23.09.2014 08:52
Quelle: schweizerbauer.ch - Martin Brunner
Kälbermast
Kälbermast verträgt Heufütterung
Der Raufuttereinsatz in der Kälbermast ist ein gangbarer Weg. Allerdings brauchen die Kälber damit länger, bis sie die gewünschte Qualität erreicht haben. Änderungen der Grenzwerte wären nötig.

In der Kälbermast muss vieles zusammenstimmen, bis aus den Kälbern qualitativ hochstehendes Kalbfleisch entstanden ist. Ein wichtiger Faktor ist die Fütterung, die seit dem 1. September 2013 auch den Zugang zu geeigneten Rohfasern garantieren muss. Dieser Raufuttereinsatz stand deshalb im Zentrum der Plattform Tierschutzfragen 2014, die an der Agridea in Lindau ZH über die Bühne ging. Fachleute aus Mastbetrieben, Verarbeitung, kantonalen Ämtern, Tierschutz und mehr erörterten wichtigste Fragen.

Nicht marktkonform

Corinne Bähler stellte die Studie der Wiederkäuerklinik Bern vor, in der es um den Raufuttereinsatz zusätzlich zum Stroh gegangen war. Als Schlussfolgerungen daraus beurteilte sie den Einsatz zum Beispiel von Heu grundsätzlich als positiv. «Die Gesundheit des Tiers ist allgemein besser», erklärte sie. «Pansen und Labmagen profitieren davon. Auch das Wiederkauverhalten verbessert sich.» Allerdings seien die Leistungsdaten bei Heu im Vergleich mit anderer Zufütterung wie Maiswürfeln schlechter.

Die Studie habe zudem ergeben, dass genau diese Leistungsdaten nicht marktkonform seien. Das wiederum hänge mit der zu kurzen Mastzeit von 160 Tagen zusammen, vor allem bei den Milchtypkälbern. Klar sei auch geworden, dass der Hämoglobingehalt bei der Ankunft der Kälber im Mastbetrieb zu tief sei. Die Eisenversorgung durch Raufutter könne in der Folge nicht gewährleistet werden. Sie schlug vor, die Zusammenarbeit mit den Geburtsbetrieben zu intensivieren. Das könne zurückgehen bis zur Zuführung von Mineralien in der Galtphase oder spätestens in der ersten Lebensphase des Kalbes.

Ein gangbarer Weg

Andreas Santschi von der Gefu Swisskalb stellte seinen Mastbetrieb in Rickenbach auf Heufütterung und freien Zugang zu Wasser um. Er sah darin einen durchaus gangbaren Weg. «Das bringt robuste Tiere und eine leicht bessere Futterverwertung», erklärte er. Er stellte in der Rotfärbung keine Veränderung und dadurch keine zusätzlichen Rotabzüge fest. «Allerdings führt dieses Vorgehen zu schlechteren Schlachtkörpern. Der Tageszuwachs sollte mindestens 1300 Gramm betragen, damit die Qualität stimmt. Er liegt aber fast 100 Gramm tiefer.»

Er schlug deshalb vor, dass die Alterslimite der Kälber auf 180 Tage angehoben werden sollte. Ein Problem sah er auch bei der Diskussion um den Grenzwert für die Abzüge. Würde dieser auf 42 angehoben, so wäre bei der Heufütterung rund die Hälfte seiner Tiere davon betroffen. «Der L-Wert dürfte bei maximal 40 liegen.»

Ungeeignete Kälber

Beat Wüthrich von der Micarna lobte den Einsatz des neuen Farbmesssystems als objektive und neutrale Beurteilung. Die Messung am «Flämmli» an der Innenseite könne kleinste Farbunterschiede erkennen. Bei den Schlachtungen von Januar bis Juli 2014 habe man festgestellt, dass im Bereich Terra Suisse das Fleisch tendenziell etwas dunkler sei im Vergleich zur klassischen Mästung. Die Migros vermarkte das rindfleischfarbige Fleisch an Drittkunden. Das rosa Fleisch gehe in die Filialen in den Verkauf. Er beurteilte nicht zuletzt die neuen Fütterungs- und Fleischqualitätsbestimmungen als positiv.

In der Diskussion sah ein Mäster sich und seine Kollegen in einem Dilemma. Man bekomme Kälber in die Mast, die dafür nicht geeignet seien. Der Markt wolle diese nicht. Dafür brauche es Lösungen. Ein Vorschlag aus der Runde war die Mast auf dem Geburtshof. Viele sahen darin aber kaum eine Möglichkeit, vor allem im Hinblick auf die Erhaltung des Labels Kalbfleisch. Einig waren sich alle, dass der L-Wert als Qualitätsnachweis wichtig und nötig sei.

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