3.10.2020 19:20
Quelle: schweizerbauer.ch - ral
Bern
Erster Tränkermarkt ist Wagnis
Ein Dutzend Tränkekälber und zehnmal so viele Interessenten. Dies die Bilanz des ersten Tränkermarktes im Emmental.

Dicht drängte sich die potenzielle Käuferschaft um den Ring, als Hansueli Bachmann und Ueli Leuenberger das erste Kalb, ein Holsteinmuneli mit 66 Kilo Gewicht, zur Versteigerung im Ring aufstellten.

Nur ein Kalb ging nicht weg

«Wer macht ein erstes Gebot?» Betretene Stille, niemand wollte das Eis brechen. «Drei Franken» hörte man fast leise. Allmählich kamen die Gebote, bis mit Fr. 5.40 das Ende der Fahnenstange erreicht war. Ein SF-Kalb galt Fr. 7.25. Als beim nächsten die Gebote auch nicht höher gehen wollten, rief der Verkäufer, sichtlich genervt: «Ich habe den Eindruck, heute will man nicht zahlen. Ich gebe es nächsten Montag dem Händler, der gibt mir mehr.» Es ging dann doch. Limousin-Kreuzungskälber lösten bis 13 Franken. Nur ein Jersey-Stierkalb wollte niemand haben.

Monika Hirschi aus Eggwil ist Kälbermästerin und konnte nur ein Kalb für sich ergattern. Gerne hätte sie mehrere gekauft. «Aber das ist schwierig, wenn einem Händler alles wegschnappen», gibt sie zu verstehen. Pierre Oppliger kaufte neun Kälber. Er war der einzige Händler auf dem Platz. Die anderen hätten den Markt boykottiert, wie OK-Mitglied Hansueli Lüthi weiss.

Es braucht Wettbewerb

Oppliger hingegen meint: «Das brauchts, eine solche Marktform mit Wettbewerb. Es kann nicht sein, dass Händler fünf Monate Kälber einsammeln und den Rest des Jahres nichts davon wissen wollen.»  Peter Bosshard, Geschäftsführer von Viehhandel Schweiz, spricht nicht von Boykott sondern verweist auf die seit drei Jahren verschärften Vorschriften bezüglich Tierumlad.

Der erste Kälbermarkt in Moudon VD, das Vorbild des Berner Tränkermarktes, habe mit sieben Kälbern gestartet, so Hansueli Lüthi. «Letzte Woche waren es 168.» Er denke schon, dass  diese Form Zukunft habe. Man mache dies schliesslich für die Bauern. Umso mehr sei man darauf angewiesen, dass diese ihre verkäuflichen Kälber auch bringen würden. Aber klar sei ein neues Angebot ein Wagnis, das man zuerst eingehen müsse.

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