30.07.2014 07:29
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Fleischrinder
Immer öfter wird der Muni geleast
Viele Mutterkuhhalter brauchen den Stier nur während weniger Monate im Jahr. Darauf hat die Vianco reagiert: Sie bietet Leasingstiere an. Mittlerweile sind es 150 bis 200. Im Frühling sind sie alle «ausverkauft».

Nahezu jedes zweite neu zugelassene Auto  auf Schweizer Strassen wird nicht gekauft, sondern geleast. Tendenz: zunehmend. In der Fleischrinderhaltung ist das Leasing noch deutlich weniger verbreitet – doch  es gewinnt an Bedeutung.


Starkes Wachstum

Geleast werden hier Stiere. «Viele kleinere Mutterkuhbetriebe wollen oder können nicht ganzjährig einen Muni halten, weil es für sie nicht wirtschaftlich wäre oder weil ihnen der Platz fehlt», weiss Urs Jaquemet von der Vianco. 150 bis 200 Leasingstiere hat das Viehhandelsunternehmen im Angebot.

«Noch vor sechs, sieben Jahren waren es höchstens eine Handvoll», so Jaquemet, «und das auch nur zufällig. Es war nie geplant, das Stierenleasing in grossem Stil aufzuziehen.» Man habe einfach auf die steigende Nachfrage reagiert. 

Von Januar bis Juli

Die Mindestleasingdauer für einen Muni beträgt zwei Monate. Die meisten Betriebe leasen den Stier drei bis vier Monate, und dies vor allem in den Monaten Januar bis Juli. «Dann sind praktisch alle verfügbaren Stiere im Einsatz», so Jaquemet. Nach der Decksaison werde es schwieriger, die Stiere unterzubringen, obschon es gerade im Bündnerland auch Betriebe mit Herbstabkalbung gebe, die den Stier den Winter über benötigten. Einige Leasingstiere werden deshalb im Sommer auch geschlachtet, insbesondere solche, die zu schwer geworden sind, und solche, die die Leistung nicht bringen.

Das heisst aber nicht, dass nicht auch Altstiere geleast werden können. Auch wenn die meisten Muni zwischen eineinhalb und zweieinhalb Jahre alt seien, habe die Vianco auch acht- oder neunjährige anzubieten, sagt Jaquemet. «Alle Stiere sind zudem im Fleischrinderherdebuch eingetragen, und sie eignen sich für die Produktion von Natura-Veal, Natura-Beef oder von Mastremonten.»

Eingesetzt werden die Leasingstiere – meist der Rassen Angus, Limousin und Simmental – denn auch vorwiegend auf Produktionsbetrieben. Daneben gibt es Zuchtbetriebe, die ergänzend zur KB einen Stier mitlaufen lassen.

Mindestens 480 Franken

Abgerechnet wird nicht nach Sprung, sondern nach Zeit. Die ersten beiden Leasingmonate kosten 300 Franken, zuzüglich 180 Franken für den Hin- und den Rücktransport. Jeder weitere Monat wird mit 100 Franken verrechnet. Dabei werden aber laut Jaquemet keine Raten bezahlt: «Bei der Lieferung erhält der Bauer eine Rechnung, wie wenn er den Stier kaufen würde. Bei der Rückgabe zahlen wir ihm die Differenz zurück. Natürlich kann der Bauer den Muni auch jederzeit kaufen.» Während der Leasingzeit ist er  verantwortlich für die Fütterung und Haltung, und er haftet für Unfälle.

Für Jaquemet ist deshalb klar: «Der Leasingstier lohnt sich vor allem auf Betrieben mit saisonaler Abkalbung, weil sie den Muni nach der Deckperiode nicht mehr füttern müssen und weil sie so jedes Jahr neue Genetik einsetzen können.» Betrieben mit Ganzjahres-Abkalbung empfiehlt er, einen Stier zu kaufen: «So können sie nach zwei, drei Jahren noch vom Schlachterlös profitieren.»

Züchter kaufen gezielt

Trotzdem: Nicht bei allen Mutterkuhhaltern kommt das Angebot der Vianco gut an. «Man hört hin und wieder, dass sich einige von der Konkurrenz bedroht fühlen, weil sie lieber selber Stiere verkaufen würden», weiss Hans Schild aus Brienzwiler BE, Vizepräsident des Rassenclubs Swiss Limousin und selber Stierenzüchter. «Ich selber habe kein Problem damit und war auch schon froh, wenn die Vianco einer meiner Munis gekauft hat.» Für Produktionsbetriebe sei das Leasing eine gute Sache, findet Schild, «und die Züchter kaufen ja nach wie vor gezielt einen Zuchtstier ein».

Ähnlich sieht es Daniel Flückiger von Mutterkuh Schweiz: «Wir haben bis jetzt keine Rückmeldungen erhalten, dass wegen des Stierenleasings oder der Stieren-Vermietung durch Private weniger Zuchtstiere verkauft werden.» Dies auch, da dank der guten Nachfrage nach Fleisch aus den  Markenprogrammen die Nachfrage nach anerkannten Fleischrassenstieren ansteige. 

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