5.06.2019 09:14
Quelle: schweizerbauer.ch - Christof Hirtler
Nidwalden
Mutterkühe erobern Flugplatz
Zum ersten Mal war die Veranstaltung beef.ch im Kanton Nidwalden zu Gast. Dabei bot die Gewerbe- und Erlebnismesse «Iheimisch» die ideale Plattform für die Nidwaldner Mutterkuhbetriebe.

60 von 410 Landwirtschaftsbetrieben im Kanton Nidwalden betreiben Mutterkuhhaltung mit insgesamt über 800 Kühen. 48 Betriebe sind Mitglied von Mutterkuh Schweiz. Erstmals genoss die Veranstaltung beef.ch – Erlebnis Rind Gastrecht im Kanton Nidwalden.

Zum Landschaftsbild

Der Anlass fand gemeinsam mit der Gewerbe- und Erlebnismesse Iheimisch auf dem Flugplatz bei Buochs statt. Es gelang den Initianten der Nidwaldner Ausstellung, Monika und Richi Barmettler, der Bevölkerung die Mutterkuhhaltung und die Kuhrassenvielfalt in Nidwalden näher zu bringen. «Als in den 1970er-Jahren die ersten Pioniere in der Schweiz mit Mutterkuhhaltung begannen, wurden sie ein wenig schräg angeschaut. 1980 lancierten die Mutterkuhhalter mit Natura-Beef eines der ersten Tierwohllabels», sagte der Präsident von Mutterkuh Schweiz, Mathias Gerber, an der Eröffnung.

«Heute gehören Mutterkühe mit ihren Kälbern zum Landschaftsbild. Sie sind Werbeträger für eine nachhaltige, naturnahe und tiergerechte Landwirtschaft. Wir brauchen diese Kühe in unseren Hanglagen, wenn wir das Grasland weiterhin nutzen wollen.» Der Anteil an Mutterkühen am Gesamtkuhbestand beträgt knapp 20 Prozent. Die Mutterkuhhaltung werde weiter zunehmen. Mit dieser Entwicklung sei aufgrund der Perspektiven im Milchmarkt und der Agrarpolitik zu rechnen, so Gerber. Schweizweit ist die Mutterkuhhaltung heute Existenzgrundlage für über 5500 Bauernfamilien mit rund 120'000 Mutterkühen.

Willkommene Alternative

Mit 6000 Hektaren Landwirtschaftlicher Nutzfläche und 5000 Hektaren Alpfläche dominiert in Nidwalden die graslandbasierte Landwirtschaft. «Es ist eine der Stärken der Nidwaldner Landwirtschaft, dass unsere Mutterkuhhalter die scheinbaren Nachteile der Topografie bestens nutzen können und mit der Beweidung die Landschaft pflegen», sagte Joe Christen, Regierungsrat und Direktor des Departements für Landwirtschaft und Umwelt.

«Die Mutterkuhhaltung ist eine willkommene Alternative zur Milchproduktion. Auf das Fleisch schwören Schweizer Spitzenköche. Qualität und Tiergesundheit sind nicht nur landwirtschaftspolitische Forderungen, sie sind auch umweltpolitische Postulate», betonte Christen. «Der Einsatz von wachstumsfördernden Zusatzstoffen, tierischen Eiweissen oder Fetten, Soja, Palmöl oder Palmfett und gentechnisch veränderten Futtermitteln ist verboten.»

Richtiges Verhalten

Weidetiere pflegen die Landschaft, in der Wanderer unterwegs sind. Und die Wanderer tragen ihrerseits als Touristen und Konsumenten zur Existenz der Berglandwirtschaft bei. Da immer mehr Muttertiere in Wandergebieten anzutreffen sind, informierten Mitarbeiterinnen der Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft (BUL) die Messebesucher über das richtige Verhalten bei Begegnungen mit Mutterkuhherden.

«Besonders wichtig ist das Respektieren der Individualzone», erläuterte Cornelia Stelzer vom BUL. «Rinder haben eine Distanzzone wie wir Menschen. Wird diese verletzt, können sich Tiere bedrängt fühlen und aggressiv reagieren.» Stelzer verwies auf die wichtigsten Verhaltensregeln: «Halten Sie Distanz zu einer Mutterkuhherde, gehen sie ruhig vorbei, um die Tiere nicht zu beunruhigen. Kälber dürfen auf keinen Fall berührt werden, Hunde sind an der Leine zu führen.»

 

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