25.08.2017 12:03
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Mutterkuhhaltuung
«Es hat noch Platz für neue Betriebe»
Christoph Bill und Katharina Dietrich aus Grafenried BE setzen auf Angus-Mutterkühe. Auf ihrem Betrieb blickten die damaligen und die heutigen Verantwortlichen von Mutterkuh Schweiz zurück – und nach vorne.

Christoph Bill und Katharina Dietrich bewirtschaften in Grafenried BE einen Mutterkuhbetrieb mit 35 bis 40 Angus-Mutterkühen samt Stier und 20 Ausmasttieren verschiedener Rassen für SwissPrimBeef. Es ist ein typischer gemischtwirtschaftlicher Bauernhof, der vom Betriebsleiterehepaar mithilfe der Kinder Lars, Merlin und Rahel und eines Lehrlings bewirtschaftet wird.

Auf dem Bundesplatz

Er umfasst 55ha landwirtschaftliche Nutzfläche, davon 25ha Wiesen und 30ha Ackerbau mit Weizen, Gerste, Raps, Rüben, Kartoffeln und Mais. «Unser Ziel in der Mutterkuhhaltung sind ein abgesetztes Kalb pro Kuh und Jahr, gute Tageszunahmen, eine lange Nutzungsdauer, leichte Abkalbungen, eine gute Klauengesundheit und ruhige und ausgeglichene Tiere», zählt Christoph Bill auf.

Auf dem Betrieb von Christoph Bill und Katharina Dietrich fand am Montag eine Medienorientierung von Mutterkuh Schweiz anlässlich der beef.ch auf dem Bundesplatz statt. Dort wird am 6. und 7. September das 40-Jahr-Jubiläum von Mutterkuh Schweiz gefeiert. «Als die Organisation vor 40 Jahren gegründet wurde, standen das Kalb und die Kuh im Zentrum. Ein Kalb, das bei der Kuh aufwachsen durfte – das war dazumal ein Novum», betonte Christian Burger, OK-Präsident der Jubiläums-beef.ch, bei der der Ex-Berner-Stadtpräsident Alexander Tschäppät als Ehrenpräsident amtet.

Aus dem Milchviehstall

Hans Burger war der erste Präsident von Mutterkuh Schweiz von 1977 bis 1989, als die Organisation noch SVAMH (Schweizerische Vereinigung der Ammen- und Mutterkuhhalter) hiess. Erster Geschäftsführer war Ivo Wegmann. Beide erinnerten sich an die Anfänge zurück, als der Import «fremder» Rassen von Staates wegen verboten war. Wegmann: «Wir nahmen die Tiere, die im Milchviehstall heranwuchsen. Ein erster Schritt zur Qualitätsproduktion war die Einkreuzung von Simmental-M-Stieren in die Original-Braunvieh-Population.»

Zuerst hat die Remontenproduktion im Berggebiet im Fokus gestanden. Natura-Beef – heute das wohl bekannteste Markenprogramm von Mutterkuh Schweiz – folgte erst später. Burger wiederum betonte, schon damals habe man die naturnahe Haltung der Mutterkühe und die natürliche Fütterung mit Gras ausloben wollen und deshalb die entsprechenden Markenprogramme schützen lassen, erinnert er sich. «Das ist bis heute eine Erfolgsgeschichte, die nicht selbstverständlich war.»

Jede siebte Kuh

Heute zählt Mutterkuh Schweiz über 5500 Bauernbetriebe mit rund 100'000 Mutterkühen. Jede siebte Kuh in der Schweiz ist eine Mutterkuh, und jede dritte Kuh wird mit einem Fleischrassenstier besamt. Pro Jahr werden 57'000 Tiere aus der Mutterkuhhaltung vermarktet – dies laut Geschäftsführer Urs Vogt mit einem klaren Ziel: «Wir sind eine Vereinigung, die eine direkte Wertschöpfung für ihre Mitglieder erzielen will. Der Mehrwert der Markenprogramme gegenüber QM Schweizer Fleisch belief sich 2016 auf 27 Mio. Franken.»

Lob von Coop

Laut Roland Frefel, Leiter Beschaffung Frische bei Coop, ist die Partnerschaft zwischen Mutterkuh Schweiz und der Coop/Bell-Gruppe einzigartig. «Vor 40 Jahren gab es Pioniere, die  Visionen hatten», lobt er die Mutterkuhhalter. «Die Mutterkuhhaltung ist heute noch die natürlichste Art, Rindfleisch zu produzieren. Das hat man damals schon erkannt und sich dem Fortschritt trotzdem nicht verschlossen.» 55 Prozent des gesamten Rindfleischverkaufs bei Coop stammen heute aus der Mutterkuhhaltung. Dazu, so Frefel, müsse die Qualität stimmen. «Diese und das Tierwohl sind zwei Erfolgsfaktoren der Markenprogramme von Mutterkuh Schweiz. Die Mutterkuhhaltung hat Zukunft.»

Eine Zukunft, die in den Augen von Mathias Gerber, Präsident von Mutterkuh Schweiz, durchaus auch Herausforderungen beinhaltet: «Ich werde immer wieder gefragt, ob es noch Platz hat für neue Betriebe. Wir dürfen sagen: ‹Ja, es hat noch Platz.› Die Voraussetzungen sind gegeben. Rindfleisch ist gefragt, vor allem, wenn es nachhaltig und  tierfreundlich produziert wird. Die Agrarpolitik stützt unsere Produktionsweise mit den Tierwohl- und den GMF-Beiträgen. Und wir dürfen auf eine solide  Partnerschaft mit Coop zählen.»

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