der Grossverteiler.

«Wenn ich sehe, welche Qualität an Wagyu-Fleisch dort verkauft wird, graut es mir», stellt Merz fest. «Ich bin überzeugt, dass der Kunde für ein qualitativ hochstehendes Wagyu-Steak bereit ist, den Mehrpreis zu bezahlen.» Erst an zweiter Stelle steht die Vermarktung der Genetik in der Schweiz. «Die Schweizer Genetikanbieter haben oft Stiere im Angebot, welche im australischen Gesamtzuchtwert im unteren Segment fungieren.» Daher sei das Interesse grundsätzlich da. Das Problem sieht er vielmehr darin, dass die Genetikanbieter den Samenpreis nicht höher ansetzen wollen, was bei den mit der Investition entstandenen Kosten nötig wäre. Und schliesslich ist sich Merz sicher: «Spätestens mit dem Spass am Ganzen lohnt sich die Investition!»

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