11.04.2013 11:24
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Unfallverhütung
Kühe riechen Stress und mögen keine knalligen Farben
Auch zahme Rinder können gefährlich werden, wenn sie erschrecken oder sich bedroht fühlen. Dann drohen Unfälle. Die richtigen Hilfsmittel und ein angepasstes Verhalten können solche Situationen entschärfen.

«BUL» steht für Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft. Diesen Auftrag nimmt sie ernst. Regelmässig bietet die BUL Kurse für Bauern an, diese Woche im Werk- und Wohnheim Murimoos in Muri AG zum Thema «Sicherer Umgang mit Rindern». Denn trotz allem Muniflüstern: Frei laufende Rinder sind keine Engel. Je grösser die Herden werden, desto weniger kann man sich ums einzelne Tier kümmern. Dazu kommt, dass Kühe und Rinder mehrheitlich nicht mehr angebunden werden.

Falsch eingeschätzt

«Zwischen 1999 und 2008 geschahen in der Landwirtschaft 462 tödliche Unfälle», betonte Beat Burkhalter von der BUL, «bei 21 davon waren Tiere im Spiel.» Hinter den zwei tödlichen Unfällen pro Jahr stünden jährlich 20 bis 30 Zwischenfälle, die mit schweren Verletzungen enden würden, und eine noch viel grössere Zahl von bedrohlichen Situationen. Ein Drittel aller Unfälle passiert, weil der Mensch das Tier falsch einschätzte, 10 Prozent wegen Unkonzentriertheit.

Gross ist das Risiko, wenn Rinder verladen, separiert oder behandelt werden müssen. Burkhalter warnte: «Dann ist es wichtig, dass man die richtigen Hilfsmittel  zur Verfügung hat – und dass man  seine Tiere kennt und weiss, wie sie ticken.»

Stress stinkt

Eine Kuh hat eine feinere Nase als der Mensch. Sie erkennt ihre Artgenossen über den Geruch. Sie riecht, wenn Menschen oder andere Kühe gestresst sind, und sie kann sich merken, welche Ausdünstung mit dem Tierarzt einhergeht. Der Geruch eines Hundes  beunruhigt sie.

Kühe haben die Augen seitlich am Kopf. Wirklich scharf können sie aber nur in einem schmalen Bereich sehen. Direkt vor dem Kopf und hinter sich sehen sie nichts. Starke Hell-Dunkel-Kontraste und knallige Farben beängstigen Rinder. Deshalb gehen sie auch nicht über Weideroste oder nahe an weiss-rote Schreckbänder. Bei Treibgängen sollte das Schattenspiel möglichst vermieden werden, Tierhalter sollten gedämpfte Farben tragen. Die Kuh ist schnell geblendet. Sie hat auch fünfmal länger, bis sich ihre Augen ans Dunkel gewohnt haben. Schnelle Bewegungen verängstigen sie.

Rinder sind lärmempfindlich. Metallische, quietschende Geräusche stressen sie, die menschliche Stimme kann sie beruhigen.
Die Fellpflege und Berührungen spielen im Sozialverhalten eine wichtige Rolle.

Stock als Verlängerung

Alles Wissen über die Kuh in Ehren: Erst die richtigen Hilfsmittel machen den Umgang mit den Tieren sicher. Ohne Panels oder anderweitige feste Einrichtungen können Rinder weder vernünftig getrieben noch fixiert werden. Ein Stock dient als Armverlängerung, kann aber auch zur Abwehr genutzt werden.

Moderne Halftern haben nichts mehr gemein mit den kleinen, dünnen Strickgeflechten, die vor 50 Jahren im Einsatz standen. Lange Seile, weiches Material und die perfekte Knüpftechnik machen sie unverzichtbar. Am BUL-Kurs lernten die Teilnehmer nicht nur verschiedene Knot- und Schlaufvarianten, sondern konnten die Halftern auch gleich in der Praxis anwenden.

Verflixte Wurfschlingen

Dazu gingen sie in den Stall des Wohn- und Werkheims Murimoos, wo Betriebsleiter Thomas Lüssi die Stallungen und die Tierhaltung vorstellte. Im Murimoos stehen 200 Stück Vieh, davon rund 75 Kühe und etwa 20 trächtige Rinder der Rassen Angus und Highland Cattle. Betreut werden sie auch von den Bewohnern des Werk- und Wohnheims. Diese sind sich das Arbeiten mit Tieren nicht immer gewohnt. Deshalb ist besonders wichtig, die Ställe so eingerichtet sind, dass man gefahrlos arbeiten kann.

Auch müssen die Rinder an Menschen gewohnt sein. Sie liessen sich denn auch nicht gross aus der Ruhe bringen, als die Kursteilnehmer ihre Technik mit Wurfschlingen verfeinerten oder mehrmals ansetzen mussten, bis die Halfter perfekt sass und der Anbindeknoten hielt.

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