3.12.2019 16:02
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Schlachtung
Hofschlachtung: Interesse steigt
Immer mehr Bauern wollen ihre Tiere auf dem Hof schlachten. Eine Verordnungsrevision legalisiert dies schweizweit. Ein Merkblatt und allenfalls ein Label zur Schlachtung auf dem Betrieb sind geplant

Seit 2015 führt der Biobauer Nils Müller von der Forch ZH auf seinem Betrieb Weideschlachtungen durch – zuerst mit einer Spezialbewilligung, seit 2018 mit einer zehnjährigen fixen Bewilligung des Veterinäramts des Kantons Zürich.

Er erschiesst von einem Hochsitz in der Koppel ein Rind aus der Herde, blutet es vor Ort aus und bringt den Schlachtkörper ins Schlachthaus, um die Eingeweide auszunehmen und zur Zerlegung. Nötig dafür sind ein Jagdpatent, ein spezieller Transportwagen und ein Schlachthaus mit Metzger in der Nähe, um das tote Tier schnell und hygienisch zu verarbeiten.

Bolzenschuss im Stall

Einen anderen Weg hat Georges Blunier in Paspels GR eingeschlagen mit der Hofschlachtung. Er fixiert ein Tier im Fressgitter und tötet es mit einem Bolzenschuss – dafür ist kein Jagdpatent nötig, aber wie für die Weideschlachtung ein Transportwagen, ein Schlachthaus mit Metzger in der Nähe und natürlich eine kantonale Bewilligung.

Nun haben sich Nils Müller, Georges Blunier und Eric Meili vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) in der informellen IG Hof- und Weideschlachtung zusammengeschlossen. «Wir haben mittlerweile eine Mailingliste von rund 100 Personen, die interessiert sind an Infos zur Hof- und Weideschlachtung», bezeugt Eric Meili das Interesse an den neuen beiden Schlachtmethoden. 

Verordnung revidiert

Bald dürfte es in der ganzen Schweiz einfacher sein, die nötige kantonale Bewilligung für Hof- und Weideschlachtungen zu erlangen. Meili erklärt: «Derzeit wird die Verordnung über das Schlachten und die Fleischkontrolle (VSFK ) geändert – nach acht Jahren hartnäckigem Durchhalten, Überzeugen und seriöser Arbeit auf den bisherigen Hof- und Weideschlachtbetrieben mit Bewilligungen», so Meili. Mitgeholfen haben die beiden Nationalräte Martina Munz und Karl Vogler mit ihren Vorstössen im Parlament. 

«Neu ist die Hof- und Weideschlachtung in der VSFK explizit erwähnt. Der Bundesrat muss den Verordnungstext  noch genehmigen, doch gehe ich davon aus, dass er die entsprechende Textpassage belässt», hofft Meili. Die Verordnung werde im Lauf des nächsten Jahres in Kraft  treten. Dann können alle Tierhalter  Hof- und Weideschlachtungen durchführen – wenn sie die Vorschriften erfüllen und eine Bewilligung haben. 

Weg zur Bewilligung

«Fünf Bewilligungen in vier Kantonen wurden von den kantonalen Vollzugsbehörden bereits ausgestellt, zwei für die Weide- und drei für die Hofschlachtung», weiss Meili. «67 Gesuche aus 18 Kantonen liegen auf meinem Tisch.» In einigen Kantonen wollen sich die Bauern zusammenschliessen, um Transportwagen, Schlachthaus und Metzger gemeinsam zu nutzen und zu beschäftigen. 

Aufgrund des Interesses wird Ende Jahr ein Merkblatt des FiBL erscheinen, das genau erklärt, wie man zur Bewilligung kommt. Ein weiteres Ziel der IG Hof- und Weideschlachtung ist, eventuell ein Label für die Hof- und Weideschlachtung zu schaffen. Das Label – sofern es geschaffen wird – soll strenge Auflagen enthalten für die Produktion, Schlachtung und Lagerung des Fleisches. Dies garantiert eine herausragende Qualität entlang der  Wertschöpfungskette bis auf den Teller der  Konsumenten. Selbstverständlich dabei ist die Verwertung des ganzen Tieres, von der Nase bis zum Schwanz («Nose-to-tail»).

Interessenten melden sich bei Eric Meili:
Telefon 079 236 47 18
Mail: eric.meili@fibl.org

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