19.08.2020 15:35
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Graubünden
Graubünden: Wolf reisst Kalb
Auf der Bündner Alp Nera in der Gemeinde Casti-Wergenstein hat ein Wolf ein Kalb aus der Mutterkuhherde gerissen. Das meldet der Bündner Bauernverband.

Der Riss des Kalbes sei eine neue Dimension, schreibt der Verband in einer Mitteilung. Bisher seien vor allem Schafe und Ziegen gerissen worden. Ein DNA-Nachweis fehlt aber noch.

Die betroffene Alp Nera befindet sich laut Bündner Bauernverband im Streifgebiet des Beverin-Rudels. Dort sömmern auf einer behirteten Alp rund 50 Kühe und 40 Kälber. Das wenige Tage alte Kalb sei in der Herde gejagt und gerissen worden, heisst es weiter. 

160 Risse in diesem Jahr


«Die Bauernfamilien und das Hirtpersonal sind nun mit der Realität konfrontiert, dass nicht nur Schafe und Ziegen gerissen werden, sondern auch die Kuhherden insbesondere die Kälber nicht sicher vor Angriffen sind», schreibt der Verband weiter. Gemäss Bauernverband wurden in diesem Jahr 2020 in Graubünden bereits 160 Risse aus Schaf- und Ziegenherden gezählt, die Hälfte davon in geschützten Herden. Das bringe die Bauernfamilien und das Hirtpersonal an die Grenzen des Machbaren. 

Die Bündner Bauern und Älpler bemühten sich seit einigen Jahren um einen guten und wirkungsvollen Herdenschutz im Berggebiet. «Die Herausforderungen sind allerdings sehr gross. Nebst einem massiven Mehraufwand an Zäunung, Behirtung und Herdenschutzhunden, ist es im Berg- und Alpgebiet nur schon aus tektonischen Gründen nicht überall möglich, einen wirkungsvollen Herdenschutz umzusetzen», so der Verband weiter. 

Durch die Anwesenheit des Wolfes ändern gemäss Verband die Mutterkuhherden ihr Verhalten. Die Tiere seien aggressiver und würden so zu einer Gefahr für die Wanderer und Berggänger.

Immer mehr Wölfe in Graubünden

Die Wolfspopulation im Kanton Graubünden wird immer grösser. Anfang August wurde im hinteren Albulatal durch die Wildhut ein weiteres Rudel bestätigt. Dieses umfasst gemäss Angaben des Amts für Jagd und Fischerei mindestens sechs Welpen. 

Mit dem neuen Rudel sind nun zusammen mit dem Morobbia-Rudel an der Kantonsgrenze zum Tessin sieben Rudel bestätigt, welche ihre Streifgebiete im Kanton Graubünden haben. Vier der Rudel haben sich auf der Surselva niedergelassen.

Insgesamt leben im Kanton Graubünden 35 bis 40 Wölfe. 2019 kamen insgesamt 17 Jungwölfe zur Welt. Zudem gab es im vergangenen Jahr 711 Wolfsbeobachtungen. Mit dem neuen Bündner Rudel sind schweizweit total zehn Rudelbildungen gezählt worden. Zwei Rudel halten sich auf im Wallis, eines durchstreift den Waadtländer Jura. Vermutet wird, dass aktuell rund 80 Wölfe in der Schweiz leben.

Bauern wandten sich an Bundespräsidentin

In den vergangenen Wochen und Monaten haben Landwirte beobachtet, dass die Mutterkühe seit der Präsenz der Wölfe unruhiger sind. Die Tiere würden wegen das an den Tag gelegten Abwehrverhaltens aggressiver, warnen sie. Die Landwirte aus der Region haben sich in einem offenen Brief an Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga gewandt. 

Mehrere Wochen später hat sie den Bauern in einem Schreiben geantwortet. Sie nehme die Sorgen der Landwirte sehr ernst. Sie hat das Schreiben der Landwirte an das Bundesamt für Umwelt (Bafu) weitergeleitet. «Das Bafu hat sich bei der Beratungsstelle für die Landwirtschaft (BUL) über die bestehenden Instrumente zur Lösung solcher Probleme erkundigt. Die Arbeitsgruppe «Rindvieh und Grossraubtiere» nimmt sich gezielt der Bündner Probleme an», versprach die Bundespräsidentin.

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