29.09.2013 06:09
Quelle: schweizerbauer.ch - Samuel Krähenbühl
Tierzucht
Limousin ist neu grösstes Programm
Die Fleischrinder gewinnen zahlenmässig immer mehr an Boden. So ist mittlerweile nicht mehr eine Milchviehrasse, sondern die Fleischrinderrasse Limousin das grösste Programm der KB-Organisation Swissgenetics.

«Fleischproduktion wird wirtschaftlich immer interessanter.» Mit diesen Worten kommentierte Swissgenetics-Vizedirektor Ulrich Witschi seine Ausführungen zu den Besamungen nach Rasse. In seinem Referat an der Tagung «Aktuelles aus Rindvieh- und Schweinehaltung» am Donnerstag in Zollikofen BE (siehe Kasten) legte er dar, dass im letzten Jahr die Fleischrinderrasse Limousin alle anderen Programme bei Swissgenetics bezüglich verkaufter Samendosen überholt habe: «Unser grösstes Programm ist zum ersten Mal das Limousin-Programm.» Insgesamt habe die Fleischrindergenetik mit über 350000 verkauften Dosen mittlerweile einen Anteil von rund 40% an den insgesamt 922000 verkauften Samendosen erreicht.

Dabei würden allerdings  mit über 90% der Fleischrinderbesamungen nicht in der Rassenzucht getätigt, sondern für Gebrauchtkreuzungen mit Milchviehrassen. «Hier spielt auch die Zunahme der Besamungen mit gesextem Sperma  eine Rolle, da es weniger Tiere zur Remontierung braucht», begründete er. Tatsächlich nahmen auch die Besamungen mit gesextem Sperma bei Swissgenetics im letzten Geschäftsjahr um nicht weniger als 31% zu.

Export schwächelt

Währenddessen verkaufte die grösste Schweizer KB-Organisation im letzten Jahr allerdings 1,2% weniger Samendosen. Der Export brach mit –25% gar regelrecht ein. «Der internationale Markt ist sehr stierabhängig», so eine Erklärung gemäss Witschi. Er sei aber auch ein sehr politischer Markt, bei dem oft mit politischen Entscheiden technische Handelshemmnisse den Export behindern könnten. «Ein Beispiel sind Importsperren wegen der  Schmallenberg-Krankheit», sucht er nach weiteren Erklärungen.

Tierzuchtverordnung

Auch die zuchttechnischen Veränderungen aufgrund der geänderten Tierzuchtverordnung gaben zu reden. Matthias Schelling, Direktor von Swissherdbook, erläuterte, welche Änderungen das Herdebuchreglement von Swissherdbook dadurch erfahre. Nur noch Tiere mit 2-Generationen-Abstammung im Herdebuch und einem Minimum von 87,5% Rassenanteil würden vom Bund finanziell gefördert.

Eigenes SF-Herdebuch

Deshalb könne Swiss Fleckvieh nicht mehr in einem grossen Herdebuch zusammen mit Simmental und Red Holstein, sondern neu in einem eigenem Herdebuch geführt werden. «Am 1. Januar 2014 werden sämtliche SF-Tiere mit einem 100%-SF-Anteil ausgestattet», erläutert Schelling.

Zwar würden weiterhin die Blutanteile der jeweiligen Sektion ausgewiesen. Es gebe aber eine neue Logik. «Es gibt nicht mehr nur den Simmentaler- und den Red-Holstein-Anteil, sondern neu auch hundertprozentige SF-Tiere.» Diese  SF-Tiere seien herdebuchberechtigt, nicht mehr aber neue F-1-Kreuzungen zwischen Simmental und Red Holstein. «Eine Kreuzung zwischen SI und RH gibt ein SF-Tier, aber mit 0%-SF-Blutanteil», erläuterte Schelling. Immerhin sei es möglich, pro Jahr maximal zwei neue  KB-Stiere pro Jahr, welche aus F-1-Kreuzungen hervorgegangen seien, auf 100% SF-Blutanteil zu setzen.

Neben den SF-Tieren seien aber vor allem auch die Rassen  Montbéliarde und Normande von den Änderungen betroffen. «Bei den Normandes erreichen fast keine Tiere den geforderten Blutanteil von  87,5%.»  Bei den Büffeln gibt es viele Tiere ohne Abstammung.

Die Tagung

An der von Agridea und Svial organisierten Tagung für Tierzuchtlehrkräfte zum Thema «Aktuelles aus Rindvieh- und Schweinehaltung» waren diverse weitere interessante Referate zu hören. So zu  Neuerungen im Bereich der genomischen Selektion von der Firma Qualitas, News und Trends aus den Zuchtverbänden und Agridea, Aktuelles aus der Schweinezucht sowie Forschungsergebnisse zur Milchkuhernährung vonseiten der Forschungsanstalt Agroscope Liebefeld Posieux.

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