23.02.2014 06:59
Quelle: schweizerbauer.ch - Interview: Daniel Salzmann, Samuel Krähenbühl
Mutterkuh Schweiz
«Man will vieles unter den Tisch wischen»
Samuel Oehninger tritt als Vorstandsmitglied von Mutterkuh Schweiz zurück. Er könne es nicht mehr mittragen, dass Versäumnisse im Zusammenhang mit dem Projekt Baltic Grassland Beef nicht aufgearbeitet würden.

«Schweizer Bauer»: Sie treten aus dem  Vorstand von Mutterkuh Schweiz zurück. Warum?
Samuel Oehninger: Ich kann nur eine offene Unternehmenskultur unterstützen. Und bei Mutterkuh Schweiz herrscht leider keine solche, denn die Vergangenheit wird nicht aufgearbeitet. Ich hatte gehofft, dass der Vorstand reinen Tisch machen würde. Doch anstatt Vertrauen durch Offenheit zu gewähren, scheint vieles unter den Tisch gewischt zu werden. Dies mit dem Argument, man wolle nicht mehr zurückschauen. Das ist leider die Haltung einer überwiegenden Mehrheit im Vorstand.

Was konkret sprechen Sie an?
Es sind einige unschöne Dinge gelaufen, zu denen nicht gestanden wird. Es kann ja nicht sein, dass man 34'000 Fr. fürs Baltic Grassland Beef bezahlt und dazu noch 92'000 Fr. an den zuständigen Projektführer. Und der Vorstand hat meines Wissens nie konkret über die Finanzierung dieses Projektes abgestimmt und wusste offenbar nicht einmal, dass sich Mutterkuh Schweiz daran beteiligt. Als ich die Wahl in den Vorstand angenommen habe, war mir immer klar, dass ich dadurch den Interessen aller Mitglieder verpflichtet bin. Ich orientiere mich am Grundsatz: «Offenheit schafft Vertrauen». Was im konkreten Umkehrschluss heisst: «Verschlossenheit bringt die Bauern um ihr Geld.» Offenbar hat auch noch kein Vorstandsmitglied, und ich ganz sicher nicht, eine Abrechnung der beef.ch einsehen dürfen.

Was ist so schlimm am Baltic- Grassland-Beef-Projekt?
Was mich daran stört, ist, dass man Konkurrenz im Ausland, konkret in den baltischen Staaten, aufgebaut hat und dies ausgerechnet mit Geld von Schweizer Bauern. Das Baltic Grassland Beef wird viel kostengünstiger mit Natura-Beef-Standards produziert und im gleichen Regal des gleichen Grossverteilers verkauft. Dies, ohne dass man von Mutterkuh Schweiz Aktien, eine sonstige Beteiligung oder wenigstens ein handfestes Mitspracherecht am Projekt hätte.

Corsin Farrér, Präsident von Mutterkuh Schweiz, argumentierte letzten Samstag im Interview mit dem «Schweizer Bauer», dass das Geld für Baltic Grassland Beef ordnungsgemäss im Budget enthalten sei…
Es gibt ein globales Budget, das sehr allgemein gehalten wird und über das natürlich befunden wird. Das ändert aber nichts daran, dass die Geschäftsstelle selbstständig nur über Beträge bis 15'000 Fr. verfügen darf, die im Rahmen des Budgets auch bewilligt wurden und die den Interessen von Mutterkuh Schweiz und damit den Interessen der Mitglieder dienen.

Ab welcher Limite muss der Vorstand Ausgaben bewilligen?
Ab 30000 Fr. muss laut Reglement der Vorstand darüber befinden. Zwischen 15'000 und 30'000 Fr. ein Vorstandsausschuss zusammen mit dem Geschäftsführer.

Hat die Geschäftsstelle diese Limiten verletzt?
Ja, denn die Geschäftsstelle hat aus meiner Sicht Beträge über 30'000 Fr. ohne einen vorliegenden Vorstandsentscheid bezahlt. Denn z.B. der bezahlte Betrag von 34'235 Fr. an Baltic Beef liegt weit über den Kompetenzen der Geschäftsstelle. Der Vorstand hat nie über Baltic Beef abgestimmt und wusste auch nichts von einer finanziellen Beteiligung. Dies wurde mir jedenfalls auch für die Zeit vor meinem Eintritt in den Vorstand so bestätigt.

Seit Längerem steht der Vorwurf im Raum, dass der Vianco-VR-Delegierte Ivo Wegmann  aus der Kasse von Mutterkuh Schweiz persönliche Honorare für seine Tätigkeit als Projektleiter von Baltic Grassland Beef erhalten hat. Präsident Farrér stellt dies allerdings in Abrede. Was sagen Sie dazu?
Meines Wissens hat er total 92'000 Fr. erhalten. Ich sah im Jahr 2012 zwei Belege, die beide 30'000 Fr. überschritten. Daraus war ersichtlich, dass eine Anzahl Tage zu 1500 Fr./Tag und Spesen von 500 Fr./Tag bezahlt wurden. Aus meiner Sicht sind allein 2012 92'000 Fr. plus 34'235 Fr., also über 125'000 Fr., an das Baltic Grassland Beef geflossen. Damit hat man der Konkurrenz ja buchstäblich Benzin ins Feuer gegossen.

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